Vor­zei­ge­ma­na­ge­rin

Finanz und Wirtschaft - - PORTRÄT - GH

Mo­ni­que Bour­quin will kei­ne Kar­rie­re­frau sein. Lie­ber ist die Uni­le­ver-Ma­na­ge­rin ei­ne Vor­zei­ge­frau, die an­de­ren Frau­en Mut ma­chen will, Top­po­si­tio­nen in der Wirt­schaft zu be­set­zen. Schliess­lich sind erst 12% der Ver­wal­tungs­rä­te der hun­dert gröss­ten Un­ter­neh­men in der Schweiz weib­lich. Seit ei­nem Jahr ist die 47-Jäh­ri­ge Fi­nanz­che­fin des Nah­rungs­mit­tel­kon­zerns Uni­le­ver für Deutsch­land, die Schweiz und Ös­ter­reich. «Auf den ers­ten Blick kann die Po­si­ti­on als CFO ein­tö­nig wir­ken», sagt sie, «aber das ist gar nicht der Fall. In kei­ner an­de­ren Po­si­ti­on mit Aus­nah­me des CEO er­hält man ei­nen Ein­blick in al­le Spar­ten des Un­ter­neh­mens.»

En­de April wur­de sie in den Ver­wal­tungs­rat von Em­mi ge­wählt. «Kar­rie­re klingt zu stark nach Gier und Macht», sagt sie. Lie­ber spricht sie von Ver­ant­wor­tung. Bour­quin fällt auf in der Män­ner­welt der Wirt­schaft. Manch ei­ner schwärmt noch heu­te von der Kol­le­gin an der Hoch­schu­le St. Gal­len.

Stark ge­prägt wur­de Bour­quin durch ih­re Schul­zeit in Frank­reich. Auf­ge­wach­sen ist sie in der Nä­he von Pa­ris. Dort hat sie ge­lernt, wie wich­tig gu­te Er­geb­nis­se und Wett­be­werb sind. Be­reits als Fünf­jäh­ri­ge hat sie das Leis­tungs­prin­zip ver­in­ner­licht: Wer die bes­ten No­ten er­reicht hat­te, durf­te als Ers­ter als Be­loh­nung aus dreis­sig Bü­chern wäh­len.

Be­reits mit sieb­zehn Jah­ren hat­te sie ihr Bac­ca­lau­réat in der Ta­sche und stu­dier­te zu­erst in Genf, spä­ter an der HSG Öko­no­mie. Da­nach heu­er­te sie zu­erst bei Pri­ce­wa­ter­hou­seCo­o­pers an, be­klei­de­te spä­ter Ka­der­po­si­tio­nen bei Knorr, Ri­vel­la und Mö­ven­pick Foods, bis sie zu Uni­le­ver stiess, wo sie schliess­lich Schweiz-Che­fin wur­de. Ge­fragt, was ihr Bauch­schmer­zen be­rei­te, sag­te sie einst: «Ich muss­te schon oft Leu­ten kün­di­gen, aus ver­schie­de­nen Grün­den. Ger­ne ma­che ich das nie.»

Bour­quin hat im­mer hun­dert Pro­zent ge­ar­bei­tet, auch als Mut­ter ei­nes Klein­kin­des. Ih­re Toch­ter ist mitt­ler­wei­le acht Jah­re alt. «Sie for­dert mich vor al­lem beim In­line­ska­ting», lacht Bour­quin. Als Ma­na­ge­rin ei­nes in­ter­na­tio­na­len Kon­zerns ist sie viel un­ter­wegs. In der Re­gel ar­bei­tet sie drei Ta­ge in Hamburg, die rest­li­che Zeit am Schwei­zer Sitz von Uni­le­ver in Thayn­gen oder in Rot­ter­dam oder Lon­don.

Die Fi­nanz­che­fin gilt als lei­den­schaft­li­che Per­sön­lich­keit, die sich voll en­ga­giert und die Din­ge im­mer po­si­tiv be­trach­tet. Für Bour­quin ist die Wahl in den Em­mi-Ver­wal­tungs­rat ein wei­te­rer Schritt in ih­rer Ent­wick­lung. Wel­che Po­si­ti­on sie in drei Jah­ren be­set­zen wird, weiss sie noch nicht. «Viel­leicht ma­che ich ei­nes Ta­ges auch et­was völ­lig an­de­res. Zum Bei­spiel im so­zia­len Be­reich oder im Coa­ching.»

Fi­nanz­che­fin ei­ner Uni­le­ver- Ge­sell­schaft, Ver­wal­tungs­rä­tin von Em­mi: vor­bild­lich.

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