Uh­ren sind we­ni­ger ge­fragt

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - JAN SCHWAL­BE

Der rück­läu­fi­ge Uh­ren­ex­port ist ein Warn­si­gnal für Swatch Group und Ri­che­mont – Vor al­lem Chi­na schwach

Das Um­feld für die Uh­ren­bran­che wird schwie­ri­ger. Ge­mes­sen am Wert sind die Uh­ren­ex­por­te aus der Schweiz im Mai im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat 3,9% ge­fal­len. Im Fünf­mo­nats­ver­gleich bleibt zwar noch ein Plus von 1,7%. Doch ge­mes­sen an der An­zahl Uh­ren be­rei­tet auch die­ser Ver­gleich Sor­gen. Seit An­fang Jahr wur­den 840 000 Uh­ren we­ni­ger ver­kauft, was ei­nem Rück­gang um 7,3% ent­spricht. Die­se Kun­de ging an den Ak­ti­en der Uh­ren­her­stel­ler nicht spur­los vor­über. Swatch Group (Inh.) und Ri­che­mont ver­lo­ren seit Mitt­woch 9 bzw. 6%.

Ein Blick auf die Da­ten zeigt, dass die Nach­fra­ge im Mai vor al­lem in Chi­na (–19,4%) und Hong­kong (–15,7%) schwä- chelt. In den ers­ten fünf Mo­na­ten wur­den in die Volks­re­pu­blik da­mit nicht nur we­ni­ger Uh­ren ge­lie­fert als im Vor­jahr (–23,3%), son­dern auch we­ni­ger als 2011 (–3,3%).

Zwar kau­fen Chi­ne­sen wei­ter­hin vie­le Uh­ren in Eu­ro­pa und kur­beln da­mit den Uh­ren­ab­satz aus­ser­halb des Heim­markts an. Doch die et­was stär­ker stot­tern­de Wirt­schaft ei­ner­seits und die im­mer hef­ti­ge­re Kri­tik an den Ge­schen­ken an Be­am­te und an­de­re Of­fi­zi­el­le in Chi­na an­de­rer­seits schei­nen sich ne­ga­tiv aus­zu­wir­ken. Ri­che­mont hat ih­re Plä­ne für neue Ge­schäf­te in Chi­na we­gen des lang­sa­me­ren Wachs­tums denn auch be­reits zu­rück­ge­stutzt.

Ne­ben Chi­na ent­täusch­ten auch Frank­reich (–14,7%) und die USA (–0,9%), die im Zwei­jah­res­ver­gleich (+19,4%) noch zu den gros­sen Wachs­tums­trei­bern ge­hö­ren. Be­son­ders für Swatch Group sind die USA in den letz­ten Jah­ren ein wich­ti­ger Markt ge­wor­den. Ein Licht­blick ist der Um­satz in Deutsch­land (+8,4%) und auch in Ita­li­en (+4,7%).

Zum ers­ten Mal seit mehr als drei Jah­ren ging auch der Um­satz von Uh­ren, die mehr als 3000 Fr. kos­ten, zu­rück (–4,1%). Bis­her hat­te sich das Seg­ment der Lu­xus­uh­ren enorm re­sis­tent ge­zeigt. Noch schlech­ter lief es für Uh­ren, die we­ni­ger als 200 Fr. kos­ten. Der Um­satz fiel, ge­mes­sen an der Stück­zahl, um 14,2%.

Die neus­ten Wer­te sind zwar ein kla­res Warn­si­gnal für die Bran­che. Doch ein Ver­kaufs­si­gnal für die Ak­ti­en von Swatch Group und Ri­che­mont sind sie den­noch nicht. Die Bran­che läuft noch im­mer rund, und die Mar­gen stim­men. Dar­an wird sich so schnell nichts än­dern.

Neu ist, dass auch die Lu­xus­spar­te die Kri­se spürt. Das trifft vor al­lem Ri­che­mont, die mit Mar­ken wie IWC, Pia­get und Ja­e­ger-LeCoult­re fast aus­schliess­lich in die­sem Seg­ment an­ge­sie­delt ist. Das un­ters­te Preis­seg­ment lei­det schon seit ei­ni­ger Zeit. Am bes­ten hält sich der Be­reich zwi­schen 200 und 500 Fr., und da ist Swatch Group bes­ser po­si­tio­niert als Ri­che­mont.

BIL­DER: ZVG

Die Lie­fe­run­gen nach Chi­na und Hong­kong wer­den ge­rin­ger und zei­gen, dass der dor­ti­ge Uh­ren­boom nicht gren­zen­los ist.

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