Ein Te­am­play­er

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - MR

Ul­rich Spiess­ho­fer wird am 15. Sep­tem­ber Joe Ho­gan als Chef von ABB ab­lö­sen. Bis da­hin wird er sich nach aussen be­deckt hal­ten, sich da­für um­so mehr in­nen um­hö­ren. Die Über­gangs­pe­ri­ode wird ihm da­zu die­nen, den «Rest» der Or­ga­ni­sa­ti­on noch bes­ser ken­nen­zu­ler­nen – heu­te lei­tet Spiess­ho­fer (49) die Di­vi­si­on In­dus­trie­au­to­ma­ti­on und An­trie­be, die grösste der fünf Spar­ten. Er hat die­ses glo­ba­le Ge­schäft re­struk­tu­riert, aus­ge­baut – et­wa mit der gros­sen Ak­qui­si­ti­on Bal­dor – und stär­ker auf Wachs­tums­märk­te aus­ge­rich­tet. Kein Wun­der, wur­de Spiess­ho­fer als Spit­zen­kan­di­dat für Ho­gans Nach­fol­ge ge­han­delt, in­tern wie ex­tern. Sein Kon­zern­lei­tungs­kol­le­ge Eric Elz­vik, seit Fe­bru­ar Fi­nanz­chef und wie Spiess­ho­fer, der seit 2005 für ABB tä­tig ist, ein «Ei­gen­ge­wächs», be­schreibt den künf­ti­gen Chef im Ge­spräch mit FuW als «aus­ge­spro­che­nen Te­am­play­er und Te­am­buil­der. Er ist stark nach aussen ori­en­tiert, auf Kun­den und Märk­te.» Die ame­ri­ka­ni­sche Ver­käu­fer­men­ta­li­tät, die Ho­gan ins In­ge­nieur­un­ter­neh­men ABB hin­ein­ge­tra­gen hat­te, dürf­te un­ter neu­en Vor­zei­chen fort­ge­führt wer­den. «Zwi­schen Joe Ho­gan und Ul­rich Spiess­ho­fer gibt es mehr Ge­mein­sam­kei­ten als Un­ter­schie­de. Ul­rich steht für Kon­ti­nui­tät in der Kon­zern­stra­te­gie», sagt CFO Elz­vik denn auch.

Ein er­heb­li­cher Un­ter­schied der zu En­de ge­hen­den Ära Ho­gan und der be­vor­ste­hen­den Ära Spiess­ho­fer liegt in der Aus­gangs­la­ge, wel­che die Kon­zern­bi­lanz bot bzw. bie­tet. Als Joe Ho­gan im Sep­tem­ber 2008 Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer wur­de, ver­füg­te ABB über 5 Mrd. $ Net­to­li­qui­di­tät. Gross­teils sind die Mit­tel sind nun­mehr in­dus­tri­ell in­ves­tiert, die Bi­lanz ist qua­si wie­der in Ba­lan­ce; in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren hat ABB für Zu­käu­fe rund 10 Mrd. $ auf­ge­wen­det.

Spiess­ho­fer wird, was ex­ter­nes Wachs­tum an­be­langt, et­was be­schei­de­ne­re Bröt­chen ba­cken müs­sen als sein Vor­gän­ger, um­so mehr, als Eric Elz­vik dar­auf ach­ten wird, die Kon­zern­fi­nan­zen so­li­de zu hal­ten. Den­noch be­tont der CFO: «Ak­qui­si­tio­nen blei­ben Teil der Stra­te­gie von ABB, wenn­gleich viel­leicht in et­was klei­ne­rem Rah­men als in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren.» Die Her­aus­for­de­rung an den «Neu­en» be­steht haupt­säch­lich dar­in, un­ter den ge­gen­wär­tig vor­herr­schen­den Markt­be­din­gun­gen ein Ma­xi­mum an Wachs­tum her­aus­zu­ho­len, die Kos­ten im Griff zu hal­ten und die lau­fen­den In­te­gra­ti­ons­pro­zes­se vor­an­zu­trei­ben. Klas­si­sche Ma­nage­ment­auf­ga­ben, mehr Pro­sai­sches als Gla­mour. Das dürf­te Spiess­ho­fer durch­aus lie­gen. Sein Kol­le­ge Elz­vik sagt näm­lich von ihm: «Er hat gros­se stra­te­gi­sche Stär­ken, und fast noch grös­se­re im Um­set­zen.»

Der künf­ti­ge CEO von ABB ist Deut­scher. Er hat in Stutt­gart Öko­no­mie stu­diert.

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