Swiss Re bleibt dran

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - ARNO SCHMO­CKER

Der Rück­ver­si­che­rer Swiss Re ist ge­gen­wär­tig auf Er­folgs­kurs. Trotz­dem will das Ma­nage­ment die Zü­gel nicht lo­ckern. Die der­zeit un­be­frie­di­gen­de Ren­di­te im Le­ben­ge­schäft soll bis En­de 2014 ver­dop­pelt wer­den. Zu­dem be­rei­tet sich der Kon­zern im As­set Ma­nage­ment auf stei­gen­de Zin­sen vor. Die durch­schnitt­li­che Lauf­zeit im Ob­li­ga­tio­nen­port­fo­lio wird ge­kürzt.

DLe­benspar­te soll auf Vor­der­mann ge­bracht wer­den – Ge­gen Zins­an­stieg wapp­nen – Ak­ti­en blei­ben Ren­di­te­per­len

as Ma­nage­ment von Swiss Re bleibt dran. Es will den Druck hoch hal­ten, um die Fi­nanz­zie­le bis 2015 zu er­rei­chen. Wie die Füh­rung des Rück­ver­si­che­rungs­kon­zerns am In­ves­to­ren­tag er­läu­tert hat, soll in den nächs­ten acht­zehn Mo­na­ten vor al­lem das Le­ben­ge­schäft deut­lich ren­ta­bler wer­den. Auf Kon­zern­stu­fe wer­den zu­dem die Ver­wal­tungs­kos­ten um 10% und die Fremd­fi­nan­zie­rung um ein Fünf­tel ge­senkt.

Im Fi­nanz­plan 2011 bis 2015 peilt Swiss Re un­ter an­de­rem ei­ne Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te von sie­ben Pro­zent­punk­ten über der Ren­di­te der fünf­jäh­ri­gen US-Staats­an­lei­hen und ei­nen Ge­winn pro Ak­tie von 10 $ an ( Wachs­tum von 10% pro Jahr). Der Kon­zern ist auf gu­tem Weg, aber noch nicht am Ziel.

Ver­gan­gen­heit be­wäl­ti­gen

Von den Spar­ten ent­spricht vor al­lem das Le­ben­rück­ge­schäft seit län­ge­rem nicht mehr den Er­war­tun­gen (vgl. FuW-Interview mit CEO Mi­chel Liès vom 15. Ju­ni). Fi­nanz­chef Ge­or­ge Quinn be­kräf­tig­te an ei­ner Te­le­fon­kon­fe­renz, die Ren­di­te sei un­be­frie­di­gend. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ha­be der Be­reich ei­ne Ka­pi­tal­ren­di­te (RoE) bloss im mitt­le­ren ein­stel­li­gen Be­reich er­wirt­schaf­tet, wür­den die rea­li­sier­ten Ka­pi­tal­ge­win­ne aus­ge­klam­mert.

Das Ziel ist, den RoE in den kom­men­den acht­zehn Mo­na­ten auf 10 bis 12% un­ge­fähr zu ver­dop­peln. Auf ei­nem im Ver­gleich zu 2011 von 9 auf 6,5 Mrd. $ re­du­zier­ten Ei­gen­ka­pi­tal kä­me das ei­nem Spar­ten­ge­winn von 650 bis 780 Mio. $ gleich.

Swiss Re lei­det im Le­ben­be­reich nicht in ers­ter Li­nie un­ter den nied­ri­gen Zin­sen. Das grösste Pro­blem hat sie sich selbst ein­ge­brockt: ein Port­fo­lio von To­des­fall­ri­si­ko­kon­trak­ten in den USA, die vor 2004 ab­ge­schlos­sen wur­den. Es macht ei­nen re­la­tiv gros­sen Block des Le­benge­schäfts aus (vgl. Gra­fik) – und es schreibt seit Jah­ren Ver­lust. Swiss Re wer­de «in ko­ope­ra­ti­ver Wei­se ziem­lich rasch» ver­su­chen, die Ver­trä­ge mit den Erst­ver­si­che­rern neu aus­zu­han­deln, er­klär­te Quinn im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft». Die Kon­zern­rech­nung 2014 wird mit 500 Mio. $ für Kom­pen­sa­tio­nen be­las­tet wer­den.

Fünf Wachs­tums­märk­te

Am Le­ben­ge­schäft will das Ma­nage­ment aus Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­grün­den fest­hal­ten. Zu­dem er­fül­le oder über­tref­fe ein Gross­teil der Spar­te die Ren­ta­bi­li­täts­an­sprü­che von Swiss Re. Das gilt auch für die To­des­fall­ri­si­ko­ver­trä­ge in den USA nach 2004.

Wei­te­re Mass­nah­men be­tref­fen nicht nur die Le­benspar­te, son­dern den gan­zen Kon­zern. Mit ei­ner Sen­kung der Ver­wal­tungs­kos­ten um et­wa 10% sol­len 250 bis 300 Mio. $ bis 2015 ein­ge­spart wer­den. Ein Stel­len­ab­bau ist aber laut Quinn nicht im Vor­der­grund. Die Mit­tel sol­len re­inves­tiert wer­den, na­ment­lich in Wachs­tums­märk­te. Im Zen­trum ste­hen da­bei die fünf Län­der Me­xi­ko, Bra­si­li­en, In­di­en, Chi­na und In­do­ne­si­en. Dort will Swiss Re so­wohl im Rück­ver­si­che­rungs­ge­schäft (or­ga­nisch und über Part­ner­schaf­ten) wie in der Erst­ver­si­che­rung für Un­ter­neh­men (zu­sätz­lich via Über­nah­men) ex­pan­die­ren.

Ver­schul­dung sen­ken

Im ver­gan­ge­nen Jahr be­strit­ten die Emer­ging Mar­kets 15% der Kon­zern­prä­mi­en von 24,5 Mrd. $ und rund 11% des Ge­winns. Bis 2015 sol­len die auf­stre­ben­den Län­der 20 bis 25% der Prä­mi­en ver­bu­chen. Dass sie bis dann auch eben­so viel Ge­winn ein­brin­gen, konn­te Quinn ge­gen­über FuW nicht be­stä­ti­gen. Der An­teil wer­de aber zu­neh­men.

Ein wei­te­rer Schwer­punkt bleibt das Ka­pi­tal­ma­nage­ment. Um die Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te und den Ge­winn je Ak­tie zu er­hö­hen, wird die Ver­schul­dung des Kon­zerns bis 2016 um 4 Mrd. auf et­wa 14 Mrd. $ ge­senkt. Im As­set Ma­nage­ment ist vor­ge­se­hen, die Bi­lanz­ri­si­ken zu sen­ken und die Ver­la­ge­rung von Staats- zu Un­ter­neh­mens­an­lei­hen und zu Ak­ti­en zu be­schleu­ni­gen. Zu­dem be­rei­tet sich Swiss Re auf das Sze­na­rio stei­gen­de Zin­sen vor. Die durch­schnitt­li­che Rest­lauf­zeit (Du­ra­ti­on) des Ob­li­ga­tio­nen­be­stands wird ver­kürzt. Für die Um­schich­tun­gen wer­den bis zum Jah­res­en­de et­wa 3 Mrd. $ ein­ge­setzt.

Mehr Di­vi­den­de als Prio­ri­tät

Die Ka­pi­tal­stär­ke will Quinn auf kei­nen Fall aufs Spiel set­zen, sie sei ein be­deu­ten­der Wett­be­werbs­vor­teil. Swiss Re sei oh­ne wei­te­res in der La­ge, pro­fi­ta­ble Wachs­tums­chan­cen in dem Emer­ging Mar­kets zu nut­zen. Prio­ri­tät hat aber die Aus­zah­lung ei­ner stei­gen­den (or­dent­li­chen) Di­vi­den­de an die Ak­tio­nä­re. Die­se be­trug für das ver­gan­ge­ne Jahr 3.50 Fr. je Ti­tel. Da­zu kam ei­ne Son­der­aus­schüt­tung von 4 Fr.

Ob für 2013 er­neut ei­ne Zu­satz­di­vi­den­de aus­ge­schüt­tet wird, bleibt of­fen. «Fi­nanz und Wirt­schaft» rech­net mit ei­ner Aus­schüt­tung von 4.50 Fr. je Ak­tie, was auf ak­tu­el­lem Bör­sen­kurs ei­ne Ren­di­te von im­mer noch ho­hen 6,7% er­gä­be. Ge­mes­sen am Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 8 und am Ab­schlag von rund 25% im Ver­gleich zum Buch­wert no­tie­ren die Pa­pie­re auf at­trak­ti­vem Ni­veau.

Swiss-Re-Fi­nanz­chef Ge­or­ge Quinn will 4 Mrd. $ Kon­zern­schul­den ab­bau­en.

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