BIZ for­dert: spa­ren

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - TOM­MA­SO MANZIN

In ih­rem Jah­res­be­richt for­dert die BIZ mehr Aus­te­ri­tät. Und von den No­ten­ban­ken er­war­tet sie den ge­ord­ne­ten Rück­zug aus der un­kon­ven­tio­nel­len Geld­po­li­tik.

Nicht die nur üb­li­chen Ver­däch­ti­gen ste­hen in der Pflicht – USA droht Schul­den­ex­plo­si­on – Gu­te Zah­len für Ita­li­en dank Pen­si­ons­re­form

Der am Mon­tag er­schie­ne­ne Jah­res­be­richt der Bank für In­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich (BIZ) greift zwei kon­tro­ver­se The­men auf: Aus­te­ri­tät und Geld­po­li­tik – je­ne zwei Re­ser­voirs, aus de­nen die wich­tigs­ten Mass­nah­men ge­gen Fi­nanz- und Schul­den­kri­se ge­schöpft wur­den. Auf­hor­chen lässt, dass die «Zen­tral­bank der Zen­tral­ban­ken» die un­kon­ven­tio­nel­len geld­po­li­ti­schen Mass­nah­men aufs Korn nimmt (vgl. Ar­ti­kel un­ten), und nicht et­wa die Aus­te­ri­tät, de­ren Be­für­wor­ter seit ei­ni­gen Mo­na­ten von der Klä­ger­sei­te auf die An­kla­ge­bank wech­seln muss­ten.

Im Ge­gen­teil, die BIZ re­stau­riert nicht nur die The­se, dass ei­ne Ver­schul­dung von mehr als 80% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) das Wachs­tum lähmt (vgl. Kas­ten), son­dern sie rech­net selbst aus, wie viel die Staa­ten noch spa­ren müss­ten, um zu ei­nem «nach­hal­ti­gen Schul­den­pfad» zu­rück­zu­keh­ren: ge­mäss BIZ ei­ne Schul­den­quo­te von rund 60% für In­dus­trie­län­der und 40% für Schwellenländer bis 2040.

Am Pran­ger ste­hen für ein­mal die üb­li­chen Un­ver­däch­ti­gen: Die Fort­schrit­te sei­en in je­nen Län­dern ge­rin­ger ge­we­sen, wo der Druck am Ka­pi­tal­markt ge­fehlt ha­be. Wäh­rend die Län­der der Pe­ri­phe­rie ihr Pri­mär­de­fi­zit (Staats­haus­halt oh­ne Zins­zah­lun­gen) ver­rin­gert hät­ten, ha­be es et­wa in Frank­reich zu­ge­nom­men (vgl. Ta­bel­le 1). Und auch je­ne Staa­ten, die in der Kri­se als si­che­rer Ha­fen von ex­trem tie­fen Zin­sen pro­fi­tier­ten, lies­sen die Zü­gel schlei­fen. In Ja­pan ha­be das Pri­mär­de­fi­zit gar zu­ge­nom­men.

Ge­fahr droht nicht nur über stei­gen­de Zin­sen und da­mit den Schul­den­dienst, son­dern auch über Mehr­kos­ten durch die Al­te­rung der Be­völ­ke­rung. Un­ter den In­dus­trie­län­dern droht den USA hier die bö­ses­te Über­ra­schung. Aber auch wenn man die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung aus­klam­mert, steigt die US-Schul­den­quo­te mar­kant (vgl. Gra­fik). Auch in Ös­ter­reich, Belgien, Grie­chen­land, den Nie­der­lan­den, Por­tu­gal, Spa­ni­en und Grossbritannien wer­den die de­mo­gra­fisch be­ding­ten Kos­ten zwi­schen 2013 und 2040 ex­plo­die­ren.

Aus der Pro­gno­se der Schul­den­quo­te er­rech­net sich der Kor­rek­tur­be­darf zur Er­rei­chung je­nes Pri­mär­über­schus­ses, der zur Nach­hal­tig­keit bis 2040 zu­rück­führt. Mit 13,3 Pro­zent­punk­ten (Pp) am meis­ten das De­fi­zit re­du­zie­ren muss Ja­pan, und zwar selbst im bes­ten Fall mit den noch im­mer re­kord­tie­fen Zin­sen und oh­ne Zu­nah­me der Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen aus de­mo­gra­fi­scher Al­te­rung. Es fol­gen Spa­ni­en und Grossbritannien mit 7,8 bzw. 7,4 Pp so­wie die USA mit 4,8 Pp.

Bei ei­ner wei­te­ren Kon­ver­genz der Ren­di­ten in den nächs­ten fünf Jah­ren steigt der Spar­be­darf in je­nen Län­dern, de­ren Zin­sen in der Kri­se nach un­ten ver­zerrt wa­ren. Im Ge­gen­satz da­zu ge­hör­te Ita­li­en, des­sen Zah­len dank Pri­mär­über­schuss und Pen­si­ons­re­form oh­ne­hin po­si­tiv auf­fal­len, zu den Län­dern mit dem kleins­ten Kor­rek­tur­be­darf (vgl. Ta­bel­le 2). Schon im März hat­te Stan­dard & Poor’s die Pro­jek­tio­nen für die Schul­den­quo­te Ita­li­ens für 2050 dank der Pen­si­ons­re­form auf noch 48% des BIP ver­an­schlagt. 2010 hat­te die Agen­tur noch 300% pro­gnos­ti­ziert.

Der Haupt­sitz der BIZ in Basel. Die BIZ sieht gros­sen Spar­be­darf bei den In­dus­trie­län­dern.

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