Kein En­de der Gold­hausse

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LOM­BARD ODIER IN­VEST­MENT MA­NA­GERS

NOh­ne Re­for­men von Po­li­tik und Fi­nanz­sys­tem bleibt Gold in­ter­es­sant

ach Schät­zung des World Gold Coun­cil wird der asia­ti­sche Gold­markt im zwei­ten Quar­tal ei­ne re­kord­ho­he phy­si­sche Nach­fra­ge ver­zeich­nen. Der­weil ha­ben die Short­po­si­tio­nen in Gold an der Ter­min­bör­se Comex ein Rekordhoch er­reicht.

Das zeigt die Kluft zwi­schen dem phy­si­schen und dem Fu­tures-Markt: Die phy­si­schen Märk­te wer­den von Mil­lio­nen an Ein­zel­an­le­gern ge­trie­ben, wäh­rend bei den Fu­tures Hun­der­te von In­sti­tu­tio­nen be­stim­mend sind, von de­nen vie­le spe­ku­la­tiv agie­ren. Ty­pi­scher­wei­se hilft die phy­si­sche Nach­fra­ge, dem Preis ei­nen Bo­den zu ge­ben, wäh­rend Fu­tures die Preis­spit­zen aus­lö­sen.

Der drit­te Pfei­ler des Gold­mark­tes ist die in­sti­tu­tio­nel­le Nach­fra­ge nach 400-Un­zen-Bar­ren, der so­ge­nann­te Over-theCoun­ter-Markt. Die Po­si­tio­nie­rung wird hier nicht of­fen­ge­legt, es herrscht we­nig Trans­pa­renz, doch kann die­ses Seg­ment ein wich­ti­ger Kurstrei­ber sein. Die sin­ken­den Preis­auf­schlä­ge deu­ten dar­auf hin, dass die phy­si­sche Nach­fra­ge im Mai nach­ge­las­sen hat, doch der fes­te Goldpreis be­legt, dass sie nach wie vor ge­nü­gend hoch ist, um Ge­gen­wind aus­zu­glei­chen.

Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds mel­det für April ei­ne ste­ti­ge Nach­fra­ge der No­ten­ban­ken von 30 Ton­nen. Wir hat­ten ge­dacht, die No­ten­ban­knach­fra­ge wer­de nach dem Preis­kol­laps im April deut­lich an­zie­hen, doch wie sich nun zeigt, war das nicht ge­ne­rell der Fall. Aber ein be­deu­ten­der Play­er am Markt, Chi­na, in­for­miert den IWF nicht über sei­ne Ak­ti­vi­tä­ten.

Wir wis­sen nicht, ob die ge­gen­wär­ti­ge Kor­rek­tur ein En­de fin­den oder in ei­nen Bais­se­markt mün­den wird. Al­ler­dings setzt die USNo­ten­bank Fed mit Blick auf hö­he­re In­fla­ti­on und mehr Be­schäf­ti­gung ih­re lo­cke­re Geld­po­li­tik fort und si­gna­li­siert, je­g­li­che Än­de­rung wer­de nur vor­sich­tig und schritt­wei­se um­ge­setzt. Das Fed kauft wei­ter Mil­li­ar­den Dol­lar an Tre­a­su­ries und Hy­po­the­ken­pa­pie­ren und hält die rea­len Zin­sen im ne­ga­ti­ven Be­reich. Die jüngs­te Ver­bes­se­rung bei der US-Staats­ver­schul­dung steht zu­dem in Kon­trast zur Schät­zung des Haus­halts­bü­ros des US-Kon­gres­ses, dass das De­fi­zit über die nächs­ten zehn Jah­re um 6,3 Bio. $ stei­gen wird. Gibt es kei­ne deut­li­che Än­de­rung der Haus­halts- und der Geld­po­li­tik, dürf­ten wir die heu­ti­ge Si­tua­ti­on der­einst rück­bli­ckend als ge­wöhn­li­che Kor­rek­tur in der Mit­te des Zy­klus ei­nes an­hal­ten­den Hausse von Gold be­wer­ten, wie et­wa Mit­te der Sieb­zi­ger­jah­re.

Wie aus­ge­prägt die der­zei­ti­ge Kor­rek­tur auch aus­fal­len mag, wir ge­hen nicht vom En­de des Haus­se­mark­tes aus, so­lan­ge sich be­stimm­te Fak­to­ren nicht ein­stel­len. Da­zu ge­hö­ren ein glaub­wür­di­ger Haus­halts­plan, der auch die lang­fris­ti­ge Fi­nan­zie­rung der So­zi­al­ver­pflich­tun­gen si­cher­stellt und den Weg für ei­ne deut­li­che Re­duk­ti­on der Staats­schul­den eb­net, das Ab­schöp­fen der ex­zes­si­ven Li­qui­di­tät aus dem Ban­ken­sys­tem, ei­ne Po­li­tik für Leit­zins, Geld­an­ge­bot und Kre­dit­schöp­fung, die Si­cher­heit und lang­fris­ti­ges Wachs­tum för­dert statt ex­zes­si­ve Boom-Bus­tZy­klen, so­wie ei­ne po­li­ti­sche Füh­rung mit der Über­zeu­gung und der Ei­nig­keit, um sol­che Ve­rän­de­run­gen um­zu­set­zen.

Wir sind über­zeugt, dass Ve­rän­de­run­gen nö­tig sind, um das Ver­trau­en in die Po­li­tik und das Fi­nanz­sys­tem zu­rück­zu­brin­gen, da­mit die Wirt­schaft wie­der von um­sich­ti­ger Pla­nung, ver­nünf­ti­gen In­ves­ti­tio­nen und In­no­va­ti­on ge­trie­ben wird. Es ist un­wahr­schein­lich, dass die­se Än­de­run­gen bald kom­men. Da­her be­hal­ten Gold und Gold­ak­ti­en im Port­fo­lio ei­ne wich­ti­ge Rol­le zur Di­ver­si­fi­ka­ti­on und Ab­si­che­rung.

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