Miss­trau­en ge­gen­über Gross­ban­ken

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - MO­NI­CA HEGG­LIN

SRech­nen UBS und Cre­dit Suis­se ih­re Ri­si­ken klein? – Re­gu­la­to­ren wol­len nied­ri­ge­ren Ver­schul­dungs­grad und mehr Trans­pa­renz der Mo­dell­rech­nun­gen

o weit, so gut, aber nicht weit ge­nug. Die Re­gu­la­to­ren rich­ten den Fo­kus neu statt auf das Kern­ka­pi­tal auf die Le­ver­a­ge Ra­tio (un­ge­wich­te­ter Ver­schul­dungs­grad). Kri­ti­siert wer­den auch die bank­ei­ge­nen Mo­dell­rech­nun­gen. Sie sei­en we­nig ver­trau­ens­wür­dig.

Her­aus­ge­for­dert schei­nen un­mit­tel­bar vor al­lem die Deut­sche Bank und bri­ti­sche Ban­ken. Die­se Wo­che er­klär­te der bri­ti­sche Re­gu­la­tor, et­li­che bri­ti­sche Ban­ken, dar­un­ter Bar­clays, müss­ten die Ver­schul­dungs­si­tua­ti­on ver­bes­sern. Die Le­ver­a­ge Ra­tio be­tra­ge für Bar­clays nur 2,5 statt der ge­for­der­ten 3%. Ins­ge­samt ver­langt der Re­gu­la­tor von fünf Ban­ken 13 Mrd. £ neu­es Ei­gen­ka­pi­tal.

Ge­mäss Be­rech­nun­gen von Mor­gan St­an­ley ist die Deut­sche Bank das In­sti­tut mit dem schlech­tes­ten Ver­schul­dungs­grad (2,1%). Die Ana­lys­ten rech­nen mit ei­nem zu­sätz­li­chen Ka­pi­tal­be­darf von 3,5 Mrd. €, um die 3%-Mar­ke bis 2014 zu er­rei­chen. Die deut­sche Gross­bank hat als letz­te mit ei­nem Ab­bau der Bi­lanz­ri­si­ken be­gon­nen und ver­zeich­net wohl ei­nen ge­wis­sen Nach­hol­be­darf (vgl. Ta­bel­len).

Dem­ge­gen­über wür­digt die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) in ih­rem jüngs­ten Sta­bi­li­täts­be­richt den Ka­pi­tal­auf­bau und den Ri­si­ko­ab­bau. Doch UBS und Cre­dit Suis­se sol­len ih­re Ri­si­ken trans­pa­ren­ter ma­chen und glaub­wür­di­ger wer­den. Zu­dem sei die Le­ver­a­ge Ra­tio von UBS und CS mit ge­gen­wär­tig rund 2,3% tief. «Auf Ba­sis ei­ner stu­fen­wei­sen Um­set­zung liegt un­se­re Le­ver­a­ge Ra­tio bei 3,79% und da­mit nur knapp un­ter­halb der bis 2019 zu er­fül­len­den Vor­ga­be», heisst es von UBS.

Auch US-Ban­ken ge­for­dert

Mit stu­fen­wei­ser Um­set­zung ist of­fen­bar kein Staat zu ma­chen. Wie die Agen­tur Bloom­berg am Di­ens­tag schrieb, sol­len die US-Be­hör­den er­wä­gen, die Le­ver­a­ge Ra­tio nicht auf 3% fest­zu­le­gen, son­dern auf 6%. Dies wür­de für ei­ni­ge US-Gross­ban­ken be­deu­ten, dass sie die Di­vi­den­den­zah­lung aus­set­zen müss­ten. Die Le­ver­a­ge Ra­tio ( Ver­schul­dungs­grad) stellt ei­ne weit­ge­hend un­ge­wich­te­te Bi­lanz­sum­me ins Ver­hält­nis zum re­gu­la­to­ri­schen Ei­gen­ka­pi­tal. Sie hät­ten ih­re ri­si­ko­ge­wich­te­te Ka­pi­tal­quo­te im ver­gan­ge­nen Jahr sub­stan­zi­ell er­höht und sei­en nun im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich gut auf­ge­stellt, schreibt die SNB in ih­rem Fi­nanz­sta­bi­li­täts­be­richt. So ha­be die Cre­dit Suis­se das Ver­hält­nis von ver­lust­tra­gen­dem Ka­pi­tal zu ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven fast ver­dop­pelt. Es ist von 5,2% im ers­ten Quar­tal 2012 auf 10% ein Jahr spä­ter ge­stie­gen.

Bei UBS hat es sich von 7,5 auf 10,3% ver­bes­sert. Die bei­den Ban­ken müs­sen bis 2019 ri­si­ko­tra­gen­des Ka­pi­tal von 13% der ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven (RWA) auf­bau­en. «Sie wer­den die­se Be­din­gun­gen wahr­schein­lich bis En­de 2014 er­füllt ha­ben», schreibt die SNB.

Ge­rin­ge Le­ver­a­ge Ra­tio

Die CS ha­be zu­dem ih­re Le­ver­a­ge Ra­tio be­trächt­lich, die UBS mo­de­rat er­höht. Sie liegt für bei­de bei 2,3%. Die von bei­den In­sti­tu­ten vor­ge­leg­ten Plä­ne wür­den zu­dem zu ei­ner wei­te­ren sub­stan­zi­el­len Ver­bes­se­rung der Le­ver­a­ge Ra­tio bis En­de 2014 füh­ren. Vor dem Hin­ter­grund der ver­schie­de­nen Ri­si­ken im Um­feld so­wie der in der Fi­nanz­kri­se be­ob­ach­te­ten Ver­lus­te er­ach­tet die SNB die ge­gen­wär­ti­gen Le­ver­a­ge Ra­ti­os der bei­den Gross­ban­ken aber wei­ter­hin als tief. So ha­be die UBS wäh­rend der Fi­nanz­kri­se Ver­lus­te im Be­trag von 2% ih­rer un­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven er­lit­ten, schreibt die Na­tio­nal­bank.

Die SNB er­mahnt die Gross­ban­ken des­halb, ih­re Plä­ne zur Ver­bes­se­rung der Le­ver­a­ge Ra­tio um­zu­set­zen, da die­se Kenn­zahl zu­neh­mend grös­se­re Be­deu­tung er­hal­te. Bei der Cre­dit Suis­se wähnt man sich auf bes­tem Weg, die Le­ver­a­ge- Zie­le zu er­fül­len, weist aber auf die Nach­tei­le der un­ge­wich­te­ten Be­trach­tung hin. Der Fo­kus auf die Bi­lanz­grös­se könn­te da­zu ver­lei­ten, ri­si­ko­ar­mes Ge­schäft ab­zu­bau­en und Li­qui­di­tät eben­falls.

Doch auch ge­gen­über den ri­si­ko­ge­wich­te­ten Kenn­zah­len gibt es Vor­be­hal­te. Zwar an­er­kennt die SNB, dass bank­ei­ge­ne Ri­si­ko­mo­del­le die Ri­si­ken bes­ser spie­geln kön­nen als Stan­dard­mo­del­le. Doch die Un­ter­schie­de zwi­schen den Mo­del­len sei­en zu gross. «Es kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Mo­del­le das Ri­si­ko un­ter­schät­zen», schreibt die SNB. Sie emp­fiehlt drei Mass­nah­men, um die Glaub­wür­dig­keit der ei­ge­nen Mo­dell­rech­nun­gen zu ver­bes­sern. Ers­tens soll­ten die Ban­ken quan­ti­ta­ti­ve (zah­len­mäs­si­ge) An­ga­ben über ihr Ge­sam­t­ri­si­ko ma­chen. Zwei­ten soll­ten sie ih­re ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven so­wohl nach ih­rem Mo­dell als auch nach dem Stan­dard­satz be­rech­nen und pu­bli­zie­ren. Al­ler­dings ist der Stan­dard­an­satz in­ter­na­tio­nal nicht ver­gleich­bar. Drit­tens sol­len sie Än­de­run­gen bei den RWA trans­pa­ren­ter ma­chen.

Trans­pa­renz ist an­ge­sagt, nicht ein­zig im CS-Ge­bäu­de Uet­li­hof 2: Ge­sucht ist mehr Klar­heit bei Än­de­run­gen der Ri­si­ko­mo­del­le.

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