Ju­ris­ti­sche Grat­wan­de­rung

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - PM

«Der Stän­de­rat er­war­tet, dass der Bun­des­rat im Rah­men des gel­ten­den Rechts al­le Mass­nah­men er­greift, um die Ban­ken in die La­ge zu ver­set­zen, mit dem De­part­ment of Justi­ce zu ko­ope­rie­ren.» Das ist der Wort­laut des zwei­ten Teils der Er­klä­rung, die Na­tio­nal- und Stän­de­rat nach dem Nein zur «Lex USA» ver­ab­schie­det ha­ben. Der Bun­des­rat hat sich da­zu noch nicht ge­äus­sert, er hat am Frei­tag das Fi­nanz­de­par­te­ment be­auf­tragt, ei­ne Lö­sung im Rah­men der be­ste­hen­den Ge­set­ze zu er­ar­bei­ten.

Das ist leich­ter ge­sagt als ge­tan, der Spiel­raum ist eng. Grund­sätz­lich hat der Bun­des­rat drei Mög­lich­kei­ten. Er kann, ers­tens, nichts tun. Da­mit wür­de er die Ban­ken an­hal­ten, schwei­ze­ri­sches Recht zu bre­chen, um die von den USA ver­lang­ten Da­ten zu lie­fern. Wer­den die Da­ten nicht ge­lie­fert, ris­kiert die Bank in den USA ei­ne Kla­ge mit exis­tenz­be­dro­hen­den Fol­gen.

Zwei­tens kann er ein­zel­fall­wei­se Da­ten­lie­fe­run­gen auf Ba­sis des Ar­ti­kels 271 des Straf­ge­setz­buchs be­wil­li­gen. Es ist al­ler­dings um­strit­ten, ob die­se ge­setz­li­che Ba­sis für die Lie­fe­rung al­ler Da­ten aus­reicht. Drit­tens kann er in ei­ner Ver­ord­nung ei­ne Art Ge­ne­ral­be­wil­li­gung ge­mäss die­sem Ar­ti­kel er­tei­len. Kla­gen Mit­ar­bei­ter oder Drit­te ge­gen ei­ne der­ar­ti­ge Er­mäch­ti­gung und er­hal­ten sie vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Recht, dürf­te die­ser Weg ver­stopft sein, wo­mit wie­der­um das Ri­si­ko von Kla­gen aus den USA steigt.

Im Ge­gen­satz zum Bunds­rat hat der eid­ge­nös­si­sche Da­ten­schutz- und Öf­fent­lich­keits­be­auf­trag­te re­agiert. Er hat ein «Merk­blatt für Ban­ken zur Über­mitt­lung von Per­so­nen­da­ten an US-Be­hör­den» pu­bli­ziert. Es ent­hält die Prin­zi­pi­en, die bei der Über­mitt­lung von Per­so­nen­da­ten von Mit­ar­bei­ten­den oder Drit­ten zwin­gend ein­zu­hal­ten sind. Da­zu ge­hört das Trans­pa­renz­prin­zip. Es schreibt vor, dass die Bank be­trof­fe­ne Per­so­nen über Da­ten­lie­fe­run­gen im Vor­aus in­for­mie­ren muss. Zu­dem kön­nen die Be­trof­fe­nen Rechts­an­sprü­che gel­tend ma­chen: Will ei­ne Bank Da­ten ge­gen ih­ren Wil­len über­mit­teln, so steht ih­nen der Rechts­weg über ein Zi­vil­ge­richt of­fen. Die Er­le­di­gung des Steu­er­streits mit den USA wird nach dem Nein zur «Lex USA» zu ei­ner ju­ris­ti­schen Grat­wan­de­rung mit un­ge­wis­sem Aus­gang.

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