Re­gu­lä­re Hek­tik Chi­nas

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ET,

Chi­nas In­ter­ban­ken­markt hat hek­ti­sche Ta­ge hin­ter sich. Am Don­ners­tag 20. Ju­ni schnell­te der Sie­ben-Ta­ge-Re­posatz auf re­kord­ho­he 12%. Der Shi­bor (Shang­hai in­ter­bank of­fe­red ra­te), der an­gibt, zu wel­chen Sät­zen die gros­sen Ban­ken Geld aus­lei­hen, stieg eben­falls mar­kant an – im Um­feld ei­ner schwa­chen Nach­fra­ge nach Staats­an­lei­hen.

Schon seit ei­ni­gen Wo­chen gab es An­zei­chen für ei­ne Stress­si­tua­ti­on im chi­ne­si­schen Fi­nanz­sys­tem: Der Ta­ges­geld­satz klet­ter­te zwi­schen Mit­te Mai und dem 8. Ju­ni um mehr als sie­ben Pro­zent­punk­te auf 9,6%.

Re­gu­la­tor vs. Zen­tral­bank

Für den Li­qui­di­täts­eng­pass ver­ant­wort­lich sind vor al­lem zwei Grün­de: Der Re­gu­la­tor will den Ren­min­bi-Dol­lar-Car­ry­tra­de ein­däm­men so­wie den Geld­fluss in die In­vest­ment Trusts der Ban­ken li­mi­tie­ren. Gleich­zei­tig zö­gert die Peop­le’s Bank of Chi­na (PBoC) mit In­ter­ven­tio­nen durch Of­fen­mark­t­ope­ra­tio­nen oder ei­ner Sen­kung des Min­dest­re­ser­ve­sat­zes für die Ge­schäfts­ban­ken, da das dem Ziel ent­ge­gen­steht, die lang­fris­ti­gen Ri­si­ken im Bankensektor zu re­du­zie­ren.

Ka­pi­tal­zu­flüs­se nach Chi­na sind in den letz­ten Mo­na­ten ge­sun­ken, und die Ban­ken si­chern sich Ka­pi­tal vom In­ter­ban­ken­markt für ih­re Halb­jah­res­ab­schlüs­se. Der Haupt­grund für die Li­qui­di­täts­knapp­heit ist aber das Tau­zie­hen zwi­schen dem Re­gu­la­tor und der PBoC.

Seit An­fang Mai zwingt die Sta­te Ad­mi­nis­tra­ti­on of For­eign Ex­ch­an­ge (SA­FE) chi­ne­si­sche Ban­ken da­zu, das Ver­hält­nis der Kre­dit­ver­ga­be zu den Spar­ein­la­gen in Devisen auf 75% zu re­du­zie­ren, be­vor sie den Dol­lar shor­ten kön­nen. Das führ­te zu ei­nem deut­li­chen Ver­kaufs­rück­gang in Dol­lar ge­gen Ren­min­bi. Ge­mäss der PBoC lag das Kre­dit-Ein­la­genVer­hält­nis im Mai bei 176%.

Zu­dem ver­langt die Chi­na Ban­king Re­gu­la­to­ry Com­mis­si­on (CBRC), dass die Ban­ken den An­teil der We­alth Ma­nage­ment Pro­duk­te ( WMP), die nicht in Stan­dar­d­an­la­gen in­ves­tiert sind, auf 35% des To­tals der aus­ste­hen­den WMP be­gren­zen, oder auf 4% der ge­sam­ten An­la­gen des letz­ten Steu­er­jah­res – das tie­fe­re gilt. Als Stan­dar­d­an­la­gen gel­ten nur am In­ter­ban­ken-Bond­markt oder an Bör­sen ge­han­del­te Pro­duk­te. Das wie­der­um führ­te zu ei­ner hö­he­ren Nach­fra­ge nach In­ter­bank­ka­pi­tal, das in WMP und Trusts floss.

Schwan­kun­gen nor­mal

Ver­schärft wur­de der jüngs­te Li­qui­di­täts-Crunch durch die Fei­er­ta­ge des Dra­gon Boat Fes­ti­vals. Vor dem 10. Ju­ni war die Nach­fra­ge nach Cash äus­serst hoch – Fei­er­ta­ge sind in Chi­na sehr be­lieb­te Ein­kaufs­ta­ge, da vie­le Ge­schäf­te ho­he Preis­nach­läs­se an­bie­ten. Dass die PBoC nicht mit ei­ner Lo­cke­rung der Li­qui­di­täts­kon­di­tio­nen ge­hol­fen hat – sie hat im Ge­gen­teil so­gar et­was Geld aus dem Um­lauf ge­zo­gen – si­gna­li­siert, dass sie ih­re Kre­dit­zie­le, resp. die Ein­däm­mung der seit An­fang Jahr ex­zes­si­ven Kre­dit­ver­ga­be, durch­setz­ten will.

In den USA oder Eu­ro­pa gäl­te die jüngs­te Ent­wick­lung am In­ter­ban­ken­markt als Ver­trau­ens­ver­lust der Ban­ken un­ter­ein­an­der. In Chi­na, wo die PBoC Li­qui­di­tät ad hoc be­reit­stellt, gibt es ab und zu kurz­fris­ti­ge Li­qui­di­täts­eng­päs­se – sie sind ent­spre­chend vor­sich­tig zu be­ur­tei­len. Am Frei­tag no­tier­te der Wo­chen­geld­satz 8,543%.

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