S+B muss schnell Er­fol­ge lie­fern

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - ADRI­AN BLUM

Ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung um 330 Mio. Fr. soll­te für den Stahl­her­stel­ler aus­rei­chen. Setzt sich der VR an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung da­mit durch, wo­für die Chan­cen dank ei­nes Etap­pen­siegs jüngst ge­stie­gen sind, muss er schnell Er­fol­ge lie­fern.

Ka­pi­tal­er­hö­hung um 330 Mio. Fr. soll­te rei­chen – Ak­tio­när Büt­ti­ker setzt Ve­to­recht durch

Wie viel Ka­pi­tal be­nö­tigt Schmolz+Bi­cken­bach? Das ist aus­ser der Zu­sam­men­set­zung des Ver­wal­tungs­rats (vgl. FuW vom Sams­tag) der zwei­te Streit­punkt zwi­schen Ver­wal­tungs­rat und Gross­ak­tio­när im Hau­se Schmolz+Bi­cken­bach. Die zu ho­hen Schul­den ma­chen ei­ne Ka­pi­tal­her­ab­set­zung mit an­schlies­sen­der Ka­pi­tal­er­hö­hung un­aus­weich­lich, ver­bun­den mit ei­ner mas­si­ven Ver­wäs­se­rung der Al­t­ak­tio­nä­re und Ver­schie­bun­gen im Ak­tio­na­ri­at.

An der Ge­ne­ral­ver­samm­lung des Spe­zi­al­stahl­her­stel­lers am Frei­tag sind zwei un­ter­schied­li­che Ka­pi­tal­mass­nah­men trak­tan­diert.

194 Mio. Fr. Schul­den­til­gung

Der Ver­wal­tungs­rat von S+B schlägt ei­ne Ka­pi­tal­her­ab­set­zung von 413,4 Mio. auf 82,7 Mio. Fr. (Nenn­wert­re­duk­ti­on von 3.50 auf 0.70 Fr.) vor, mit an­schlies­sen­der Wie­der­auf­sto­ckung durch Aus­ga­be von 472,5 Mio. neu­en Ak­ti­en, mit ei­nem Be­zugs­ver­hält­nis von 1 zu 4. Die Ban­ken (CS, Com­merz­bank, BNP) wer­den neue Ak­ti­en nicht aus­ge­üb­ter Be­zugs­rech­te über­neh­men. Der Mit­tel­zu­fluss be­trägt brut­to 330 Mio. Fr. Ge­mäss In­for­ma­tio­nen der FuW fal­len Emis­si­ons­kos­ten von 26 Mio. Fr an. Für die Rück­zah­lung von Kre­di­ten sol­len rund 194 Mio. Fr. ver­wen­det wer­den, was die Zins­last ver­rin­gert. Als Cash-Er­lös blei­ben 110 Mio. Fr.

Haupt­ak­tio­nä­rin S+B KG zu­sam­men mit Vic­tor Vek­sel­bergs Re­no­va trak­tan­diert ei­ne Ka­pi­tal­her­ab­set­zung auf 118,3 Mio. Fr. (Nenn­wert­re­duk­ti­on von 3.50 auf 1 Fr.) mit an­schlies­sen­der Auf­sto­ckung um ma­xi­mal 434 Mio. neue Pa­pie­re (Nenn­wert 1 Fr., Be­zugs­ver­hält­nis 1 zu 3,67). Der Mit- tel­zu­fluss soll brut­to rund 435 Mio. Fr. be­tra­gen. Die KG ist fi­nan­zi­ell nicht in der La­ge, al­le Be­zugs­rech­te aus­zu­üben, wes­halb sie Re­no­va ins Boot ge­holt hat. Re­no­va soll bis­her kei­ne bin­den­den Ga­ran­ti­en ab­ge­ge­ben ha­ben, der Re­no­vaToch­ter Ve­ne­tos sol­len aber al­le vom KGUm­feld nicht aus­ge­üb­ten Be­zugs­rech­te zur Zeich­nung an­ge­bo­ten wer­den.

Die Zu­sam­men­set­zung des Ak­tio­na­ri­ats än­dert sich mas­siv. Kommt an der GV der Vor­schlag der KG durch, wür­de die Düs­sel­dor­fer Gross­ak­tio­nä­rin (bis­her 40,46%) vor­aus­sicht­lich 15 bis 20% hal­ten und Re­no­va 20 bis 25%, ab­hän­gig da­von, wie vie­le Be­zugs­rech­te den Be­sit­zer wech­seln. Wird an der GV je­doch der Vor­schlag des Ver­wal­tungs­rats gut­ge­heis­sen, wür­de die KG oh­ne Ver­bün­de­ten da­ste­hen und mög­li­cher­wei­se we­ni­ger als 15% hal­ten. Der VR hat mit der Ar­te­mis von Micha­el Pie­per auch ei­nen In­ves­tor (an­geb­lich noch ei­nen wei­te­ren) hin­ter sich, der ein sub­stan­zi­el­les Min­der­heits­pa­ket über­neh­men will.

Für die Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re in­ter­es­sant ist nicht nur die Stimmverteilung, son­dern die fi­nan­zi­el­len Fol­gen der Ka­pi­tal­er­hö­hung. Um ei­ne Ver­wäs­se­rung zu ver­mei­den, muss ge­mäss Un­ter­neh­mens­an­ga­ben ein Al­t­ak­tio­när beim Vor­schlag des VR wert­mäs­sig 93% sei­nes ak­tu­el­len En­ga­ge­ments auf­brin­gen, beim Ge­gen­vor­schlag wä­ren es 122%.

Schmolz+Bi­cken­bach hat von ei­ner Grup­pe von sieb­zehn Ban­ken Kre­dit­li­ni­en von 930 Mio. € er­hal­ten. Zu die­ser Grup­pe ge­hö­ren ge­mäss In­for­ma­tio­nen der FuW Com­merz­bank, Cre­dit Suis­se, BNP Pa­ri­bas, UniCre­dit und wei­te­re deut­sche In­sti­tu­te und schwei­ze­ri­sche (Kan­to­nal-)Ban­ken. Die Kre­dit­ver­ein­ba­run­gen las­sen laut S+B-Ma­nage­ment Luft nach oben. Die vom VR an­vi­sier­te Ka­pi­tal­er­hö­hung von 330 Mio. Fr. soll­te aus­rei­chen un­ter der Be­din­gung, dass an­ge­kün­dig­te De­ves­ti­tio­nen und Re­struk­tu­rie­rungs­mass­nah­men mit Er­folg um­ge­setzt wer­den. Ge­plant ist, bis 2016 den Ebitda auf über 300 Mio. € zu ver­bes­sern und im Ver­hält­nis zu Net­to­schul­den auf un­ter 2,5 zu drü­cken. Aus­ser­dem hat sich CEO Jo­han­nes Nonn zu De­ves­ti­tio­nen ent­schlos­sen. Zum Ver­kauf steht in der Di­vi­si­on Dis­tri­bu­ti­on & Ser­vices der Teil­be­reich Dis­tri­bu­ti­on Deutsch­land (Um­satz: 700 Mio. €). Die Di­vi­si­on er­zielt mi­ni­ma­le Mar­gen (vgl. Gra­fik) und bin­det viel Mit­tel, und die Dis­tri­bu­ti­on Deutsch­land er­zielt 85% ih­res Um­sat­zes mit Fremd­pro­duk­ten.

Ge­hö­ri­ge Bring­schuld

Fest steht aber auch, dass nach den Vor­schlä­gen der Sei­te KG/Re­no­va im Ver­gleich zu de­nen des VR die fi­nan­zi­el­le Ba­sis des Un­ter­neh­mens ge­sün­der wä­re und Kenn­zah­len wie Ei­gen­mit­tel- und Ver­schul­dungs­quo­te nä­her an Wer­ten lie­gen wür­den, wie sie Bran­chen­nach­barn wie Salz­git­ter oder Voe­st­al­pi­ne auf­wei­sen, wie KK Re­se­arch auf­zeigt. Die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te wür­de von der­zeit 25% auf 32 bis 35% ( Vor­schlag VR) re­spek­ti­ve 34 bis 39% ( Vor­schlag KG) stei­gen. KK Re­se­arch warnt aus­ser­dem, ei­ne Er­hö­hung des Stahl­prei­ses und ein stei­gen­des Ab­satz­vo­lu­men wür­den Mit­tel­bin­dung und Net­to­um­lauf­ver­mö­gen stei­gen las­sen und zu ne­ga­ti­ven frei­en Cash­flows füh­ren.

FuW rät den Ak­tio­nä­ren, dem Mo­dell des VR zu­zu­stim­men und ih­re Be­zugs­rech­te aus­zu­üben. Die oh­ne­hin mas­si­ve Ge­winn­ver­wäs­se­rung für Al­t­ak­tio­nä­re wä­re im Vor­schlag des VR zu­min­dest et­was ge­rin­ger als in dem der KG. Dem neu­en Ma­nage­ment (CEO Nonn und CFO Wie­cha) ist es zu­zu­trau­en, die ge­plan­ten Re­struk­tu­rie­run­gen um­zu­set­zen und auch von die­ser Sei­te her die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on zu ver­bes­sern. Soll­te sich der Ver­wal­tungs­rat an der GV durch­set­zen, be­steht ei­ne ge­hö­ri­ge Por­ti­on Bring­schuld.

fuw.ch/STLN

Mit mehr Ef­fi­zi­enz und dem Ver­kauf von Tei­len der Dis­tri­bu­ti­on will das Ma­nage­ment die Mit­tel­bin­dung ver­rin­gern.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.