Roh­öl we­gen Sy­ri­en teu­rer

ROH­STOF­FE Brent-preis über 106 Dol­lar – Ab­wärts­trend bei Kaf­fee hält an

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WAL­TER SCHNEI­DER

Die Roh­stoff­ter­min­märk­te zeig­ten in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ein un­ein­heit­li­ches Bild. Ei­ner­seits ist der Ein­fluss der zu­letzt mehr­heit­lich über­ra­schend gu­ten Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren zu er­ken­nen, an­de­rer­seits die gros­se Un­si­cher­heit über die zu­künf­ti­ge Zen­tral­ban­ken­po­li­tik. So hält die US-No­ten­bank Fed die­se Wo­che ih­re Sit­zung zur Geld­markt­po­li­tik ab, und die Ana­lys­ten wer­den sich be­mü­hen, Schlüs­se aus den münd­li­chen Äus­se­run­gen von Fed-Prä­si­dent Ben Bernan­ke zu zie­hen. Ein Be­kennt­nis zur lang­fris­ti­gen ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik wird die Roh­stoff­märk­te un­ter­stüt­zen. Soll­te ei­ne bal­di­ge Auf­he­bung des Pro­gramms zum Kauf von Staats­an­lei­hen in Aus­sicht ge­stellt wer­den, wür­de das an den Wa­ren­märk­ten zu Ver­kaufs­druck füh­ren.

Dass sich je­doch der Kon­junk­tur­op­ti­mis­mus in Gren­zen hält, macht der Ter­min­markt für In­dus­trie­me­tal­le deut­lich. Im Wo­chen­ver­gleich büss­ten sämt­li­che Me­tal­le zwi­schen 1 bis 4% ein. Bei den Edel­me­tal­len ver­moch­ten sich Gold und Sil­ber ei­ni­ger­mas­sen zu hal­ten, Pla­tin und Pal­la­di­um ver­lo­ren aber zur Vor­wo­che zwi­schen 5 und 7%.

Die Un­ei­nig­keit der Gross­mäch­te USA und Russ­land im sy­ri­schen Bür­ger­krieg un­ter­stütz­te zu­letzt die No­tie­run­gen an den in­ter­na­tio­na­len Ener­gie­märk­ten. Eu­ro­päi­sches Roh­öl der Sor­te Brent er­reich­te zum Wo­chen­be­ginn mit 106.67 $ pro Fass (159 Li­ter) den höchs­ten Wert seit An­fang April. Zwar spielt Sy­ri­en im Öl­markt kaum ei­ne Rol­le, die Aus­wei­tung des Kon­flikts auf Nach­bar­staa­ten könn­te die Si­tua­ti­on am Markt aber sehr wohl ver­schär­fen. So ent­hal­ten die heu­ti­gen Öl­prei­se trotz der­zeit gu­ter Ver­sor­gungs­la­ge er­heb­li­che Ri­si­ko­prä­mi­en.

Ähn­lich ist die Si­tua­ti­on bei Heizöl. Zum Wo­chen­schluss wur­de an der In­ter­con­ti­nen­tal Ex­ch­an­ge (ICE) für Ga­soil-Fu­tures der run­de Preis von 900 $ pro Ton­ne be­zahlt. Die­ses Ni­veau war zu­letzt vor zwei­ein­halb Mo­na­ten er­reicht wor­den. Roh­öl der Sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te ( WTI) hat seit An­fang Mo­nat be­reits mehr als 8% zu­ge­legt. Mit Prei­sen von mehr als 98 $ nä­hern sich WTI-Roh­öl-Fu­tures dem wich­ti­gen chart­tech­ni­schen Wi­der­stand um 100 $. Ana­lys­ten ge­hen da­von aus, dass der Roh­öl­markt nach dem jüngs­ten An­stieg er­heb­lich über­kauft ist, und rech­nen mit Preis­kor­rek­tu­ren. Gleich­zei­tig sind aber vie­le über­zeugt, dass Rück­schlä­ge am Roh­öl­markt vor­läu­fig für Zu­käu­fe ge­nutzt wer­den dürf­ten.

In­ter­es­san­tes spiel­te bei den Ge­nuss­mit­teln ab. Wäh­rend sich Zu­cker nach dem mo­na­te­lan­gen Preis­zer­fall et­was er­ho­len konn­te und so­wohl die Fu­tures in Lon­don ( Weiss­zu­cker) wie auch die in New York (Roh­zu­cker) rund 3% avan­cier­ten, ge­rie­ten Kaf­fee und Ka­kao un­ter er­heb­li­chen Ab­ga­be­druck. Ka­kao han­delt wie­der na­he der Mar­ke von 2200 $ pro Ton­ne, nach­dem der Kurs vor Wo­chen­frist noch über 2380 ge­le­gen hat­te. Bei Kaf­fee hält der Ne­ga­tiv­trend be­reits seit Mai 2011 an. Ab­ge­se­hen von kur­zen Sprün­gen wer­den in re­gel­mäs­si­gen Ab­stän­den im­mer wie­der neue Tiefst er­reicht.

Die Ver­sor­gungs­la­ge ist dank gros­ser Ern­ten im Ge­nuss­mit­tel­sek­tor gut. Da­durch sind die­se Märk­te für Hedge Funds kaum at­trak­tiv, und spe­ku­la­ti­ve Käu­fer wur­den im­mer wie­der be­straft. Chart­tech­ni­ker, die mit Leer­ver­käu­fen dem Markt nach un­ten ge­folgt sind, wa­ren die Ge­win­ner. Ei­ne Um­kehr des Trends muss von der An­ge­bots­sei­te aus­ge­hen. Auch wenn dies der­zeit nicht der Fall ist, könn­ten et­wa Wet­ter­ka­prio­len die Si­tua­ti­on je­der­zeit ver­än­dern. Vor all­zu ne­ga­ti­ven Preis­er­war­tun­gen ist des­halb zu war­nen.

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