De­fen­si­ve Ti­tel las­sen Fe­dern

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - GM

Man­cher An­le­ger mag sich ver­wun­dert die Au­gen rei­ben. Auch die Ak­ti­en top­so­li­der Un­ter­neh­men mit über­zeu­gen­dem Leis­tungs­aus­weis kön­nen von den Markt­tur­bu­len­zen er­fasst wer­den. So ver­lo­ren die ge­ra­de bei vor­sich­ti­gen In­ves­to­ren be­lieb­ten Nest­lé-Ak­ti­en seit dem Höchst von An­fang April rund 15% und no­tie­ren nach dem Tau­cher wie­der auf dem Ni­veau von An­fang Jahr. Eben­falls hart ge­trof­fen wur­den die Di­vi­den­den­per­len Swiss­com und Zu­rich.

Grund für den Kur­stau­cher bei den de­fen­si­ven Wer­ten sind die Angst vor dem an­ge­droh­ten Li­qui­di­täts­ent­zug der US-Zen­tral­bank und der da­durch ver­ur­sach­te Zins­sprung bei den Staats­an­lei­hen. Auf der Jagd nach Ren­di­te ha­ben sich vie­le An­le­ger erst­mals seit lan­gem wie­der in den Ak­ti­en­markt vor­ge­wagt – al­ler­dings eben nur in die als si­cher gel­ten­den Qua­li­täts­ti­tel, die als Bond­er­satz be­trach­tet wur­den. Die Li­qui­di­täts­flut der No­ten­ban­ken er­reich­te da­mit nach sämt­li­chen An­lei­hen­seg­men­ten die de­fen­si­ven Ge­sta­de im Ak­ti­en­markt, was de­ren Kurs­auf­trieb be­feu­ert hat. Als Fol­ge wa­ren vie­le Qua­li­täts­wer­te über­teu­ert. Steigt nun die Angst vor ei­nem Zu­dre­hen des Geld­hahns, wird den über­höh­ten Kur­sen die Grund­la­ge ent­zo­gen – die Ak­ti­en kor­ri­gie­ren.

Sol­len de­fen­si­ve Wer­te nun ge­mie­den wer­den, oder kann der In­ves­tor zu­kau­fen? Tem­po­rä­re Kor­rek­tu­ren in Er­war­tung ei­ner re­strik­ti­ve­ren Geld­po­li­tik sind nicht un­üb­lich, son­dern die Norm – sie­he 1994 oder 2004 (vgl. Haupt­text). In den ver­gan­ge­nen Bör­sen­zy­klen führ­te die­ser als «Mid-Cy­cle Cor­rec­tion» be­kann­te Tau­cher je­weils zur Um­schich­tung aus de­fen­si­ven in zy­kli­sche Sek­to­ren, weil die An­le­ger ih­re Zwei­fel an der Nach­hal­tig­keit des Auf­schwungs lang­sam ab­leg­ten. Soll­te sich die Ge­schich­te wie­der­ho­len, wür­den Roh­stoff-, Ener­gie- oder In­dus­trie­wer­te künf­tig weit bes­ser ab­schnei­den als Nah­rungs­mit­te­l­o­der Ge­trän­ke­pro­du­zen­ten.

Nur fragt sich, ob sich die Ge­schich­te wie­der­holt. Die Markt­tur­bu­len­zen vor al­lem bei den Staats­an­lei­hen könn­ten bei der US-No­ten­bank ge­nau­so zu ei­nem Um­den­ken füh­ren wie das Ver­feh­len der sehr op­ti­mis­ti­schen ei­ge­nen Pro­gno­sen. Soll­ten die Sti­mu­li doch nicht zu­rück­ge­fah­ren oder nach wei­te­ren Tur­bu­len­zen gar aus­ge­baut wer­den, wür­den die Zin­sen am lan­gen En­de wie­der sin­ken, Zy­kli­ker wei­ter­hin ge­mie­den und de­fen­si­ve Na­men wie ge­habt den Markt über­trump­fen.

Soll­te das Fed hin­ge­gen die Geld­zu­fuhr tat­säch­lich dros­seln, dürf­te sich die La­ge in den ver­wund­ba­ren Schwel­len­län­dern und auch in il­li­qui­de­ren Markt­seg­men­ten wie den Hoch­zins­an­lei­hen wei­ter ver­schär­fen. Auch in die­sem Sze­na­rio hät­ten Qua­li­täts­wer­te die Na­se vorn. Die Um­schich­tung in Zy­kli­ker drängt sich so­mit noch nicht auf.

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