Die gu­te Stim­mung am IPO-Markt könn­te in Wan­kel­mut kip­pen

DEUTSCH­LAND

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSENGÄNGM ÜBERBLICK - RUE­DI KEL­LER UND CLIF­FORD PADEVIT

Pu­bli­kums­öff­nun­gen im ers­ten Halb­jahr ge­fragt – Auf dem Weg zu ei­nem Zehn­jah­res­re­kord – Fed macht Um­feld schwie­ri­ger – IPO-Pi­pe­line ist vo

Der deut­sche IPO-Markt ist auf dem Weg zu ei­nem Zehn­jah­res­re­kord. Das Vo­lu­men der seit Jah­res­be­ginn plat­zier­ten und für das ers­te Se­mes­ter an­ge­kün­dig­ten Neu­emis­sio­nen an Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re sum­miert sich per En­de Ju­ni auf 6,4 Mrd. €. Zum bis­he­ri­gen Re­kord von 7,6 Mrd. € aus dem Jahr 2007 fehlt be­reits zur Jah­res­mit­te nicht mehr viel. Und die an­ste­hen­de Aus­glie­de­rung des Leuch­ten­her­stel­lers Os­ram durch Sie­mens ist in den Zah­len noch nicht ein­mal mit­ge­rech­net. Die Ti­tel der von Sie­mens mit ei­nem Un­ter­neh­mens­wert von 3,2 Mrd. € be­wer­te­ten Os­ram wer­den an die Ak­tio­nä­re der Mut­ter­ge­sell­schaft über­ge­hen, neu­es Geld wird da­bei nicht auf­ge­nom­men.

Ein­ge­rech­net sind hin­ge­gen der Bör­sen­gang des Che­mie­un­ter­neh­mens Evo­nik und der­je­ni­ge der Me­di­en­grup­pe RTL, die nach vor­her­ge­hen­der Pri­vat­plat­zie­rung re­spek­ti­ve Zweit­no­tie­rung im ers­ten Se­mes­ter der brei­ten An­le­ger­schicht der Deut­schen Bör­se in Frank­furt zu­gäng­lich ge­macht wur­den (vgl. Ta­bel­le rechts und Un­ter­neh­mens­pro­fi­le un­ten).

Fi­nanz­in­ves­to­ren ver­kau­fen

Den Rei­gen der Pu­bli­kums­öff­nun­gen ein­ge­läu­tet hat­te das nord­rhein-west­fä­li­sche Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­men LEG, das An­fang Fe­bru­ar die ers­te Mil­li­ar­den­plat­zie­rung des Jah­res ab­schloss. Am ers­ten Han­dels­tag hiel­ten die Ti­tel den Aus­ga­be­wert, da­nach be­gann der Kurs je­doch zu schwan­ken und han­delt in der Zwi­schen­zeit um knapp 40 €, rund 10% un­ter dem Aus­ga­be­preis.

Dies ist ei­ne schlech­te Vor­ga­be für die Deut­sche An­nington Im­mo­bi­li­en, die als zwei­te Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft und eben­falls aus den Hän­den von Fi­nanz­in­ves­to­ren in die­sem Halb­jahr den Gang aufs Bör­sen­par­kett an­strebt. Letz­te Wo­che ha­ben die in­vol­vier­ten Ban­ken ei­ne Preis­span­ne von 18 bis 23 € je Ak­tie be­kannt­ge­ge­ben. Die An­le­ger wer­den nach der

ne über­höh­ten Prei­se – Sie­mens-Ak­tio­nä­re war­ten auf Os­ram – Ge­be­rit- und Ka­ba-Kon­kur­ren­ten in Lau­er­stel­lung

Er­fah­rung mit dem Bör­sen­gang von LEG ge­nau auf den Preis schau­en.

Mit Blick auf den ge­samt­eu­ro­päi­schen Markt bleibt Klaus Hess­ber­ger, Lei­ter des Ak­ti­en­ka­pi­tal­markt­be­reichs von J. P. Mor­gan, op­ti­mis­tisch: «Nach­dem der Markt nach 2010 ge­gen­über IPO von Fi­nanz­in­ves­to­ren eher skep­tisch war, so sieht er, wie die Kur­se die­ser Un­ter­neh­men im Durch­schnitt seit­her an­ge­zo­gen und da­bei den Markt ge­schla­gen ha­ben.»

Der­zeit stammt die Mehr­heit der deut­schen Bör­sen­gän­ge aus Ei­gen­tum von Fi­nanz­in­ves­to­ren. Hin­ter dem Ga­bel­stap­ler­un­ter­neh­men Ki­on, des­sen Ak­ti­en En­de Wo­che erst­mals ge­han­delt wer­den, steht das ame­ri­ka­ni­sche Pri­va­te-Equi­ty­Haus KKR. Das Bad- und Ar­ma­tu­ren­un­ter­neh­men Gro­he, das dem Ver­neh­men nach so­wohl den Di­rekt­ver­kauf als auch die Pu­bli­kums­öff­nung prüft, wird von TPG Ca­pi­tal und Cre­dit Suis­se Pri­va­te Equi­ty ge­hal­ten. Den glei­chen, dop­pel­spu­ri­gen Kurs hat­te der schwe­di­sche Fi­nanz­in­ves­tor EQT mit dem Wis­sen­schafts­ver­lag Sprin­ger Sci­ence+Bu­si­ness ein­ge­schla­gen. Nach mehr­ma­li­gem Hin und Her ist der deut­sche Ver­lag letz­te Wo­che für 3,3 Mrd. € an die bri­ti­sche Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft BC Part­ners ge­gan- gen. Über­haupt wech­seln im Schnitt dop­pelt so vie­le Fir­men im Rah­men von Di­rekt­ver­käu­fen den Be­sit­zer, als über ei­nen Bör­sen­gang in Pu­bli­kums­hän­de ge­lan­gen. Ein IPO braucht Zeit und ein op­ti­mis­ti­sches, aber ru­hi­ges Bör­sen­um­feld. Das Ge­schäfts­mo­dell ei­nes IPOKan­di­da­ten muss vie­len In­ves­to­ren er­klärt wer­den, und wäh­rend die­ser Pha­se dür­fen die Kur­se ver­gleich­ba­rer Un­ter­neh­men an den Märk­ten nicht zu stark schwan­ken. Denn dies un­ter­gräbt das Ver­trau­en in ei­ne ver­läss­li­che Preis­fin­dung so­wohl auf­sei­ten des Ver­käu­fers als auch bei den po­ten­zi­el­len Neu­ak­tio­nä­ren (vgl. Box un­ten).

Un­si­che­re Som­mer­mo­na­te

Im ers­ten Halb­jahr hat das Markt­um­feld ge­stimmt, und es gab Be­we­gung im ge­samt­eu­ro­päi­schen IPO-Markt. Den­noch bleibt die An­zahl ge­gen­über dem letz­ten bes­ten Jahr 2010 nied­rig, ge­gen­über 2007 erst recht. Seit die ame­ri­ka­ni­sche No­ten­bank letz­te Wo­che durch­schim­mern liess, dass sie die weit of­fe­nen Geld­schleu­sen im Herbst zu schlies­sen be­gin­nen könn­te, hat der Markt ge­dreht.

Die Vo­la­ti­li­tät ge­mes­sen am deut­schen VDax-New ist jüngst auf fast 30% hoch­ge­schnellt, nach­dem sie zu­vor im Mit­tel nur halb so hoch war. Das Kurs­ni­veau von knapp 13 € Kauf­preis je Eu­ro Ge­winn für Dax-Un­ter­neh­men ist al­ler­dings noch im­mer knapp 20% un­ter dem lang­jäh­ri­gen Schnitt. Die Be­wer­tun­gen hat­ten im ers­ten Halb­jahr Bör­sen­gän­ge als Exit-Op­ti­on für Fi­nanz­in­ves­to­ren at­trak­tiv ge­macht, eben­so wie für Neu­in­ves­to­ren, die mit Kurs­ge­win­nen rech­nen konn­ten. Ge­samt­eu­ro­pä­isch gibt es da­her auf der Nach­fra­ge­sei­te Hoff­nung, sagt Ed­ward San­key, Ko-Lei­ter des eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­ka­pi­tal­markt­teams der Deut­schen Bank: «Nach ei­ner De­ka­de von Ab­flüs­sen ist die­ses Jahr wie­der Geld in die Ak­ti­en­märk­te ge­flos­sen.» An­ge­sichts der auf­kom­men­den Un­si­cher­heit ist un­klar, ob die­ser Trend an­hal­ten kann.

Die Deut­sche Bör­se in Frank­furt ist auf dem Weg zu ei­nem IPO-Re­kord­jahr. Doch die Märk­te wer­den zu­neh­mend schwan­kungs­an­fäl­lig.

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