A la croa­te

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Im Dreis­sig­jäh­ri­gen Krieg (1618–1648) mach­ten sich Wal­len­steins kroa­ti­sche Husa­ren ei­nen Na­men als schnei­di­ger Stoss­trupp. Der Son­nen­kö­nig Lou­is XIV woll­te so was auch und liess da­her 1643 ei­ne Esk­adron auf­stel­len, in der Kroa­ten dien­ten: die «Cra­va­tes Royaux». Zu­min­dest auf dem Feld der Mo­de er­ran­gen sie ei­nen im Wort­sinn nach­hal­ti­gen Sieg. Sie tru­gen näm­lich, seit al­ters, präch­tig bun­te Tüch­lein kunst­voll um den Hals ge­schlun­gen (so wie hier die Eh­ren­gar­dis­ten von heu­te in Zagreb). Die Le­gen­de sagt, es sei ein Ver­giss­mein­nicht der zu Hau­se nach ih­rem Hel­den schmach­ten­den Liebs­ten – ein sei­den Band der Treue. Das stach der auf Raf­fi­ne­ment in der Toi­let­te Wert le­gen­den Ge­sell­schaft zu Pa­ris ins Au­ge: Als­bald wa­ren die Bin­der «à la croa­te» in Mo­de. Die schwapp­te über ins eng­li­sche Kö­nigs­haus, schliess­lich auf ganz Eu­ro­pa mit­samt der ame­ri­ka­ni­schen Be­sit­zun­gen. Seit­dem ist die «Kra­wat­te», Kroa­ti­ens Bei­trag zur Glo­ba­li­sie­rung, de ri­gueur für den Herrn von Welt. Die Krea­teu­re selbst nann­ten das Ac­ces­soire «pod­gut­ni­ca» (et­wa «das un­term Hals»). Der Exporterfolg hat je­doch rück­ge­kop­pelt, nun heisst es «kra­va­ta». Kroa­tisch wird auf An­fang Ju­li Amts­spra­che der EU. Das Land wird de­ren 28. Mit­glied.

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