Mul­tis braucht die Schweiz

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In ei­nem neu­en Dis­kus­si­ons­pa­pier be­fasst sich Ave­nir Suis­se mit den en­gen Zu­sam­men­hän­gen zwi­schen mul­ti­na­tio­na­len Un­ter­neh­men und der schwei­ze­ri­schen Volks­wirt­schaft. Das Pa­pier zeigt so­wohl die tief­grei­fen­den Struk­tur­ver­än­de­run­gen in der in­dus­tri­el­len und fi­nan­zi­el­len Un­ter­neh­mens­land­schaft der Schweiz in den letz­ten vier­zig Jah­ren als auch, wel­chen Bei­trag mul­ti­na­tio­na­le Un­ter­neh­men zu wich­ti­gen volks­wirt­schaft­li­chen Ag­gre­ga­ten leis­ten.

In der Stu­die wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es aus ver­schie­de­nen Grün­den nicht ein­fach ist, den volks­wirt­schaft­li­chen Bei­trag der Mul­tis ex­akt zu er­fas­sen. «Al­le wich­ti­gen em­pi­ri­schen Ar­bei­ten wei­sen auf ein er­heb­li­ches Ge­wicht der Mul­tis im volks­wirt­schaft­li­chen Ge­fü­ge der Schweiz hin», heisst es da­zu. «Die Schweiz kann so­mit nicht als KMUdo­mi­nier­te Wirt­schaft be­zeich­net wer­den, wie das ger­ne ge­tan wird», ist für die Ave­nir Suis­se klar.

«Die Schweiz hat aus der Glo­ba­li­sie­rung gros­sen Nut­zen ge­zo­gen, wo­von al­le Krei­se ein­kom­mens- und be­schäf­ti­gungs­mäs­sig pro­fi­tiert ha­ben», heisst es. Oh­ne die Ak­ti­vi­tä­ten der Mul­tis im Schwei­zer In­no­va­ti­ons­sys­tem wä­re der Spit­zen­platz der Schweiz in den in­ter­na­tio­na­len In­no­va­ti­ons­ran­kings «kaum zu er­klä­ren und zu hal­ten».

Mul­ti­na­tio­na­le Un­ter­neh­men sind ge­mäss Stu­die die wich­tigs­ten Trei­ber der Glo­ba­li­sie­rung, in de­ren Ge­fol­ge vie­le po­lit­öko­no­mi­sche Fra­gen auf die Agen­da der Schweiz ge­kom­men sind, die die wirt­schafts­po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung schwie­ri­ger ma­chen: «Cor­po­ra­te So­ci­al Re­s­pon­si­bi­li­ty, Ex­po­niert­heit der Schweiz, mul­ti­na­tio­na­le Un­ter­neh­men als ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Stör­fak­to­ren», sind hier für die Ave­nir Suis­se die Stich­wor­te.

Kon­zern­stand­or­te sind ge­mäss Stu­die leich­ter zu ver­le­gen, als ge­mein­hin an­ge­nom­men wird. «Auch wenn kei­ne un­mit­tel­ba­re Ab­wan­de­rungs­ge­fahr be­steht, ste­hen Stand­or­te im Zeit­al­ter der Glo­ba­li­sie­rung per­ma­nent auf dem Prüf­stand», heisst es war­nend. Set­ze ein­mal ein Ero­si­ons­pro­zess ein, las­se er sich kaum mehr auf­hal­ten.

«Die Schweiz muss sich klar wer­den, ob sie wei­ter­hin Un­ter­neh­men be­her­ber­gen will, die in der Welt­li­ga mit­spie­len», ist für die Ave­nir Suis­se klar. Ge­wis­se wirt­schafts­po­li­ti­sche Ent­schei­de der jün­ge­ren Zeit und neue Vor­ha­ben auf der po­li­ti­schen Agen­da lies­sen dar­an Zwei­fel auf­kom­men.

Für die Be­haup­tung der Schweiz in der Welt­wirt­schaft und zur Auf­recht­er­hal­tung des Wohl­stands brau­che es Un­ter­neh­men, die im welt­wei­ten Wett­be­werb be­ste­hen kön­nen, al­len vor­an ex­port­ori­en­tier­te, dy­na­mi­sche Un­ter­neh­men und Mul­tis, die den Stand­ort Schweiz für ih­re Head­quar­ter-Funk­tio­nen be­nut­zen.

Die Ave­nir Suis­se ap­pel­liert je­doch auch an die Spit­zen­leu­te von mul­ti­na­tio­na­len Un­ter­neh­men, ei­nen Bei­trag zu leis­ten, da­mit der Gr­a­ben zwi­schen Po­li­tik und Be­völ­ke­rung auf der ei­nen und der in­ter­na­tio­nal ori­en­tier­ten Wirt­schaft auf der an­de­ren Sei­te nicht grös­ser wird.

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