Gold rutscht un­ter 1300 $

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AT

Wer sein Schiff im «si­che­ren Ha­fen» Gold an­ge­legt hat, ist ein­mal mehr vor star­kem Wel­len­gang nicht ge­feit. Am Don­ners­tag no­tier­te der Goldpreis zeit­wei­se un­ter 1290 $ – der nied­rigs­te Wert seit Sep­tem­ber 2010. Doch kein Mee­res­gott ist der Aus­lö­ser der Un­ru­he, son­dern Ben Bernan­ke. Der Chef der USNo­ten­bank hat nach der Fed-Sit­zung am Mitt­woch für die Märk­te durch­buch­sta­biert, wie die Stra­te­gie der USNo­ten­bank aus­sieht. In­fol­ge der Mit­tei­lung des Fed, bei gu­ter Wirt­schafts­la­ge die An­lei­hen­käu­fe ein­zu­schrän­ken ( Ta­pe­ring), brach der Goldpreis 6% ein. Seit Jah­res­an­fang hat das Edel­me­tall über 20% an Wert ein­ge­büsst.

Wie ge­nau funk­tio­niert der Zu­sam­men­hang zwi­schen den Fed-An­lei­hen­käu­fen und dem Goldpreis? Ei­ner­seits ha­ben die An­lei­hen­käu­fe durch das Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing In­fla­ti­ons­ängs­te ge­schürt. Gold wird als Ab­si­che­rung ge­gen die Ent­wer­tung des Pa­pier­gelds ge­se­hen. An­le­ger konn­ten sich mit bör­sen­ge­han­del­ten Fonds (ETF) güns­tig mit Gold ein­de­cken und ha­ben da­mit die Hausse aus­ge­löst. Doch die In­fla­ti­on bleibt nied­rig, und das QE-Pro­gramm könn­te bald zu En­de ge­hen. Da­mit geht auch die In­fla­ti­ons­angst zu­rück.

An­lei­hen bie­ten nun hö­he­re Ren­di­ten, auch re­al, al­so nach Ab­zug der In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen. Da­mit stei­gen die Op­por­tu­ni­täts­kos­ten ei­ner Gold­an­la­ge – die Ren­di­te, die man durch In­ves­ti­tio­nen in das Edel­me­tall ver­passt. Gleich­zei­tig wird der US-Dol­lar zu an­de­ren Wäh­run­gen stär­ker, was Gold für an­de­re Län­der ver­teu­ert.

Laut Ana­lys­ten der Com­merz­bank ha­ben schon im Vor­feld der Fed-Sit­zung An­le­ger ih­re Po­si­tio­nen im gröss­ten Gold-ETF SPDR Gold Trust ab­ge­baut. Seit Fe­bru­ar 2009 hält er erst­mals wie­der un­ter 1000 Ton­nen an Gold. Schon am Mon­tag zeig­ten sich Ana­lys­ten der So­cié­té Gé­né­ra­le in ei­ner Stu­die über­zeugt, dass ein Pa­ra­dig­men­wan­del bei den In­ves­to­ren zu be­ob­ach­ten ist. Grund sei­en der mas­si­ve Ver­kauf des Edel­me­talls im April und die Aus­sicht auf Ta­pe­ring. Der Goldpreis wer­de da­her wohl auf 1200 $ je Un­ze fal­len. Bis­her sag­te SocGen ei­nen Preis von 1375 $ vor­aus.

Die Ver­käu­fe aus Gold-ETF wür­den zu­neh­men und die Nach­fra­ge nach Ju­we­len, Bar­ren oder Mün­zen über­stei­gen, er­klärt SocGen. Auch hö­he­re Pro­duk­ti­ons­kos­ten des Edel­me­talls wür­den dem Preis nicht hel­fen kön­nen – zu­min­dest so­lan­ge er über 1000 $ no­tie­re. Die ETF-Be­stän­de der Fi­nanz­an­le­ger mach­ten zwar nur 1,3% der Gold­be­stän­de aus, doch mit 78% sei­en sie sehr gross im Ver­hält­nis zum jähr­li­chen Gold­an­ge­bot. Ei­ne an­de­re Nach­fra­ge­quel­le kön­ne den Preis­ver­fall durch ETF-Ver­käu­fe kaum auf­hal­ten. Auch nicht die Zen­tral­ban­ken, für die an­de­re An­la­gen nun auch in­ter­es­san­ter wür­den.

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