Kein si­che­res Ver­steck

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PE­TER ROH­NER

WAls ein­zi­ger der gros­sen Ak­ti­en­märk­te schloss der ja­pa­ni­sche im Plus. Nach den ver­lust­rei­chen Wo­chen zu­vor er­hol­te sich der Nik­kei 225 und stieg 4,3%. Er pro­fi­tier­te wohl auch von der Ab­wer­tung des Yens zum er­star­ken­den Dol­lar. Al­le an­de­ren Märk­te wa­ren rot oder dun­kel­rot: Der ame­ri­ka­ni­sche S&P 500 no­tier­te vier St­un­den vor Han­dels­schluss 2,7% un­ter dem Stand zu Wo­chen­be­ginn. Der de­fen­si­ve SMI ver­lor im Wo­chen­ver­gleich 2,8%, der deut­sche Dax 4,2%. In Hong­kong no­tier­te der Hang Seng In­dex 3,4% tie­fer. Auch die An­lei­hen­kur­se ga­ben auf brei­ter Front nach. Die Ren­di­ten von zehn­jäh­ri­gen US-Tre­a­su­ries klet­ter­ten bin­nen Wo­chen­frist von 2,1 auf 2,45%. Zehn­jäh­ri­ge deut­sche Bun­des­an­lei­hen ren­tier­ten am Frei­tag 1,72%. Die Ren­di­te-

Ve­r­un­si­che­rung nach Fed-Sit­zung – Ak­ti­en tief­rot – Zin­sen stei­gen wei­ter

er an den Fi­nanz­märk­ten ak­tiv ist, muss ab und zu Ver­lus­te hin­neh­men. Dass je­doch sämt­li­che An­la­ge­klas­sen gleich­zei­tig über ei­ne Wo­che Wert ver­lie­ren, kommt sel­ten vor. Denn in der ak­tu­el­len Markt­pha­se wer­den die Prei­se nicht et­wa von Kon­junk­tur­da­ten oder von den wie­der­keh­ren­den Wel­len von Risk off/Risk on be­stimmt, son­dern von den Ängs­ten und den Hoff­nun­gen im Zu­sam­men­hang mit der US-Geld­po­li­tik.

Die Fi­nanz­markt­teil­neh­mer ha­ben die Aus­sa­gen von Fed-Chef Ben Bernan­ke, wo­nach die No­ten­bank die An­lei­hen­käu­fe im Herbst je nach Ver­lauf der Wirt­schaft ab­schwä­chen wer­de, als Si­gnal ei­ner re­strik­ti­ve­ren Geld­po­li­tik in­ter­pre­tiert. We­ni­ger Li­qui­di­tät und die Er­war­tung stei­gen­der Fi­nan­zie­rungs­kos­ten tref­fen al­le An­la­ge­klas­sen, vor al­lem die, die von den In­ter­ven­tio­nen der Zen­tral­bank pro­fi­tiert ha­ben.

Nur der Nik­kei im Plus

auf­schlä­ge zu den An­lei­hen der Eu­ro­pe­ri­phe­rie wei­te­ten sich aus. Bei zehn­jäh­ri­gen ita­lie­ni­schen Staats­an­lei­hen be­trägt die Ren­di­te 4,57%, 50 Ba­sis­punk­te mehr als vor Wo­chen­frist.

Noch hef­ti­ger re­agier­ten die Ak­ti­en, die An­lei­hen und die Wäh­run­gen der Schwellenländer auf das dro­hen­de En­de der hy­per­ex­pan­si­ven US-Geld­po­li­tik. Der Ak­ti­en­in­dex MSCI Emer­ging Mar­kets ver­lor in zwei Ta­gen 5%. Der In­dex für Fremd­wäh­rungs­an­lei­hen EMBI Glo­bal no­tiert am Frei­tag 4,3% tie­fer als vor Wo­chen­frist. Die in­di­sche Ru­piah und die tür­ki­sche Li­ra fie­len auf das nied­rigs­te Ni­veau ih­rer Ge­schich­te.

Ei­nen si­che­ren Ha­fen bo­ten auch die Edel­me­tall­märk­te nicht. Im Ge­gen­teil: Gold sack­te 7% auf 1293 $ pro Fein­un­ze ab, Sil­ber ver­lor so­gar mehr als 10% und kos­te­te am Frei­tag noch 19.78 $ pro Un­ze.

Mit den hö­he­ren Re­al­zin­sen stei­gen die Op­por­tu­ni­täts­kos­ten von Gold. In­fla­ti­on ist gleich­zei­tig auch kein The­ma. Auch Roh­öl der Sor­te Brent (–5,5%) ver­bil­lig­te sich von 106 auf 100.16 $/Fass. Der Preis für den nächs­ten Ter­min­kon­trakt für ein Fass WTI-Erd­öl lag am Frei­tag bei 93.27 $ (–4,7%).

«Zu gu­te» Ma­kro-News

Die volks­wirt­schaft­li­chen Da­ten prä­sen­tier­ten sich ab­ge­se­hen von den In­dus­tri­e­um­fra­gen in Chi­na von der freund­li­che­ren Sei­te. Doch ge­ra­de die­se po­si­ti­ve No­te schürt bei den In­ves­to­ren die Be­fürch­tung, dass es Bernan­ke im Herbst mit der Stut­zung des An­lei­hen­kauf­pro­gramms ernst meint.

In den USA wur­den im Mai 5,18 Mio. Häu­ser ver­kauft, 4,2% mehr als im April und mehr als all­ge­mein er­war­tet. Zu­dem ver­bes­ser­te sich das Ge­schäfts­kli­ma in der In­dus­trie in und um Phil­adel­phia. Der Phil­ly-Fed-In­dex sprang im Ju­ni von –2 auf 12,5.

In der Eu­ro­zo­ne schrumpft die In­dus­trie zwar noch wei­ter, doch die vor­läu­fi­gen Er­geb­nis­se der Mar­kit-Um­fra­ge für Ju­ni deu­ten auf ei­ne wei­te­re Ver­lang­sa­mung des Rück­gangs hin. Der Flash-In­dus­trie-PMI ver­bes­ser­te sich leicht von 48,6 auf 48,7, wäh­rend der Di­enst­leis­tungs­in­dex von 47,5 auf 48,6 stieg.

Der vor­läu­fi­ge Ein­kaufs­ma­na­ger­index für die chi­ne­si­sche In­dus­trie von HSBC fiel stär­ker als er­war­tet von 49,2 auf 48,3 und si­gna­li­siert da­mit den zwei­ten Mo­nat in Fol­ge ei­ne Kon­trak­ti­on in der In­dus­trie. Da der­zeit auch die Li­qui­di­tät auf dem chi­ne­si­schen In­ter­ban­ken­markt zu ver­sie­gen droht, ge­hör­te die Bör­se Schang­hai (Shang­hai Com­po­si­te, –4,1%) eben­falls zu den gros­sen Ver­lie­re­rin­nen der Wo­che.

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