Vo­da­fo­ne greift nach dem Fest­netz

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - CLAU­DIA CARL

DKa­bel Deutsch­land ist dem bri­ti­schen Mo­bil­funk­rie­sen 10,7 Mrd. € wert – Ho­her Preis für ei­nen stra­te­gisch sinn­vol­len Kauf

er Chef von Vo­da­fo­ne, Vit­to­rio Co­lao, will dem Mo­bil­funk­rie­sen ei­nen bes­se­ren Zu­gang zum Fest­netz ver­schaf­fen und zahlt da­für ei­nen ho­hen Preis: Für Ka­bel Deutsch­land bie­ten die Bri­ten 7,7 Mrd. € oder 87 € je Ak­tie. Das ent­spricht ei­nem Plus von gut ei­nem Drit­tel ge­gen­über dem Kurs­ni­veau im Fe­bru­ar, be­vor am Markt über die Über­nah­me spe­ku­liert wur­de. Ur­sprüng­lich woll­te Vo­da­fo­ne we­ni­ger zah­len, doch in­zwi­schen läuft ein Bie­ter­kampf mit dem Ka­bel­netz­kon­zern Li­ber­ty Glo­bal.

Die Un­ter­neh­mens­lei­tung von Ka­bel Deutsch­land un­ter­stützt den Vor­stoss Vo­da­fo­nes. Der Kon­zern ha­be ei­nen gu­ten Plan für die Ent­wick­lung als ei­gen­stän­di­ges Un­ter­neh­men, sag­te CEO Adri­an von Ham­mer­stein am Mon­tag an ei­ner Te­le­fon­kon­fe­renz. Das Zu­sam­men­ge­hen mit Vo­da­fo­ne bie­te aber aus­ser­or­dent­li­che stra­te­gi­sche Chan­cen.

Der Deut­schen Te­le­kom steht ein star­ker Wett­be­wer­ber ge­gen­über, wenn die Num­mer zwei im na­tio­na­len Mo­bil­funk­markt mit dem gröss­ten Ka­bel­an­bie­ter zu­sam­men­geht. Nach der Trans­ak­ti­on hät­te Vo­da­fo­ne in Deutsch­land gut 32 Mio. Mo­bil­funk­kun­den, 5 Mio. Breit­band-In­ter­ne­tAbon­nen­ten, fast 8 Mio. TV-Kun­den und ei­nen Um­satz von 11,5 Mrd. €.

Zieht Li­ber­ty Glo­bal nach?

Der Ver­ein­ba­rung zu­fol­ge zahlt Vo­da­fo­ne 84.50 € je Ak­tie in bar. Da­zu kom­men 2.50 € als Di­vi­den­de, die Ka­bel Deutsch­land für das Ge­schäfts­jahr 2012/13 (per En­de März) ver­spro­chen, aber noch nicht aus­ge­zahlt hat. Ein­schliess­lich Schul­den wür­de die Ge­sell­schaft mit rund 10,7 Mrd. € be­wer­tet, es wä­re ei­ne der gröss­ten Ak­qui­si­tio­nen durch ei­nen eu­ro­päi­schen Tele­com­an­bie­ter seit Jah­ren. Ge­mäss dem Da­ten­dienst Dea­lo­gic steigt das Vo­lu­men für Fu­sio­nen und Über­nah­men im eu­ro­päi­schen Sek­tor da­mit seit Jah­res­be­ginn auf mehr als 45 Mrd. € und ver­dop­pelt sich fast ge­gen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum.

Ri­va­le Li­ber­ty Glo­bal, in der Schweiz mit UPC Ca­ble­com ver­tre­ten, soll zu­vor 85 € je Ak­tie ge­bo­ten ha­ben und könn­te nun nach­zie­hen. Al­ler­dings ge­hört Li­ber­ty Glo­bal mit Uni­ty­me­dia Ka­bel BW be­reits der zwei­te gros­se deut­sche Ka­bel­netz­an­bie­ter, was ei­ne kar­tell­recht­li­che Hür­de ist. So er­klär­te denn auch das Ma­nage­ment von Ka­bel Deutsch­land, der­zeit lie­ge «nur ein um­setz­ba­res An­ge­bot» vor.

Die Ak­ti­en von Ka­bel Deutsch­land sind mit 87 € je Ti­tel statt­lich be­preist. Das Ver­hält­nis von Un­ter­neh­mens­wert zu ope­ra­ti­vem Er­geb­nis vor Zin­sen, Steu­ern und Ab­schrei­bun­gen (Ebitda) be­trägt 11, ge­mes­sen an den Schät­zun­gen für 2013/14. Eu­ro­pas Ex-Mo­no­po­lis­ten sind in­des nach ei­ner Über­sicht der Bank Be­ren­berg für 2013 im Schnitt mit 5 be­wer­tet. Da­mit der De­al zu­stan­de kommt, müss­ten 75% der Ak­ti­en an­ge­dient wer­den. Zu­dem braucht es wett­be­werbs­recht­lich grü­nes Licht. Zu­ver­sicht­lich stimmt das Ma­nage­ment das re­la­tiv kom­ple­men­tä­re Ge­schäft.

War­um sich der bri­ti­sche Mo­bil­funk­rie­se nach dem Kauf von Ca­ble & Wi­re­less World­wi­de im Vor­jahr im Fest­netz wei­ter ver­stär­ken will, hat meh­re­re Grün­de: Ei­ner ist die zu­neh­men­de Kon­ver­genz der In­fra­struk­tur. Tele­com­an­bie­ter kön­nen dem Be­darf nach ho­hen Band­brei­ten auf dem Han­dy­netz in Gross­städ­ten nach­kom­men, in­dem sie das Fest­netz zur Ent­las- tung ein­set­zen. Aus­ser­dem brin­gen Pro­dukt­bün­del aus Breit­band-In­ter­net, Fest­netz- und Mo­bil­te­le­fo­nie so­wie TV bes­se­re Chan­cen im Kampf um Markt­an­tei­le.

Schnel­le Net­ze ge­for­dert

Ka­bel­netz­be­trei­ber und Tele­com­kon­zer­ne ha­ben der­zeit ei­ne un­ter­schied­li­che Aus­gangs­la­ge. Ers­te­re ver­fü­gen in der EU über die flä­chen­de­ckend schnel­le­ren Net­ze mit hö­he­ren Band­brei­ten, 100 Me­ga­bit pro Se­kun­de im Fall von Ka­bel Deutsch­land, wäh­rend der Aus­bau der Tele­com­net­ze mit Glas­fa­sern sto­ckend vor­an­geht und der In­ves­ti­ti­ons­be­darf gross ist.

Für ei­nen Mo­bil­funk­kon­zern, der mit ero­die­ren­dem Um­satz kämpft, ist das Wachs­tums­po­ten­zi­al von Ka­bel Deutsch­land ver­lo­ckend. Das Un­ter­neh­men wies für das Ge­schäfts­jahr 2012/13 ein Um­satz­plus von 8% auf 1,8 Mrd. € aus. Der Net­to­ge­winn sprang 55% auf 247 Mio. €. Im lau­fen­den Jahr er­war­tet Ka­bel Deutsch­land wie­der ein Um­satz­plus von 8% und ei­nen An­stieg der Ebitda-Mar­ge von 47 auf 48%. Das Un­ter­neh­men hat Zu­gang zu 15 Mio. Haus­hal­ten in fast al­len Re­gio­nen, für die nicht ab­ge­deck­ten Ge­bie­te kann Vo­da­fo­ne auf ei­ne Fest­netz­ver­ein­ba­rung mit Deut­sche Te­le­kom zu­rück­grei­fen.

Vo­da­fo­ne-Ak­tio­nä­re dürf­ten die Über­nah­me­plä­ne an­ge­sichts des ho­hen Kauf­prei­ses aber mit ge­misch­ten Ge­füh­len be­trach­ten. Schon 2008 hat­ten die Bri­ten ei­nen Kauf von Ka­bel Deutsch­land ge­prüft, da­mals aber für ei­nen Bruch­teil des heu­ti­gen Prei­ses. Wie stark die Di­vi­den­den­fä­hig­keit des Kon­zerns be­ein­träch­tigt wird, hängt vor al­lem vom Fort­gang des Mo­bil­funk-Jo­int-Ven­tures mit Ve­ri­zon in den USA ab: Von Ve­ri­zon Wi­re­less er­hält Vo­da­fo­ne ak­tu­ell 3,2 Mrd. $ Di­vi­den­de, nach 3,8 Mrd. $ En­de 2012. Über­näh­me Ve­ri­zon Vo­da­fo­nes 45%-An­teil, könn­ten die Bri­ten ge­mäss Ana­lys­ten 100 Mrd. $ oder mehr ein­neh­men. Dann wä­re so­gar ein Kauf von Li­ber­ty Glo­bal denk­bar.

Wenn sich Vo­da­fo­nes Kre­dit­ra­ting nach der Über­nah­me ver­schlech­tert, be­deu­tet das hö­he­re Fi­nan­zie­rungs­kos­ten. Die Re­la­ti­on Net­to­schul­den zu Ebitda soll nach der Trans­ak­ti­on von 2,0 auf 2,4 stei­gen. Auch steht in Deutsch­land ei­ne neue Ver­stei­ge­rung von Han­dy­fre­quen­zen an, die die Bran­che fi­nan­zi­ell be­las­tet. Al­ler­dings rech­net Vo­da­fo­ne mit jähr­li­chen Ein­spa­run­gen ab dem vier­ten Jahr nach der Trans­ak­ti­on von über 300 Mio. €, bei In­te­gra­ti­ons­kos­ten von ins­ge­samt 300 Mio. € in den ers­ten vier Jah­ren.

Er­fah­rung im TV-Ge­schäft

Stra­te­gisch ist der De­al sinn­voll, weil sich Vo­da­fo­ne netz­sei­tig ver­stärkt und auch im Fern­seh­ge­schäft Know-how ge­winnt. Ein Neu­ein­stieg in die Ak­ti­en emp­fiehlt sich nicht, so­lan­ge die Zu­kunft von Ve­ri­zon Wi­re­less und der Aus­gang des Ka­bel-Deutsch­land-Ge­bots un­klar sind. Wer als An­le­ger be­reits Vo­da­fo­ne-Ti­tel hat, soll­te sie hal­ten. Der bri­ti­sche Kon­zern ist in vie­len Wachs­tums­märk­ten aus­ser­halb Eu­ro­pas prä­sent (vgl. Gra­fik) und gut di­ver­si­fi­ziert.

Für das Ge­schäfts­jahr per En­de März 2014 er­war­ten Ana­lys­ten ei­ne an­sehn­li­che Di­vi­den­den­ren­di­te (vgl. Ta­bel­le) und se­hen über das Zwölf­mo­nats-Kurs­ziel (198,1 Pence) ein Er­trags­po­ten­zi­al von 11%. Ka­bel-Deutsch­land-Ak­tio­nä­re soll­ten an­die­nen und den Ge­winn mit­neh­men: Der Wert der Ak­ti­en hat sich seit dem Bör­sen­gang 2010 fast ver­vier­facht.

Mit der Über­nah­me von Ka­bel Deutsch­land könn­te der Mo­bil­funk­kon­zern Vo­da­fo­ne die Kar­ten im deut­schen Markt neu mi­schen.

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