Chi­na droht Kre­dit­klem­me

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PR

Die chi­ne­si­sche Zen­tral­bank, die Peop­le’s Bank of Chi­na (PBoC), steht vor ei­nem Di­lem­ma: Gleich­zei­tig mit der Über­hit­zungs­ge­fahr auf dem Häu­ser­markt – auch im Mai sind die Im­mo­bi­li­en­prei­se lan­des­weit 0,9% ge­stie­gen – gibt es An­zei­chen ei­ner Kre­dit­ver­knap­pung im Ban­ken­sys­tem. Seit An­fang Mo­nat ha­ben die Zin­sen auf dem In­ter­ban­ken­markt deut­lich an­ge­zo­gen. Der Chi­bor-Satz, zu dem sich Ban­ken über Nacht Geld lei­hen, ist von un­ter 3 auf 7% ge­stie­gen. Der Ein­jah­res-Swap-Satz no­tier­te ges­tern auf 3,97%, dem höchs­ten Ni­veau seit 21 Mo­na­ten.

Die PBoC müss­te ei­gent­lich mehr Li­qui­di­tät be­reit­stel­len, doch dies wür­de auch den Im­mo­bi­li­en­markt wei­ter an­hei­zen. Am Di­ens­tag ent­schied sie sich er­neut ge­gen die Ban­ken und das Kre­dit­sys­tem: An­statt Li­qui­di­tät ein­zu­sprit­zen ent­zog die PBoC dem Geld­markt durch den Ver­kauf von Drei­mo­nats­pa­pie­ren 2 Mrd. Yuan (300 Mio. Fr.). Das ist an­ge­sichts der Grös­se des chi­ne­si­schen Geld­mark­tes zwar nur ein Trop­fen auf den heis­sen St­ein. Das Si­gnal ist aber klar: Die Zen­tral­bank wird nicht ih­re Schleu­sen öff­nen und et­wa die Min­dest­re­ser­ven­an­for­de­run­gen für Ban­ken sen­ken, wie es zum Teil ge­for­dert wird.

Ein Grund für die stei­gen­den Zin­sen und die Li­qui­di­täts­ver­knap­pung am In­ter­ban­ken­markt ist der nach­las­sen­de Ka­pi­tal­strom aus dem Aus­land. Chi­nas Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zit ist von 10% 2007 auf 2,6% 2012 ge­fal­len. Es flies­sen so we­ni­ger Dol­lar und Eu­ro in die Volks­re­pu­blik. Die seit Mai zu be­ob­ach­ten­de Flucht aus Schwel­len­län­deran­la­gen hat zu­dem den Trend ver­stärkt.

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