Chan­ce für die Al­ters­vor­sor­ge

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - PE­TER MORF

Bun­des­rat Alain Ber­set prä­sen­tiert rea­lis­ti­sche Eck­wer­te zur Sa­nie­rung der Al­ters­vor­sor­ge – doch sei­ne Par­tei­ge­nos­sen von der SP lau­fen schon Sturm da­ge­gen.

Wer es se­hen will, er­kennt schon lan­ge: Die Al­ters­vor­sor­ge ist hoch­gra­dig sa­nie­rungs­be­dürf­tig. Bis ins Jahr 2030 wird, vor al­lem we­gen der Al­te­rung der Be­völ­ke­rung, al­lein in der AHV ein Loch von ge­gen 9 Mrd. Fr. pro Jahr klaf­fen – was wohl eher kon­ser­va­tiv ge­rech­net ist.

Im­mer­hin: In­nen­mi­nis­ter Alain Ber­set sieht es und legt rea­lis­ti­sche Eck­wer­te für die Sa­nie­rung vor. Er, der ger­ne lin­ke Po­si­tio­nen ver­tritt, hat in die­sem Be­reich of­fen­sicht­lich vor den Fak­ten ka­pi­tu­liert. Er will ein Pa­ket vor­le­gen, das die not­wen­di­gen Mass­nah­men in der AHV und den Pen­si­ons­kas­sen (BVG) um­fasst. Das ist in der Sa­che rich­tig. In der po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung be­steht bei gros­sen Pa­ke­ten je­doch stets das Ri­si­ko ei­ner Ku­mu­lie­rung un­ter­schied­lichs­ter Ge­gen­ar­gu­men­te, die das Ge­sam­te ge­fähr­den kann.

Die Stoss­rich­tung al­ler­dings stimmt: Wich­ti­ge Eck­wer­te sind die Ein­füh­rung ei­nes Re­fe­ren­zal­ters für bei­de Ge­schlech­ter auf 65 Jah­re, die Schaf­fung von An­rei­zen, län­ger zu ar­bei­ten, die Re­duk­ti­on des Um­wand­lungs­sat­zes im BVG von 6,8 auf 6% in­ner­halb von vier Jah­ren, die Ein­füh­rung ei­ner Schul­den­brem­se in der AHV so­wie ei­ne Zu­satz­fi­nan­zie­rung für die AHV über die Mehr­wert­steu­er. Die­ser letz­te Punkt ist zwei­fel­los un­schön, doch un­ter der Prä­mis­se der Er­hal­tung des Leis­tungs­ni­veaus wohl un­um­gäng­lich. Er­freu­li­cher­wei­se ist die Er­hö­hung der Lohn­bei­trä­ge ver­wor­fen wor­den.

Ber­set zeigt da­mit ei­nen rea­lis­ti­schen Weg auf, die Al­ters­vor­sor­ge vor­erst zu si­chern. Ob die­se Mass­nah­men län­ger­fris­tig aus­rei­chen, lässt sich aus heu­ti­ger Sicht kaum ab­schlies­send be­ur­tei­len. Als Rück­fall­po­si­ti­on könn­te dann im­mer noch die Er­hö­hung des Re­fe­ren­zal­ters ins Au­ge ge­fasst wer­den.

Die Par­tei­ge­nos­sen von Bun­des­rat Ber­set da­ge­gen ver­schlies­sen sich im­mer noch den Tat­sa­chen. Die SP und vor al­lem der Ge­werk­schafts­bund wol­len von ei­nem Gross­teil der vor­ge­schla­ge­nen Mass­nah­men nichts wis­sen. Die Ge­werk­schaf­ten hal­ten nach wie vor an ih­rer Initia­ti­ve zur li­nea­ren Stei­ge­rung al­ler AHV-Ren­ten – auch der der Mil­lio­nä­re – fest. Das wä­re der si­chers­te Weg, die AHV in den ra­schen Ru­in zu trei­ben. Die Lin­ke ver­harrt in ih­ren al­ten, ideo­lo­gi­schen Po­si­tio­nen und tut so, als hät­te sich we­der wirt­schaft­lich noch de­mo­gra­fisch in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten et­was ver­än­dert: Das pu­re Ge­gen­teil fort­schritt­li­cher Po­li­tik.

So ein­sich­tig Ber­sets Vor­schlag ist, so schwer dürf­te des­sen Um­set­zung wer­den. Wie Ber­set die ver­här­te­ten Fron­ten sei­ner Par­tei­ge­nos­sen auf­wei­chen will, ist noch völ­lig of­fen. Zu­dem be­steht auch hier wie­der die Ge­fahr der un­hei­li­gen Al­li­anz der SP mit der SVP – wie da­mals, als sie die 11. AHV-Re­vi­si­on im Par­la­ment zum Ab­sturz ge­bracht hat­te. Das kann sich die Schweiz wirk­lich nicht mehr leis­ten, die Zeit drängt.

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