Nach­hal­ti­ges An­le­gen soll Main­stream wer­den

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - MAR­TIN GOLL­MER

Weiss­buch schlägt För­de­rung grü­ner und so­zia­ler An­la­gen vor – Hie­si­ger Fi­nanz­platz ist in Rück­stand ge­ra­ten

«Ein Weck­ruf» soll das eben ver­öf­fent­lich­te Weiss­buch «Weg zu ei­nem nach­hal­ti­gen Fi­nanz­platz Schweiz» sein, wie Bertrand Ga­con, Prä­si­dent von Sustainable Fi­nan­ce Ge­ne­va (SFG) im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» aus­führt. Ga­con, der bei der Gen­fer Pri­vat­bank Lom­bard Odier Chef für ver­ant­wor­tungs­vol­le In­ves­ti­tio­nen und Phil­an­thro­pie ist, macht sich näm­lich Sor­gen um die Stel­lung der Schweiz in nach­hal­ti­gen An­la­gen. «Wir wa­ren vor Jah­ren Pio­nier in die­sem Be­reich», er­klärt er. «Aber jetzt hat sich die Dy­na­mik in an­de­re Fi­nanz­plät­ze ver­la­gert. Die Schweiz da­ge­gen ist dar­an, sich ei­nen Rück­stand ein­zu­han­deln.»

Das knapp sech­zigsei­ti­ge Weiss­buch von SFG und The Sustaina­bi­li­ty Fo­rum Zü­rich ( TSF), das nun die Schwei­zer Ban­ken und Po­li­tik auf­rüt­teln soll, das ver­lo­re­ne Ter­rain wie­der­gut­zu­ma­chen, ist auf der Ba­sis von struk­tu­rier­ten In­ter­views mit mehr als dreis­sig Per­sön­lich­kei­ten aus dem Fi­nanz­be­reich und um ihn her­um ent­stan­den. Es be­schreibt die Schweiz als glo­bal be­deu­ten­des Fi­nanz­zen­trum und als Land, in dem Nach­hal­tig­keit – ver­stan­den als Ein­hal­ten ho­her Stan­dards in Um­welt- und So­zi­al­be­lan­gen – ei­ne gros­se Rol­le spielt und so­gar in der Bun­des­ver­fas­sung (Ar­ti­kel 73) ver­an­kert ist.

Vor­rei­ter Sa­ra­sin

Hie­si­ge In­sti­tu­te be­schäf­tig­ten sich denn auch schon früh mit Nach­hal­tig­keit. So be­gann die Bank Sa­ra­sin (heu­te J. Saf­ra Sa­ra­sin) be­reits 1989, Um­welt­kri­te­ri­en in ih­re Fi­nanz­ana­ly­sen auf­zu­neh­men, und lan­cier­te 1994 den welt­weit ers­ten In­vest­ment­fonds, der auf dem Kon­zept der Öko­ef­fi­zi­enz be­ruh­te. 1997 grün­de­ten zwei Gen­fer Pen­si­ons­fonds und Lom­bard Odier Ethos, die schwei­ze­ri­sche Stif­tung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung. 2000 leg­te die Gen­fer Pri­vat­bank Pic­tet den welt­weit ers­ten the­ma­ti­schen Was­ser­fonds auf.

Das Weiss­buch nimmt wei­ter ei­ne Ana­ly­se der wich­tigs­ten Wett­be­wer­ber der Schweiz im Be­reich nach­hal­ti­ge An­la­gen vor. Er­wähnt wer­den Lon­don, Lu­xem­burg, New York, Sin­ga­pur und Hong­kong, die al­le grü­ne und so­zia­le An­la­gen als pro­fi­ta­ble, Kun­den an­zie­hen­de und Be­schäf­ti- gung schaf­fen­de Ge­schäfts­mög­lich­keit er­kannt hät­ten und för­der­ten. Noch aber ha­be sich kei­nes die­ser Fi­nanz­zen­tren als un­be­strit­te­ner Welt­markt­füh­rer in Sustainable Fi­nan­ce eta­blie­ren kön­nen.

Auf­grund die­ser Ist-Ana­ly­se for­mu­liert das Weiss­buch fünf Pfei­ler für nach­hal­ti­gen Er­folg: Ver­trau­en bil­den durch Kun­den­zen­triert­heit; Wett­be­werb, In­no­va­ti­on und Wachs­tum in­ner­halb ei­nes ge­eig­ne­ten ge­setz­li­chen Rah­mens för­dern; ei­ne lang­fris­ti­ge In­ves­ti­ti­ons­per­spek­ti­ve ein­neh­men; Fak­to­ren des Um­welt­schut­zes, der So­zi­al­be­zie­hun­gen und der gu­ten Ge­schäfts­füh­rung in das Main­stream­Ge­schäft in­te­grie­ren; Füh­rung ein­neh­men in grü­nen und so­zia­len An­la­gen.

Zu je­dem der Pfei­ler macht das Weiss­buch kon­kre­te Um­set­zungs­vor­schlä­ge. So soll et­wa ein neu­er recht­li­cher Rah­men ge­schaf­fen wer­den, der es je­der schwei­ze­ri­schen oder aus­län­di­schen Ver­wal­tungs­ge­sell­schaft er­laubt, in der Schweiz nach­hal­ti­ge An­la­ge­fonds auf­zu­le­gen. Auch steu­er­lich könn­te Sustainable Fi­nan­ce in der Schweiz ge­för­dert wer­den, bei­spiels­wei­se durch Sen­kung der Re­gis­ter­ge­büh­ren für nach­hal­ti­ge An­la­ge­fonds oder re- du­zier­te Steu­er­sät­ze für ih­re Ver­wal­tungs­ge­sell­schaf­ten. Vor­ge­schla­gen wird zu­dem die Schaf­fung ei­ner ei­ge­nen Bör­se zur Ko­tie­rung nach­hal­ti­ger Un­ter­neh­men, ähn­lich wie sie et­wa in den USA in Form des Nas­daq für Tech-Ge­sell­schaf­ten be­steht.

Idea­ler Zeit­punkt

Als nächs­ten Schritt pla­nen nun SFG und TSF, das Weiss­buch mit den wich­tigs­ten Ak­teu­ren auf dem Schwei­zer Fi­nanz­platz zu dis­ku­tie­ren, dar­un­ter die Ban­kier­ver­ei­ni­gung und die Fi­nanz­markt­auf­sicht (Fin­ma). Spä­ter soll auch die Po­li­tik in die Dis­kus­sio­nen mit­ein­be­zo­gen wer­den.

SFG, ein Gen­fer Ver­ein von Ex­per­ten für nach­hal­ti­ge An­la­gen, und TSF, ei­ne Zürcher Or­ga­ni­sa­ti­on zur För­de­rung von nach­hal­ti­gem Un­ter­neh­mer­tum, hal­ten den Zeit­punkt für die Lan­cie­rung des Weiss­buchs ide­al, wenn auch nicht ge­sucht: Nach­dem sich das En­de des Bank­ge­heim­nis­ses ab­zeich­ne, «stel­len sich ge­gen­wär­tig vie­le Ak­teu­re auf dem Schwei­zer Fi­nanz­platz Fra­gen, wie in Zu­kunft Kun­den an­ge­zo­gen und Ge­schäf­te ge­ne­riert wer­den kön­nen», er­klärt Ga­con.

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