De­ri­vat­bör­se Scoach auf Road­show, RBS steigt aus, SMIT statt MIST

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE -

Mit Ab­kür­zun­gen ist es so ei­ne Sa­che. PIGS wer­den die pro­blem­be­la­de­nen Pe­ri­phe­rie­län­der der Eu­ro­zo­ne Por­tu­gal, Ir­land, Grie­chen­land und Spa­ni­en ge­nannt – in­klu­si­ve Ita­li­en wird das Akro­nym zu PIIGS. Weil «pigs» Schwei­ne sind, ha­ben das rück­sichts­vol­le Kom­men­ta­to­ren in GIPS um­for­mu­liert. Gips­kopf wird zwar um­ge­kehrt mit «dim­wit» über­setzt, und das heisst Schwach­kopf, aber dar­auf hat die freund­li­che Neu­be­nen­nung si­cher­lich nicht ab­ge­zielt.

Aus dem Kür­zel BRIC für Bra­si­li­en, Russ­land, In­di­en und Chi­na wur­de mit Süd­afri­ka BRICS, auch wenn da fünf äus­serst un­ter­schied­li­che Volks­wirt­schaf­ten je­weils in das glei­che Fi­nanz­pro­dukt hin­ein­ge­packt wor­den sind. Auf den Er­folg der BRIC-An­la­gen folg­te mit MIST die zwei­te Rei­he der Schwellenländer: Me­xi­ko, In­do­ne­si­en, Süd­ko­rea und die Tür­kei. Es fragt sich, ob die Di­ver­si­fi­ka­ti­on auf die­se Län­der sinn­voll ist, denn je­des bie­tet für In­ves­to­ren ganz ei­ge­ne Ri­si­ken und Chan­cen, die je nach An­le­ger­pro­fil bes­ser oder schlech­ter pas­sen (vgl. FuW Nr. 64 vom 15. Au­gust 2012). Wie dem auch sei, MIST weckt nicht be­son­ders an­ge­neh­me As­so­zia­tio­nen. Des­halb hat sich ein An­bie­ter für die Lan­cie­rung neu­er ko­tier­ter Fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds) an der SIX Swiss Ex­ch­an­ge wohl an GIPS er­in­nert und preist nun ETF auf die SMIT-Län­der an. «Smit» ist die Ver­gan­gen­heits­form von «smi­te», das be­deu­tet be­fal­len oder heim­ge­sucht. Im­mer­hin klingt es we­sent­lich an­ge­neh­mer.

Die Bas­ler Kan­to­nal­bank will das Ge­schäft mit struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten auf­ge­ben will – ich ha­be vor zwei Wo­chen dar­über be­rich­tet –, und nun wirft auch Roy­al Bank of Scot­land die Fl­in­te ins Korn, wie ver­gan­ge­ne Wo­che be­kannt wur­de. Das be­trifft nicht nur die Schweiz, son­dern das glo­ba­le Ge­schäft der RBS mit Re­tail-De­ri­va­ten. Of­fen­bar ha­ben das vie­le An­ge­stell­te via Agen­tur Bloom­berg er­fah­ren, schreibt der Bran­chen­blog «Fi­nanz­pro­dukt.ch». Ich hof­fe, dass die Kon­so­li­die­rung un­ter den An­bie­tern von struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten nicht all­zu weit geht, denn das ist schlecht für den Wett­be­werb. Zu hö­ren ist et­wa, die Mar­ge in den Pro­duk­ten sei in der Schweiz grös­ser als in Deutsch­land. Mag sein, dass dort die Kun­den preis­be­wuss­ter sind, wo­ge­gen die hie­si­gen An­le­ger eher ei­nem Emit­ten­ten die Treue hal­ten. Aber wie in je­dem Markt spielt der Kon­kur­renz­kampf si­cher­lich ei­ne wich­ti­ge Rol­le.

Die De­ri­vat­bör­se Scoach ist auf Tour, um ih­re neue Platt­form für struk­tu­rier­te Pro­duk­te zu er­klä­ren und an­zu­prei­sen. Da­mit will sie den Spa­gat schaf­fen zwi­schen dem trans­pa­ren­tem Han­del an der Bör­se und dem we­ni­ger re­gu­lier­tem Di­rekt­han­del zwi­schen Emit­tent und In­ves­tor – re­spek­ti­ve sich die­ses Ge­schäft nicht ent­ge­hen las­sen. Der bi­la­te­ra­le Han­del ist der Auf­sichts­be­hör­de Fin­ma nicht un­ter­stellt, die Scoach über­wacht ihn nicht und stellt kei­ne Fehl­ab­schlüs­se fest, und zum Um­satz und den ge­han­del­ten Pro­duk­ten gibt es kei­ne In­for­ma­tio­nen. Der Vor­teil für Emit­ten­ten und An­le­ger liegt dar­in, dass die trotz der Ge­büh­ren­sen­kung nach wie vor re­la­tiv ho­hen Ko­tie­rungs­kos­ten ent­fal­len. Der ers­te of­fi­zi­el­le Han­dels­tag ist der 22. Ju­li.

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