Ki­on sind gut, aber teu­er

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSENGÄNGM ÜBERBLICK - DM

Stolz auf den Sieg, be­deu­tet das Wort Ki­on in Chi­na. Für den deut­schen Ga­bel­stap­ler­her­stel­ler – in Eu­ro­pa die Num­mer eins im Markt – ist Chi­na tat­säch­lich in je­der Hin­sicht ent­schei­dend. Im Reich der Mit­te ist Ki­on der grösste aus­län­di­sche Ga­bel­stap­le­r­an­bie­ter. Und aus Chi­na kommt auch der stra­te­gi­sche Gross­ak­tio­när, das In­dus­trie­kon­glo­me­rat Weich­ai Po­wer, das zur staat­li­chen Shan­dong Hea­vy In­dus­try Group ge­hört.

Zu­min­dest der Sieg in Form des Bör­sen­de­büts dürf­te ge­lin­gen, trotz des tur­bu­len­ten Markt­um­felds. Die Ki­on-Ak­ti­en sol­len erst­mals am Frei­tag ge­han­delt wer­den. Im Grau­markt no­tier­ten sie am Di­ens­tag mit 29 bis 31 € am obe­ren Rand der Book­buil­ding-Span­ne von 24 bis 30 €. Dies deu­tet auf ei­ne ho­he Nach­fra­ge und ei­nen glat­ten Han­dels­start hin. Am obe­ren En­de der Span­ne wird Ki­on mit fast 3 Mrd. € be­wer­tet. 20% der Ti­tel sol­len in Streu­be­sitz kom­men, was für die Auf­nah­me in den Mid-Cap-In­dex MDax rei­chen dürf­te.

Ki­on ge­hör­te frü­her zum In­dus­trie­ga­s­e­und Käl­te­tech­nik­spe­zia­lis­ten Lin­de. 2006 er­war­ben die Fi­nanz­in­ves­to­ren KKR und Gold­man Sachs die Ga­bel­stap­ler­spar­te für 4 Mrd. € (inkl. Schul­den). Die Grup­pe ist mit den Mar­ken Lin­de, Still, OM Still so­wie Bao­li (Chi­na) und Vol­tas (In­di­en) im Flur­för­der­zeug­ge­schäft füh­rend. En­de 2012 stieg Weich­ai mit 25% ein. Die Chi­na De­ve­lop­ment Bank un­ter­stützt den Aus­bau der Ko­ope­ra­ti­on mit bis 500 Mio. €.

Die Struk­tur des Bör­sen­gangs ver­mag zu ge­fal­len: Die Emis­si­on ist mit ei­ner Ka­pi­tal­er­hö­hung von fast 35 Mio. Ak­ti­en ver­bun­den. Das Ei­gen­ka­pi­tal soll da­mit um rund 950 Mio. € ge­stärkt und die ho­he Net­to­ver­schul­dung hal­biert wer­den. Ein Teil der Ka­pi­tal­er­hö­hung wird von Weich­ai ge­zeich­net, die zum Preis von 29.21 € je Ak­tie den An­teil auf 30% auf­stockt. In den ers­ten sechs Mo­na­ten nach der Erst­no­tiz kann Weich­ai wei­te­re 3,3% von KKR und Gold­man Sachs über­neh­men. Es ist aber ver­ein­bart, dass Weich­ai nicht über 50% der Ak­ti­en kau­fen darf. Im Zu­ge des Bör­sen­gangs wird auch ein Dar­le­hen von 118 Mio. € von KKR und Gold­man Sachs zu 29.21 € je Ti­tel in Ei­gen­ka­pi­tal um­ge­wan­delt. In­klu­si­ve Mehr­zu­tei­lungs­op­ti­on wer­den 19,8 Mio. Va­lo­ren plat­ziert, das Emis­si­ons­vo­lu­men be­läuft sich auf bis 594 Mio. €. Die Al­t­eig­ner KKR und Gold­man Sachs blei­ben wei­ter be­tei­ligt, was ih­ren Glau­ben an das Auf­wärts­po­ten­zi­al der Ak­ti­en be­zeugt.

Der Markt für Ga­bel­stap­ler und La­ger­tech­nik­ge­rä­te wächst ra­scher als die Welt­wirt­schaft. Ki­on er­zielt zwar den Lö­wen­an­teil des Um­sat­zes in Eu­ro­pa, ist aber auch in dy­na­mi­sche­ren Re­gio­nen prä­sent. Das Ge­schäft ist zy­klisch, auch wenn der stei­gen­de An­teil des Ser­vice­ge­schäfts (über 40% des Um­sat­zes) dies et­was aus­gleicht. Der Good­will in der Bi­lanz er­reicht zu­dem ho­he 1,5 Mrd. €. Die Ti­tel eig­nen sich dar­um nur für ri­si­ko­fä­hi­ge In­ves­to­ren. Mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 17 (Schät­zung 2013) sind die Va­lo­ren am Grau­markt be­reits teu­er. Kommt es nicht zur Welt­re­zes­si­on, ber­gen sie auf Sicht von drei bis vier Jah­ren Po­ten­zi­al. Zum Kauf soll­ten aber tie­fe­re Kur­se ge­nutzt wer­den.

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