Ru­he vor Fed-ent­scheid

ÜBER­SICHT Zew-in­dex leicht bes­ser – Ge­misch­te Da­ten vom Us-häu­ser­markt

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ALES­SAN­DRO FEZZI

Mit gröss­ter Span­nung er­war­ten die Fi­nanz­märk­te den Aus­gang der heu­ti­gen Sit­zung des geld­po­li­ti­schen Aus­schus­ses (FOMC) der US-No­ten­bank. Die zen­tra­le Fra­ge dreht sich da­bei um den Zeit­punkt des ab­seh­ba­ren Rück­zugs aus der ul­tra-ex­pan­si­ven Li­qui­di­täts­po­li­tik der No­ten­bank. Ei­gent­lich hat­te das Fed im ver­gan­ge­nen De­zem­ber kla­re Zie­le vor­ge­ge­ben, wann es die Kon­junk­tur­sprit­zen re­du­zie­ren in Er­wä­gung zie­hen. So­lan­ge die Ar­beits­lo­sen­ra­te über dem Ni­veau von 6,5% liegt (der­zeit be­trägt sie 7,6%) und die In­fla­ti­on nicht aus dem Ru­der zu lau­fen droht, wer­de das Fed mit den quan­ti­ta­ti­ven Mass­nah­men al­les in sei­ner Macht ste­hen­de tun, um die Kon­junk­tur zu­rück auf ei­nen Wachs­tums­pfad zu brin­gen.

In der Zwi­schen­zeit scheint sich die US-Wirt­schaft tat­säch­lich ver­bes­sert zu ha­ben. So hell­te sich die La­ge am Ar­beits­markt auf, und auch die gros­se Kri­se im Im­mo­bi­li­en­markt scheint über­wun­den. Dies deu­te­te auch das Beige Book, der Wirt­schafts­be­richt der USNo­ten­bank, an. Dar­in hielt das Fed fest, dass die hei­mi­sche Wirt­schaft im Zei­t­raum von April bis Mai in ei­nem «mäs­sig bis mo­de­ra­ten» Tem­po ex­pan­dier­te. Soll­te die­ser Trend an­hal­ten, könn­te die USNo­ten­bank tat­säch­lich zu­min­dest ihr um­strit­te­nes An­lei­hen­kauf­pro­gramm im Herbst dros­seln. Mit ei­ner ers­ten Zins­er­hö­hung muss aber wohl noch lan­ge nicht ge­rech­net wer­den.

Je­des Wort zählt

Die­se Fak­ten­la­ge und ein Stim­men­ge­wirr aus wi­der­sprüch­li­chen Mei­nun­gen ver­schie­de­ner No­ten­bank­ver­tre­ter sor­gen seit ei­ni­gen Wo­chen für er­heb­li­che Un­si­cher­heit und Un­ru­he an den Fi­nanz­märk­ten. Die An­le­ger er­hof­fen sich nun von den am Mitt­woch-

Yen abend ver­kün­de­ten FOMC-Ent­scheid und den mit­ge­lie­fer­ten neu­en Kon­junk­tur­pro­gno­sen sach­dien­li­che Hin­wei­se. Da­bei wird je­des Wort der US-No­ten­bank­ver­tre­ter auf die Gold­waa­ge ge­legt. Fed-Chef Ben Bernan­ke wird sich des­sen be­wusst sein und ver­su­chen, die Fi­nanz­märk­te auf even­tu­el­le Schrit­te so be­hut­sam wie mög­lich vor­zu­be­rei­ten.

Die Em­pi­re-Sta­te-Um­fra­ge der si­gna­li­sier­te im Ju­ni wie­der ein Wachs­tum im re­gio­na­len In­dus­trie­sek­tor und lie­fer­te da­mit ei­ne gu­te Vor­la­ge für die am 1. Ju­li an­ste­hen­de, viel be­ach­te­te na­tio­na­le ISM-Um­fra­ge. Der In­dex der New Yor­ker No­ten­bank ver­bes­ser­te sich leicht von –1,4 auf 7,8.

Neus­te Da­ten zum US-Im­mo­bi­li­en­markt las­sen nicht an ei­ner Er­ho­lung zwei­feln, ma­chen aber deut­lich, dass sie nach wie vor eher holp­rig ver­läuft. Die Zahl der Bau­be­gin­ne nahm im Mai we­ni­ger deut­lich als er­war­tet um 6,8% zu, die An­zahl Bau­ge­neh­mi­gun­gen ging da­ge­gen 3,1% zu­rück.

In Deutsch­land hat sich der Aus­blick der Fi­nanz­markt­pro­fis der ZEW-Um­fra­ge zu­fol­ge im Ju­ni noch­mals mo­de­rat auf­ge­hellt. Der In­dex stieg von 36,4 auf 38,5.

Bör­sen leicht fes­ter

An den Bör­sen wur­den die jüngs­ten Kon­junk­tur­da­ten meist po­si­tiv auf­ge­nom­men, ver­moch­ten an­ge­sichts des be­vor­ste­hen­den Zins­ent­scheids in Wa­shing­ton aber kei­ne neu­en Im­pul­se zu set­zen. So han­del­ten die eu­ro­päi­schen und ame­ri­ka­ni­schen Ak­ti­en­in­di­zes seit Wo­chen­be­ginn in re­la­tiv en­gen Band­brei­ten mit ei­ner stei­gen­den Ten­denz. Auch der Nik­kei 225 konn­te sich von den Kurs­ein­brü­chen der letz­ten Wo­che et­was er­ho­len. Un­ter­stüt­zend wirk­te, dass der Yen ge­gen­über dem Dol­lar bei 94 vor­erst ei­nen Bo­den ge­fun­den zu ha­ben scheint.

Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank wird ih­re geldpolitische Aus­rich­tung so­wie auch die Un­ter­gren­ze des Eu­ros zum Schwei­zer Fran­ken mit 1.20 un­ver­än­dert be­las­sen, wenn sie am Don­ners­tag ih­ren Zins­ent­scheid kom­mu­ni­ziert. Ob­wohl sich die Si­tua­ti­on im Eu­ro­raum zu min­dest ge­gen­über dem Hö­he­punkt der Eu­ro­kri­se ent­spannt hat, bleibt die La­ge fra­gil und so­mit auch der Auf­wer­tungs­druck auf den Fran­ken be­ste­hen. Mit ei­ner wei­te­ren Lo­cke­rung oder der von SNB-Prä­si­dent Tho­mas Jor­dan an­ge­droh­ten Ein­füh­rung von Ne­ga­tiv­zin­sen muss an­ge­sichts der Über­hit­zungs­si­gna­le am Häu­ser­markt wohl eher nicht ge­rech­net wer­den.

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