Ge­sucht: Kopf

Finanz und Wirtschaft - - PORTRÄT - MR

«Fin­dungs­kom­mis­si­on»: So apart heisst das Or­gan, das ei­nen neu­en Prä­si­den­ten für Eco­no­mie­su­is­se erst mal sucht – fin­den näm­lich wird kniff­li­ger. Das An­for­de­rungs­pro­fil ist ge­eig­net, ei­nem Head­hun­ter Kopf­zer­bre­chen zu be­rei­ten. Der Wirt­schafts­dach­ver­band braucht, Par­don, die sprich­wört­li­che eier­le­gen­de Woll­milch­sau. Er, oder für ein fri­sche­res Image vor­zugs­wei­se sie, muss ein Uni­ver­sal­ge­nie der Schwei­zer Wirt­schaft und Po­li­tik sein. Die al­te UNO-Formel (Un­ter­neh­mer/Na­tio­nal­rat/Oberst) hat aus­ge­dient, doch je­mand mit UN-Au­ra müss­te es schon sein. Heisst: Ei­ne in Wirt­schaft und Ge­sell­schaft an­er­kann­te ein­hei­mi­sche Per­sön­lich­keit, schon rei­fer, doch in bes­ten Jah­ren. Mit erst­klas­si­gen Re­fe­ren­zen, ope­ra­ti­vem oder stra­te­gi­schem Spit­zen­job und den­noch üp­pi­gem Zeit­bud­get. Ei­ne Fi­gur, die bes­tens ver­netzt ist – im Bu­si­ness wie im Bun­des­haus –, die füh­rungs­stark, kom­mu­ni­ka­tiv, so­zi­al kom­pe­tent, glaub­wür­dig ist etc. pp. Die sich op­fert, um ei­nen sper­ri­gen Ver­band statt ein schnit­ti­ges Un­ter­neh­men zu füh­ren. Die sich aus Bür­gerstolz ins Schau­fens­ter stellt und Prü­gel mit See­len­grös­se weg­steckt. Die min­des­tens eben­so für Geist wie für Geld steht. Die bis­wei­len Un­dank für Lohn nimmt.

Ein­engend kommt hin­zu, dass Ver­tre­ter aus Fi­nanz oder Big Phar­ma im ak­tu­el­len Kli­ma kaum ei­ne ge­schick­te Lö­sung wä­ren; über­haupt ist der Hin­ter­grund Pu­bli­kums­ge­sell­schaft nicht zwin­gend. Ein selb­stän­di­ger, für Ri­si­ken haf­ten­der Un­ter­neh­mer ge­fie­le bes­ser als ein an­ge­stell­ter Ma­na­ger. Der Wunsch­vor­stel­lung kä­me je­mand aus ge­er­de­tem, zugleich welt­läu­fi­gem In­dus­trie-Mit­tel­stand am nächs­ten. Ein As­sess­ment-Alb­traum al­so. Die «Fin­dungs­kom­mis­si­on» wird der­einst froh sein, je­man­den prä­sen­tie­ren zu kön­nen, der das Zeug da­zu hat, an den Auf­ga­ben zu wach­sen – viel­leicht neu im Voll­amt, am bes­ten plus Par­la­ments­man­dat? Wer es zu­we­ge bräch­te, Eco­no­mie­su­is­se zu­rück auf Kurs zu brin­gen, wie­der als Schwer­ge­wicht in der Schwei­zer Wirt­schafts­po­li­tik zu eta­blie­ren, könn­te sich sehr wohl ein Edel­weiss ans Re­vers hef­ten.

Be­son­ders wenn er oder sie da­zu bei­tra­gen könn­te, dass tie­fer ge­schürft wird: nach ei­ner neu­en Kul­tur, ba­sie­rend auf leb­haf­te­rem Aus­tausch, auch per­so­nell, zwi­schen Un­ter­neh­men, Ver­wal­tung, Po­li­tik, Me­di­en­welt und Wis­sen­schaft. Be­ruf­li­che Wen­dun­gen, die den Ho­ri­zont er­wei­tern, soll­ten ei­ne Kar­rie­re för­dern, nicht brem­sen.

Uto­pisch? Viel­leicht. Nö­tig? Auf je­den Fall. Wenn die Ge­sell­schaft den Puls der Wirt­schaft bes­ser spü­ren soll, dann gilt auch der Um­kehr­schluss.

Das Prä­si­di­um von Eco­no­mie­su­is­se – ein Auf­ga­ben­strauss für ei­nen «Her­ku­les».

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