In­land­ban­ken vor der gros­sen Ver­su­chung

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Das fak­ti­sche Null­zins­ni­veau be­ein­träch­tigt das Zin­s­er­geb­nis al­ler Ban­ken – Na­tio­nal­bank for­dert Dis­zi­plin, Zu­rück­hal­tung und mehr Ei­gen­ka­pi­tal

Nicht die Gross­ban­ken, son­dern Raiff­ei­sen, die Kan­to­nal- und Re­gio­nal­ban­ken fi­nan­zie­ren den Im­mo­bi­li­en­boom. Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) for­dert von ih­nen mehr Ei­gen­ka­pi­tal.

Wer dem Im­mo­bi­li­en­markt miss­traut, soll kei­ne Kan­to­nal­bank­ak­ti­en er­wer­ben. Denn wäh­rend sich die bei­den Gross­ban­ken im Hy­po­the­kar­ge­schäft seit län­ge­rem zu­rück­hal­ten, wach­sen ein­zel­ne In­sti­tu­te – bei­spiels­wei­se die St. Gal­ler KB und Raiff­ei­sen– stär­ker als der Markt. Die SNB legt den Fo­kus in Be­zug auf das Hy­po­the­kar­ge­schäft denn auch auf die in­lan­d­ori­en­tier­ten Ban­ken. Sie müs­sen ih­re Wi­der­stands­kraft stär­ken, for­dert die SNB in ih­rem Sta­bi­li­täts­be­richt. Zwar sei­en die Ban­ken mit ei­ner durch­schnitt­li­chen Kern­ka­pi­tal­quo­te von 14,3% gut ka­pi­ta­li­siert. Doch die­se Zahl täu­sche.

Zum ei­nen wür­den die zu­neh­men­den Ri­si­ken auf dem Im­mo­bi­li­en­markt nur un­ge­nü­gend in den Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen ge­spie­gelt. Zum an­de­ren wer­de dem Zins­än­de­rungs­ri­si­ko und der ge­rin­gen Di­ver­si­fi­ka­ti­on zu we­nig Rech­nung ge­tra­gen, weil da­für nicht ge­nü­gend zu­sätz­li­ches Ka­pi­tal ge­hal­ten wer­den muss. Die SNB ruft die in­lan­d­ori­en­tier­ten Ban­ken auf, mehr Ka­pi­tal zu hal­ten, als es die re­gu­la­to­ri­schen An­for­de­run­gen ver­lan­gen. Sie mahnt die Ban­ken auch in Be­zug auf das Ma­nage­ment der Zins­än­de­rungs­ri­si­ken.

5 oder 4% Hy­po­wachs­tum?

Die in­lan­d­ori­en­tier­ten Ban­ken ste­hen noch stär­ker im Ri­si­ko als vor ei­nem Jahr, schreibt die SNB. Das zei­ge sich an der sin­ken­den Zins­mar­ge und am ho­hen Zins­än­de­rungs­ri­si­ko in den Bank­bü­chern. Zwar sei das Hy­po­the­kar­wachs­tum 2012 ge­gen­über dem Vor­jahr si­gni­fi­kant zu­rück­ge­gan­gen, aber es sei im­mer noch zu hoch. Der Sta­bi­li­täts­re­port nennt für die In­land­ban­ken ein Hy­po­the­kar­wachs­tum im Jahr 2012 von 5%. Die Im­mo­bi­li­en­Ex­per­ten von Cre­dit Suis­se Eco­no­mic Re­se­arch ha­ben die ver­öf­fent­lich­ten Zah­len um ei­nen Struk­tur­bruch kor­ri­giert (die Er­he­bung um­fass­te 2012 mehr Ban­ken). Ge­mäss den be­rei­nig­ten Zah­len be­trägt das Jah­res­wachs­tum 2012 im Schwei­zer Hy­po­the­ken­markt noch 4.3%. Bis April hat sich das Wachs­tum auf 4% ab­ge­schwächt, was ei­ne deut­li­che Ver­lang­sa­mung be­deu­tet.

Für die SNB von grös­se­rem Be­lang ist, dass der An­teil der stark be­lehn­ten Ob­jek­te (Hy­po­thek ge­mes­sen am Haus­wert) hoch ge­blie­ben ist. Fast 15% der pri­va­ten Schuld­ner mit Neu­hy­po­the­ken ver­zeich­ne­ten ei­nen Be­leh­nungs­grad von über 80%. Die­ser ho­he An­teil ver­gleicht sich wie­der­um mit der eben­falls die­se Wo­che pu­bli­zier­ten SNB-Statistik «Die Ban­ken in der Schweiz 2012». Aus ihr geht her­vor, dass das Hy­po­the­kar­vo­lu­men, das mit mehr als 80% be­lehnt ist, et­was zu­rück­ging und 2012 bei 2,3% lag.

«Das Ri­si­ko ei­ner grös­se­ren Preis­kor­rek­tur im Markt für Wohn­ei­gen­tum ist ge­stie­gen», schreibt die SNB in ih­rem 25-sei­ti­gen Be­richt. So sei­en die Prei­se für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser und Ei­gen­tums­woh­nun­gen stär­ker ge­stie­gen, als sich das mit dem Be­völ­ke­rungs­wachs­tum und der Ein­kom­mens­zu­nah­me er­klä­ren las­se.

Mehr an­ti­zy­kli­scher Puf­fer?

Soll­ten sich die Ri­si­ken im Schwei­zer Hy­po­the­kar- und Im­mo­bi­li­en­markt er­hö­hen, könn­ten wei­te­re re­gu­la­to­ri­sche Ein­grif­fe not­wen­dig wer­den, warnt die SNB. Sie wer­de «re­gel­mäs­sig über­prü­fen», ob wei­te­re An­pas­sun­gen des an­ti­zy­kli­schen Ka­pi­tal­puf­fers not­wen­dig sei­en.

Die Na­tio­nal­bank rät den In­land­ban­ken, bei der Ver­wal­tung ih­rer Zins­ri­si­ken zu be­den­ken, dass Kun­den­gel­der sehr schnell ab­flies­sen kön­nen. Fer­ner soll­ten die Ban­ken bei der Ver­ga­be von Hy­po- the­kar­kre­di­ten für Wohn­lie­gen­schaf­ten vor­sich­ti­ger wer­den

Das fak­ti­sche Null­zins­ni­veau be­ein­träch­tigt das Zin­s­er­geb­nis al­ler Ban­ken, weil mit den Pas­siv­gel­dern nichts mehr ver­dient wer­den kann. Für Ban­ken, wel­che die­se Ein­bus­se nicht durch an­de­re Ge­schäfts­fel­der kom­pen­sie­ren kön­nen, könn­te die Si­tua­ti­on auf län­ge­re Sicht exis­tenz­be­dro­hend wer­den. Ban­ken las­sen sich des­halb mög­li­cher­wei­se da­zu ver­lei­ten, durch ein er­höh­tes Kre­dit­ri­si­ko und/ oder ein star­kes Vo­lu­men­wachs­tum die Mar­ge zu stei­gern. Auch bie­tet sich an, auf ei­ne Ab­si­che­rung der Zins­ri­si­ken in der Bi­lanz (Pas­siv­sei­te va­ria­bel ver­zins­lich, Ak­tiv­sei­te fest) zu ver­zich­ten, um von ri­si­ko­be­haf­te­ten Zins­dif­fe­ren­zen stär­ker als üb­lich zu pro­fi­tie­ren. Die­ser Idee wer­den Ban­ken in un­ter­schied­li­chem Mass wi­der­ste­hen, wes­halb die SNB vor­beu­gend di­cke­re Ka­pi­tal­pols­ter an­mahnt, um ei­nen Ver­lust­fall ab­zu­fe­dern.

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