Heis­ser Draht

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Den gros­sen Tele­com­kon­zer­nen lau­fen in Spa­ni­en die Mo­bil­funk­kun­den weg. Al­lein im ers­ten Quar­tal 2013 hat et­wa ei­ne hal­be Mil­li­on Kon­su­men­ten den An­bie­ter ge­wech­selt, die Leid­tra­gen­den wa­ren vor al­lem Te­le­fó­ni­ca und Vo­da­fo­ne. Ei­ner der Pro­fi­teu­re die­ses Trends hin­ge­gen ist der klei­ne­re Wett­be­wer­ber Jazz­tel (BME: JAZ, 5.94 € am Frei­tag, Bör­sen­wert 1,5 Mrd. €).

Jazz­tel bie­tet Mo­bil­funk­diens­te als vir­tu­el­ler Be­trei­ber auf dem Netz von Drit­ten an. Die Ge­sell­schaft trifft in Kom­bi­na­ti­on mit In­ter­net und Fest­netz­te­le­fo­nie of­fen­bar den Nerv der Spa­nier. Von Ja­nu­ar bis März hat sie gut 210 000 neue Han­dy­kun­den ge­won­nen, ein Plus von 240% ge­gen­über dem Vor­jahr. Auf dem Fest­netz stieg die Zahl der An­schlüs­se um 12% auf 1,3 Mrd., Um­satz und Ge­winn ver­bes­ser­ten sich um 12 bzw. 3% auf 242 und 12 Mio. €.

Ge­winn­sprün­ge in Sicht

Der spa­ni­sche Tele­com­markt spie­gelt die ge­samt­wirt­schaft­li­che La­ge – we­gen Eu­round Schul­den­kri­se, Re­zes­si­on und ho­her Ar­beits­lo­sig­keit ach­ten die Kun­den be­son­ders auf den Preis. Gleich­zei­tig sind Kom­bi­na­tio­nen aus Fest­netz- und Mo­bil­te­le­fo­nie, In­ter­net und TV noch we­nig ver­brei­tet. Jazz­tel schätzt, dass in Spa­ni­en bis 2015 rund 60% der Breit­band­an­schlüs­se Teil von Pro­dukt­bün­deln sein könn­ten, nach ei­nem Vier­tel in die­sem Jahr.

Ana­lys­ten glau­ben mehr­heit­lich, dass sich Jazz­tel noch ei­ne gan­ze Wei­le er­folg­reich be­haup­ten kann. Sie ge­hen für 2014 und 2015 von Um­satz­wachs­tum und deut­li­chen Sprün­gen des Ge­winns pro Ak­tie (30 bzw. 28%) aus. Al­ler­dings stellt sich die Fra­ge, wie lan­ge An­bie­ter oh­ne ei­ge­nes Han­dy­netz lang­fris­tig po­si­tio­niert sein wer­den – die gros­sen Tele­com­kon­zer­ne müs­sen we­gen des stei­gen­den Da­ten­kon­sums der Kun­den ho­he In­ves­ti­tio­nen in die ei­ge­nen Mo­bil­funk­net­ze vor­neh­men.

Die Ge­sell­schaft ist nur mar­gi­nal ver­schul­det, mit ei­nem Ver­hält­nis von Net­to­ver­bind­lich­kei­ten zu ope­ra­ti­vem Er­geb­nis vor Ab­schrei­bun­gen und Wert­be­rich­ti­gun­gen (Ebitda) von 0,19. Die­se Tat­sa­che er­leich­tert ge­plan­te In­ves­ti­tio­nen in das Fest­netz. Das Un­ter­neh­men strebt den Aus­bau der Glas­fa­ser­in­fra­struk­tur in den gros­sen Me­tro­po­len des Lan­des an.

Seit kur­zem ein Blue Chip

Die Ak­ti­en sind seit En­de April im spa­ni­schen Blue-Chip-In­dex Ibex 35 ent­hal­ten. Im Ver­gleich mit dem Tele­com­sek­tor sind sie statt­lich be­preist. Doch die tie­fe Be­wer­tung vie­ler Ex-Mo­no­po­lis­ten ver­zerrt das Bild. Zieht man nur Ka­bel­netz­be­trei­ber und klei­ne­re Tele­com­an­bie­ter her­an, re­la­ti­viert sich das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 19 auf Ba­sis der Kon­sens­schät­zun­gen für 2014.

Ei­ne Di­vi­den­de zahlt Jazz­tel (noch) nicht, An­le­ger kön­nen sich vor al­lem Hoff­nung auf Kurs­ge­win­ne ma­chen. Ge­mäss dem durch­schnitt­li­chen Zwölf­mo­nats­Kurs­ziel der Ana­lys­ten sind vor­erst noch rund 13% mög­lich.

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