Ab­wärts – aber we­ni­ger schnell

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AN

Wenn es noch ei­nes Be­wei­ses be­durf­te, dass sich Eu­ro­pa und die USA wirt­schaft­lich aus­ein­an­der­be­we­gen, dann ha­ben ihn die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes am Don­ners­tag ge­lie­fert. Die viel be­ach­te­ten Vor­lau­fin­di­ka­to­ren für die In­dus­trie, die als Vor­ab­schät­zung prä­sen­tiert wur­den (Flash PMI), hät­ten auf den bei­den Kon­ti­nen­ten nicht un­ter­schied­li­cher aus­fal­len kön­nen. In Über­see nahm der Teil­in­dex für den Pro­duk­ti­ons­aus­stoss von 52,7 im Mai auf 53,9 im Ju­ni deut­lich zu. Wer­te über 50 si­gna­li­sie­ren Wachs­tum, un­ter 50 han­delt es sich um ei­ne Kon­trak­ti­on.

Die Neu­be­stel­lun­gen in der ame­ri­ka­ni­schen In­dus­trie wuch­sen so­li­de. Der In­dex weist 53,7 aus. Die Da­ten deu­ten dar­auf hin, dass die­sen Mo­nat die Be­schäf­ti­gung sta­gnier­te (50,4). So gut die US-Wer­te im di­rek­ten Ver­gleich mit Eu­ro­pa aus­fie­len, in der rein in­län­di­schen Be­trach­tung, wo ger­ne kla­re Be­schleu­ni­gun­gen ge­se­hen wer­den, über­zeug­ten sie nicht. Der Ge­s­amt-PMI liegt si­cher auf Ex­pan­si­ons­ni­veau, hat aber mi­ni­mal auf 52,2 ab­ge­nom­men. Die glei­chen­tags ver­öf­fent­li­chen Erst­an­trä­ge auf Ar­beits­lo­sen­hil­fe sind auf 354 000 ge­stie­gen – mehr, als der Markt­kon­sens aus Ana­lys­ten­mei­nun­gen an­ti­zi­piert hat­te.

Bes­ten­falls von ei­ner Ver­lang­sa­mung der Tal­fahrt kann in­des in der Eu­ro­zo­ne die Re­de sein. Der Ge­samt­in­dex ver­bes­ser­te sich um 1,2 Punk­te, blieb je­doch mit 48,9 im Re­zes­si­ons­be­reich. Noch ei­ne mo­nat­li­che Ver­bes­se­rung, und die In­dus­trie sta­gniert wie­der, statt zu schrump­fen. Der Auf­trags­ein­gang ver­rin­ger­te sich wei­ter, aber wie PMI-Her­aus­ge­ber Mar­kit prä­zi­siert: Die In­dus­trie­be­trie­be ver­zeich­ne­ten den schwächs­ten Auf­trags­rück­gang seit zwei Jah­ren, die Di­enst­leis­ter den schwächs­ten seit fünf Mo­na­ten. Auf der Su­che nach der kon­junk­tu­rel­len Wen­de gibt man sich mit we­nig zu­frie­den.

Fast so aus­ge­prägt wie dies- und jen­seits des At­lan­tiks fal­len die Dif­fe­ren­zen ent­lang der deutsch-fran­zö­si­schen Gren­ze aus. Deutsch­land ver­mel­de­te zum zwei­ten Mal in Fol­ge Wachs­tum. Der Flash PMI liegt knapp über 50 – al­ler­dings nur dank des Di­enst­leis­tungs­sek­tors. Frank­reichs Ein­kaufs­ma­na­ger­index no­tier­te in­des im Ju­ni auf 46,8. Dass er 2,2 Punk­te ge­stie­gen ist, lässt hof­fen. Mar­kit prä­zi­siert, er be­fin­de sich auf dem Fünf­zehn­mo­nats­hoch. Das legt aber nur na­he, wie lan­ge es schon um Frank­reichs Kon­junk­tur so schlecht be­stellt ist.

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