Der Li­qui­di­täts­eng­pass in Chi­na hält an

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ELI­SA­BETH TES­TER,

Die La­ge am Geld­markt ent­spannt sich – Kei­ne Ent­war­nung – Die Zen­tral­bank beugt sich dem Druck der Ban­ken nicht

Der Stress am chi­ne­si­schen In­ter­ban­ken­markt hat sich et­was ge­legt. Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag war der Geld­markt­zins Shi­bor (Shang­hai In­ter­bank Of­fe­red Ra­te) für Ta­ges­geld in die Hö­he ge­schos­sen auf 13,4%. Am Frei­tag sank er auf 8,5%, und am Di­ens­tag no­tier­te er 5,74%. Mit­te Mai hat­te der Shi­bor gut 2% be­tra­gen.

Un­be­stä­tig­te Be­rich­te mach­ten ein Ein­schrei­ten der Zen­tral­bank (Peop­le’s Bank of Chi­na, PBoC) für die Ent­span­nung am Frei­tag ver­ant­wort­lich, sie soll die Geld­klem­me mit kurz­fris­ti­gen Li­qui­di­täts­sprit­zen und in­di­rek­ten Zu­schüs­sen von Zen­tral­bank­fi­lia­len ent­schärft ha­ben. Die PBoC ver­wei­ger­te al­ler­dings ei­ne Be­stä­ti­gung die­ser Be­rich­te.

Am Mon­tag er­klär­te die Zen­tral­bank dann, es lie­ge an den Kre­dit­ge­bern, ih­re Bi­lan­zen bes­ser in Ord­nung zu hal­ten. Das Vo­lu­men an Li­qui­di­tät sei auf ei­nem ver­nünf­ti­gen Ni­veau. Ge­mäss Chi­na Con­fi­den­ti­al, ei­nem auf Chi­na spe­zia­li­sier­ten In­for­ma­ti­ons­dienst der «Fi­nan­ci­al Ti­mes», gibt es we­nig An­zei­chen da­für, dass die PBoC sich dem Markt­druck resp. dem Wunsch der Ban­ken beugt, zu­sätz­li­che Li­qui­di­tät ein­zu­schies­sen.

Ver­schie­de­ne Grün­de führ­ten zu der tem­po­rä­ren Li­qui­di­täts­ver­knap­pung, u. a. neue Be­stim­mun­gen für die Qua­li­tät von Col­la­te­ral (Si­cher­hei­ten) für Trusts und We­alth-Ma­nage­ment-Pro­duk­te so­wie ei­ne er­höh­te Li­qui­di­täts­nach­fra­ge der Ge­schäfts­ban­ken zum Halb­jah­res­ab­schluss.

Po­li­ti­sches Kal­kül

Die Fol­ge da­von war ei­ne deut­lich hö­he­re Nach­fra­ge nach In­ter­ban­ken­geld. Doch für den Cre­dit Crunch ver­ant­wort­lich ist vor al­lem der Kon­flikt zwi­schen Re­gu­la­tor und PBoC. Die Zen­tral­bank scheint wil­lent­lich die Li­qui­di­tät knapp zu hal­ten, um die Ge­schäfts­ban­ken zum Um­den­ken in Be­zug auf ih­re Kre­dit­ver­ga­be im Schat­ten­ban­ken­sys­tem zu zwin­gen.

Die Ge­schäfts­ban­ken dürf­ten in den nächs­ten Wo­chen ih­re Be­mü­hun­gen, die PBoC zu be­ein­flus­sen, ver­stär­ken. «Shang­hai Se­cu­ri­ties News» ist ei­ne füh­ren­de chi­ne­si­sche Fi­nanz­zei­tung im Be­sitz des Re­gie­rungs­sprach­rohrs Xin­hua. Sie mel­de­te, Ban­ken wür­den die Chi­na Re­gu­la­to­ry Com­mis­si­on (CBRC) drän­gen, die Zen­tral­bank zu Li­qui­di­täts­hil­fen zu zwin­gen, was recht­lich ei­gent­lich gar nicht geht.

Doch die PBoC scheint dem Druck nicht nach­zu­ge­ben. Zu­dem hat sie die vol­le Un­ter­stüt­zung der Zen­tral­re­gie­rung. Letz­te Wo­che hat der Staats­rat die Zen­tral­bank er­neut er­mahnt, den geld­po­li­ti­schen Kurs bei­zu­be­hal­ten, um die Ri­si­ken im Schat­ten­ban­ken­sys­tem her­un­ter­zu­fah- ren, das Kre­dit­we­sen zu ver­bes­sern und die Re­gu­lie­rung zu ver­schär­fen. Des­halb ist es auch un­wahr­schein­lich, dass die Li­qui­di­täts­klem­me schnell vor­bei ist.

Zwei­fel­haf­tes Mit­tel

Dass Chi­na ernst­haf­te An­stren­gun­gen un­ter­nimmt, die sys­te­mi­schen Ri­si­ken im Fi­nanz­sys­tem zu re­du­zie­ren, ist gut. Dass die Ban­ken für ih­re Ge­schäfts­po­li­tik der letz­ten Jah­re be­straft wer­den, die der Re­gu­la­tor to­le­rier­te, ist hin­ge­gen pro­ble­ma­tisch. Vie­le Ban­ken dürf­ten nun ih­re Kre­dit­ver­ga­be und vor al­lem auch die Qua­li­tät des Col­la­te­ral über­den­ken – klei­ne­re In­sti­tu­te könn­ten bank­rott­ge­hen, was wahr­schein­lich das Ziel Pe­kings ist.

Ob ei­ne for­cier­te Li­qui­di­täts­ver­knap­pung das rich­ti­ge Mit­tel ist, um das über­bor­den­de Kre­dit­wachs­tum in Chi­na ein­zu­däm­men, bleibt frag­lich. Die Ri­si­ken für die Re­al­wirt­schaft stei­gen. Die Bör­se in Schang­hai re­agier­te scharf: Der Shang­hai Com­po­si­te In­dex fiel am Mon­tag 5,3% und am Di­ens­tag zu­erst wei­te­re 5,8%, be­vor er wie­der stieg und knapp un­ter dem Stand vom Mon­tag schloss.

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