Chan­cen für Ban­ken im US-Steu­er­streit

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS WYSS

NEs kann für Ban­ken ein Vor­teil sein, in Ka­te­go­rie 1 und da­mit Ge­gen­stand ei­ner Un­ter­su­chung zu sein – Wer­den bald wei­te­re auf­ge­nom­men?

ach­dem der Na­tio­nal­rat die «Lex USA» an den Bun­des­rat zu­rück­ge­wie­sen hat, fürch­ten sich Markt­teil­neh­mer, die USA könn­ten nach dem Mus­ter von We­ge­lin ei­ne Bank, ge­gen die be­reits ei­ne Un­ter­su­chung läuft, ein­kla­gen. Im Fo­kus steht hier die Bas­ler Kan­to­nal­bank. Doch die Ängs­te schei­nen un­be­grün­det zu sein: «Ei­ne Bank, die ko­ope­riert, wird nicht an­ge­klagt», ver­si­cher­te ein hoch­ran­gi­ger Ver­tre­ter der Zürcher KB un­längst der «Fi­nanz und Wirt­schaft».

Das Pro­ze­de­re könn­te sein, dass das ame­ri­ka­ni­sche Jus­tiz­de­par­te­ment (DOJ) in den nächs­ten Ta­gen for­mel­le Er­mitt­lun­gen ge­gen wei­te­re Schwei­zer Ban­ken ein­lei­ten wird oder dass Ban­ken sich selbst beim DOJ mel­den und ih­re Rechts­ver­stös­se of­fen­le­gen. Dass kann die­sen In­sti­tu­ten in zeit­li­cher und fi­nan­zi­el­ler Hin­sicht zum Vor­teil ge­rei­chen. Ent­schei­dend ist, dass ih­nen der Bun­des­rat kei­nen Strich durch die Rech­nung macht. Er soll sich ge­nau an die Er­klä­rung des Stän­de­ra­tes in die­ser Sa­che hal­ten, die auch vom Na­tio­nal­rat ge­neh­migt wur­de. Dar­in spricht sich der Stän­de­rat da­für aus, dass die Ban­ken im US-Steu­er­streit ih­re Ver­gan­gen­heit be­rei­ni­gen sol­len.

Bald mehr in Ka­te­go­rie 1

Im US-Steu­er­streit wer­den die Schwei­zer Ban­ken in vier Ka­te­go­ri­en ein­ge­teilt. In Ka­te­go­rie 1 sind Ban­ken, die be­reits Ge­gen­stand ei­ner Un­ter­su­chung des De­par­te­ment of Justi­ce sind. Da­zu ge­hö­ren die CS, Ju­li­us Bär und die Zürcher Kan­to­nal­bank. Das DOJ plant of­fen­bar, bald wei­te­re Ban­ken in den Kreis auf­zu­neh­men.

Die zwei­te Ka­te­go­rie soll Ban­ken um­fas­sen, die eben­falls US-Steu­er­sün­der zu ih­ren Kun­den zäh­len oder ge­zählt und da­bei ge­gen US-Recht ver­stos­sen ha­ben. Die Hür­de für US-Rechts­ver­stös­se wird of­fen­bar ins­be­son­de­re seit den Jah­ren 2008/2009, als sich die UBS und an­de­re gros­se Ban­ken von ih­ren nicht steu­er­ehr­li­chen Kun­den ge­trennt ha­ben, sehr tief an­ge­setzt. Die drit­te Ka­te­go­rie wä­ren Ban­ken mit nur steu­er­ehr­li­chen US-Kun­den, die sich aber zu­nächst ei­ner Über­prü­fung zu stel­len hät­ten. Die letz­te Ka­te­go­rie um­fasst wei­te­re Fi­nanz­in­sti­tu­te, so je­ne, die vom Fatca-Ab­kom­men aus­ge­nom­men sind, wie et­wa die Na­tio­nal­bank.

Für Ban­ken, die nun in Ka­te­go­rie 2 sind, könn­te es ein Vor­teil sein, in Ka­te­go- rie 1 auf­zu­rü­cken. Dies kann da­durch ge­sche­hen, dass das DOJ bald for­mell Er­mitt­lun­gen ge­gen sie an­kün­digt oder die Ban­ken sich selbst beim DOJ mel­den und ih­re Rechts­ver­stös­se of­fen­le­gen.

Dies ist aus zeit­li­chen Grün­den in­ter­es­sant: In Ka­te­go­rie 2 und 3 müs­sen dem Ver­neh­men nach die In­for­ma­tio­nen in­ner­halb von 120 Ta­gen ge­sam­melt und ge­lie­fert wer­den. In der Ka­te­go­rie 1 gibt es kei­ne zeit­li­che Be­fris­tung.

Hin­zu kom­men fi­nan­zi­el­le Über­le­gun­gen: In der Ka­te­go­rie 1 müs­sen der Ver­schul­dungs­grad, die ent­gan­ge­nen Steu­er­ein­nah­men für die USA etc. be­rück­sich­tigt wer­den. Das ist in Ka­te­go­rie 2 ent­we­der über­haupt nicht oder nur ein­ge­schränkt der Fall. Dort gel­ten Pau­schal­be­trä­ge. Die Re­de ist von 40%.

Doch wel­che Ban­ken könn­ten von ei­nem sol­chen «Up­grade» auf­grund des heu­ti­gen Wis­sens­stands «pro­fi­tie­ren»? Ent- schei­dend sind wohl die Leaver-Lis­ten, die von den Ban­ken in Ka­te­go­rie 1 be­reits er­stellt wur­den. Die In­for­ma­tio­nen soll­ten sich mit In­for­ma­tio­nen de­cken, die die USA auf­grund der Selbst­an­zei­gen be­reits ha­ben – und Auf­schluss dar­über ge­ben, wer be­son­ders krass «ge­sün­digt» hat: Das heisst in die­sem Fall, wer ame­ri­ka­ni­sche Kun­den von Ban­ken an­ge­nom­men, an­ge­wor­ben und il­le­gal be­treut hat, die sich von die­sen Kun­den we­gen Steue­run­ehr­lich­keit ge­trennt ha­ben.

Er­wähnt wer­den in die­sem The­men­be­reich un­ter an­de­rem die Waadt­län­der Kan­to­nal­bank und die Toch­ter der St. Gal­ler Kan­to­nal­bank, die Hy­po­s­wiss. Bis vor kur­zem muss­te ei­ne sol­che Er­wäh­nung fast schon als kre­dit­schä­di­gend ein­ge­stuft wer­den. Un­ter der Vor­aus­set­zung, dass der «Up­grade» ein Vor­teil ist, ist das nun nicht mehr der Fall – im Ge­gen­teil.

An Er­klä­rung hal­ten

Ent­schei­dend ist, dass der Bun­des­rat den Ban­ken kei­nen Strich durch die Rech­nung macht. Der Bun­des­rat soll sich ge­nau an die vom Stän­de­rat ver­ab­schie­de­te Er­klä­rung hal­ten. Dar­in spricht sich der Stän­de­rat da­für aus, dass die Ban­ken im Steu­er­streit mit den USA ih­re Ver­gan­gen­heit be­rei­ni­gen sol­len.

Wei­ter heisst es in der Er­klä­rung, der Stän­de­rat an­er­ken­ne «die Not­wen­dig­keit ei­ner ra­schen Lö­sung». Und wei­ter: «Der Stän­de­rat er­war­tet, dass der Bun­des­rat im Rah­men des gel­ten­den Rechts al­le Mass­nah­men er­greift, um die Ban­ken in die La­ge zu ver­set­zen, mit dem US-Jus­tiz­de­par­te­ment zu ko­ope­rie­ren.»

Die Be­deu­tung der Er­klä­rung, die ih­re ge­setz­li­che Ba­sis im Ge­schäfts­re­gle­ment des Stän­de­ra­tes hat, darf nicht un­ter­schätzt wer­den. Ge­mäss Art. 27 des Ge­schäfts­re­gle­ments kann der Stän­de­rat auf schrift­li­chen An­trag ei­nes Rats­mit­glieds oder ei­ner Kom­mis­si­on zu wich­ti­gen Er­eig­nis­sen oder Pro­ble­men der Aussen- oder In­nen­po­li­tik ei­ne Er­klä­rung ab­ge­ben. Glei­ches gilt ge­mäss Art. 32 des Ge­schäfts­re­gle­ments des Na­tio­nal­rats. Des­halb hat auch der Na­tio­nal­rat dar­über ab­ge­stimmt und der vom Stän­de­rat ver­fass­ten Er­klä­rung zu­ge­stimmt.

Der Auf­trag an den Bun­des­rat ist klar: Er muss die not­wen­di­gen Be­wil­li­gun­gen er­tei­len. Und auch hier gilt: kei­ne Ma­nö­ver, die be­wei­sen sol­len, dass er mit sei­ner Droh­ku­lis­se im Zu­sam­men­hang mit der «Lex USA» recht hat­te.

Schat­ten der Ver­gan­gen­heit. Für Ban­ken kann for­mel­le Un­ter­su­chung vor­teil­haft sein.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.