Von nun an stärkt das US-Fed den Dol­lar

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ANDRE­AS NEIN­HAUS

Wäh­rungs­ana­lys­ten se­hen kla­re Vor­tei­le durch das Ta­pe­ring

Auch an den De­vi­sen­märk­ten sorg­te der Aus­gang der Zen­tral­bank­sit­zung in den USA für Auf­re­gung. Der Dol­lar ver­bes­ser­te sich auf brei­ter Front. Er sprang am Don­ners­tag auf 0.935 Fr./$ so­wie über 98 Yen/$. Der Eu­ro sack­te auf 1.138 $/€ ab.

Nun sei der Geist aus der Fla­sche, sag­te der Chef der Wäh­rungs­ana­lys­ten von Bar­clays in den USA, Jo­se Wyn­ne, am Don­ners­tag in ei­ner Prä­sen­ta­ti­on. Dank des von US-Zen­tral­bank­prä­si­dent Ben Bernan­ke in Aus­sicht ge­stell­ten Fahr­plans für die schritt­wei­se Zu­rück­nah­me der An­lei­hen­käu­fe ( Ta­pe­ring) wer­de die ame­ri­ka­ni­sche Wäh­rung an Wert ge­win­nen. In den Ta­gen nach dem Pau­ken­schlag aus Wa­shing­ton ha­ben sich Dol­lar­bul­len zu Wort ge­mel­det, um zu er­läu­tern, war­um nun ein ste­ti­ger Auf­wärts­trend für den Gre­en­back an­ste­hen wird. Sie sind über­zeugt, dass die Ta­ge ei­ner Fed-Po­li­tik, die den Dol­lar schwächt, ge­zählt sind.

Wyn­ne be­grün­det sei­nen Op­ti­mis­mus wie folgt: Wenn die US-Wirt­schaft ro­bust wächst und das Ta­pe­ring ein­setzt, wer­den die Ri­si­ko­prä­mi­en stei­gen, wor­auf ris­kan­te­re An­la­gen im Kurs nach­ge­ben wer­den und die Vo­la­ti­li­tät steigt. Am De­vi­sen­markt ist das gleich­zu­set­zen mit ei­ner Ab­wer­tung von hoch­ver­zins­ten und Schwel­len­län­der­wäh­run­gen zum Dol­lar. Da­mit al­ler­dings ei­ne breit an­ge­leg­te Dol­lar­ral­ly ein­setzt, müss­ten zu­erst noch die Zins­er­war­tun­gen in den USA stei­gen, bremst Wyn­ne die Eu­pho­rie. So weit ist es noch nicht. Bernan­ke liess sich nicht in die Kar­ten schau­en. Aber die Er­war­tun­gen wer­den sich in den kom­men­den Mo­na­ten än­dern.

Das Wie­der­auf­le­ben des Dol­lars wer­de im zwei­ten Halb­jahr an Kraft ge­win­nen, pro­phe­zeit er und emp­fiehlt long in Dol- lar zu sein ge­gen Fran­ken, Eu­ro oder Yen. In ei­nem Jahr sieht er den Eu­ro auf nur noch 1.23 $. Ein Dol­lar wird dann 1.10 Fr. kos­ten resp. 105 Yen. Als Fi­nan­zie­rungs­wäh­rung für Zins­dif­fe­renz­ge­schäf­te (Car­ry Tra­des) sei der Gre­en­back in­zwi­schen nicht mehr ge­eig­net.

Auch Mor­gan St­an­ley be­tont, dass es sich lohnt, jetzt auf den Dol­lar zu set­zen. Hans Re­de­ker, der das Wäh­rungs­re­se­arch der US-Bank lei­tet, ver­weist auf die stei­gen­den Re­al­zin­sen. Da­durch er­hö­hen sich die Op­por­tu­ni­täts­kos­ten von En­ga­ge­ments in Nicht-Dol­lar-An­la­gen. Wie Wyn­ne hat auch er vor al­lem Schwellenländer im Au­ge: Die Out­per­for­mance sei vor­über, In­ves­to­ren soll­ten sich dort auf ei­nen vo­la­ti­len Bä­ren­markt ein­stel­len. Zu­sätz­lich stär­ke die Aus­sicht auf ein ro­bus­tes Wirt­schafts­wachs­tum in den USA den Zuf­luss von aus­län­di­schem An­la­ge­ka­pi­tal und da­mit den Dol­lar. Der kon­junk­tu­rel­le Vor­sprung der USA auf Eu­ro­pa, Latein­ame­ri­ka oder Asi­en sei in­zwi­schen ge­wal­tig. Re­de­ker sagt auf Jah­res­frist 1.22 $/€ und 1.09 Fr./$ vor­aus.

Der Dol­lar wer­de dank der Wen­de in der US-Geld­po­li­tik sei­ne ers­te zy­kli­sche Ral­ly er­le­ben, ar­gu­men­tiert auch ING. Die Vo­la­ti­li­tät sei we­gen der Fed-An­kün­di­gung er­war­tungs­ge­mäss zu­nächst stark ge­stie­gen. Aber in den kom­men­den Mo­na­ten, wenn das wei­te­re Vor­ge­hen der Exit­stra­te­gie trans­pa­ren­ter wer­de, ver­lau­fe der Auf­wärts­trend des Gre­en­backs in ge­ord­ne­te­ren Bah­nen, schreibt die Bank in ei­nem Kom­men­tar. Pro­gnos­ti­ziert wer­den Kur­se von 1.20 $/€ resp. 110 Yen/$.

Die Er­war­tun­gen un­ter den Dol­lar­bul­len sind gross. Al­ler­dings: Noch hat sich am Kauf­ver­hal­ten des Fed nichts ge­än­dert. So schöpf­te die Zen­tral­bank ver­gan­ge­ne Wo­che noch ein­mal aus dem Vol­len. Sie er­warb An­lei­hen der staats­na­hen Hy­po­the­ke­nagen­tu­ren für 17 Mrd. $.

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