Au­to­ma­ti­scher In­for­ma­ti­ons­aus­tausch oder Qu­el­len­steu­ern?

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - AL­FONS R. SCHMID

Der AIA könn­te Qu­el­len­steu­ern auf Ka­pi­tal­er­trä­ge über­flüs­sig ma­chen

Wo­zu die­nen Qu­el­len­steu­ern auf Zin­sen, Di­vi­den­den und Li­zenz­ge­büh­ren? Ei­ner­seits um dem Qu­el­len­staat ei­nen Steu­er­an­teil zu si­chern, an­de­rer­seits als Mit­tel zur Be­kämp­fung von Steu­er­hin­ter­zie­hung oder Steu­er­be­trug. Das heu­te gül­ti­ge schwei­ze­ri­sche Ver­rech­nungs­steu­er­ge­setz stammt aus dem Jahr 1965 und er­fasst Ka­pi­tal­er­trä­ge, Lot­te­rie­ge­win­ne und Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen. Ka­pi­tal­er­trä­ge wer­den mit ei­nem Satz von 35% be­steu­ert. Der eid­ge­nös­si­schen Staats­kas­se ver­blei­ben pro Jahr sehr gros­se Be­trä­ge von nicht zu­rück­ge­for­der­ten Ver­rech­nungs­steu­ern.

Vie­le – je­doch längst nicht al­le – aus­län­di­sche Staa­ten, meist der OECD an­ge­hö­rend, er­he­ben seit vie­len Jahr­zehn­ten auf Ka­pi­tal­er­trä­gen von in­län­di­schen Schuld­nern oder Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten Qu­el­len­steu­ern, meist in Hö­he zwi­schen 15 und 25%, ver­ein­zelt 30%.

Glo­ba­les Netz von DBA

Ein welt­wei­tes Netz von Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men be­wirkt, dass die­se Qu­el­len­steu­ern, wenn die ent­spre­chen­den Ein­kom­mens­flüs­se steu­er­lich vom Emp­fän­ger im Wohn­sitz­staat de­kla­riert sind, ge­senkt wer­den, oft ver­bun­den mit Steu­er­an­rech­nung für den rest­li­chen Teil.

Seit et­wa zwei Jah­ren schla­gen die Mit­glie­der­staa­ten der EU und der OECD so- wie der G-20 mit Nach­druck die Ein­füh­rung des au­to­ma­ti­schen In­for­ma­ti­ons­aus­tauschs (AIA) vor, um so an Da­ten zu ge­lan­gen, die es ih­nen er­mög­li­chen sol­len, bis­her un­ver­steu­er­te Ver­mö­gen von an­säs­si­gen Per­so­nen zu er­fas­sen. Wel­che Da­ten bspw. von ei­ner Schwei­zer, ei­ner ame­ri­ka­ni­schen oder ei­ner deut­schen Bank re­gel­mäs­sig und un­auf­ge­for­dert an den Wohn­sitz­staat des Kon­to- oder De­po­tin­ha­bers ge­lie­fert wer­den sol­len, ist bis­her nicht ge­nau um­schrie­ben wor­den.

Es stellt sich nun die Fra­ge, ob nach der even­tu­el­len Ein­füh­rung des AIA die Qu­el­len­steu­ern auf Ka­pi­tal­er­trä­gen über­flüs­sig wer­den. Aus Sicht der Ver­mei­dung von Steu­er­hin­ter­zie­hung und Steu­er­be­trug müss­te auf die Er­he­bung der Qu­el­len­steu­ern auf Ka­pi­tal­er­trä­gen künf­tig ver­zich­tet wer­den, es sei denn, die be­tei­lig­ten Staa­ten wür­den das In­stru­ment des au­to­ma­ti­schen In­for­ma­ti­ons­aus­tauschs als nicht aus­rei­chend ef­fi­zi­ent be­ur­tei­len.

Aus Sicht der in­ter­na­tio­na­len Zu­tei­lung der Steu­er­sub­stanz be­stün­de wei­ter­hin ein Be­dürf­nis nach Er­he­bung von Qu­el­len­steu­ern auf Zin­sen und Di­vi­den­den (und aus Sicht der Steu­er­flucht­län­der, wie z. B. der USA, Deutsch­lands und Frank­reichs, zu­sätz­lich auf rea­li­sier­ten oder un­rea­li­sier­ten Ka­pi­tal­ge­win­nen auf Wert­schrif­ten).

Qu­el­len­steu­ern auf Ka­pi­tal­er­trä­gen, ge­folgt von An­trä­gen auf Re­duk­ti­on oder Rück­er­stat­tung der­sel­ben, stel­len für den An­le­ger ei­ne er­heb­li­che ad­mi­nis­tra­ti­ve Be­las­tung dar. Be­auf­tragt er da­mit sei­ne De­pot­bank, löst dies ent­spre­chen­de Kos­ten aus. Ver­ein­zel­te Staa­ten bzw. ih­re ad­mi­nis­tra­ti­ven Ein­hei­ten er­he­ben für die Be­ar­bei­tung der An­trä­ge und die Ver­gü­tung der zu er­stat­ten­den Qu­el­len­steu­ern neu­er­dings Ge­büh­ren. Der mög­li­cher­wei­se kom­men­de AIA be­las­tet die Ban­ken mit zu­sätz­li­chem ad­mi­nis­tra­ti­vem Auf­wand, den letzt­lich der Bank­kun­de zu be­zah­len ha­ben wird.

Kein Sys­tem ist lü­cken­los

We­der das be­ste­hen­de Qu­el­len­steu­er­sys­tem noch das an­vi­sier­te AIA-Sys­tem sind, welt­weit ge­se­hen, lü­cken­los und wer­den es ver­mut­lich auch in den kom­men­den Jah­ren nicht sein.

Vie­le Hoch­steu­er­län­der er­he­ben kei­ne Ver­mö­gens­steu­ern, son­dern nur Ein­kom­mens­steu­ern und nur zum Teil Ka­pi­tal­ge­winn­steu­ern. Die Ver­an­la­gungs­ef­fi­zi­enz lässt in ei­ni­gen Hoch­steu­er­län­dern zu wün­schen üb­rig.

In der Fol­ge wird der steu­er­ehr­li­che in­ter­na­tio­na­le An­le­ger künf­tig kos­ten­mäs­sig zu­sätz­lich be­las­tet wer­den, was nicht för­der­lich ist für den zwi­schen­staat­li­chen Ka­pi­tal­ver­kehr.

Al­fons R. Schmid, Dr. oec., ehem. Lei­ter Kon­zern­steu­ern von Ro­che, ist Mit­glied der In­ter­na­tio­nal Fis­cal As­so­cia­ti­on.

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