Sü­d­eu­ro­pa un­ter Druck

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AT

Wie die Schwellenländer lei­den die Pe­ri­phe­rie­staa­ten der Eu­ro­zo­ne un­ter der Er­war­tung, dass das Fed bald sei­ne An­lei­hen­käu­fe dros­selt. Grie­chi­sche zehn­jäh­ri­ge Bonds hat­ten vor dem ef­fekt­vol­len Auf­tritt Ben Bernan­kes vor US-Ab­ge­ord­ne­ten am 22. Mai ein Jah­res­tief von 8,13% er­reicht. Seit­her sind die Ren­di­ten ra­pi­de ge­klet­tert: Mit 11,45% sind sie hoch wie zu­letzt im April. Spa­ni­sche zehn­jäh­ri­ge An­lei­hen ren­tie­ren zum ers­ten Mal seit März über 5%. Am Di­ens­tag muss­te Ita­li­en in ei­ner Auk­ti­on für ein­jäh­ri­ge Bonds die höchs­te Ren­di­te seit Sep­tem­ber 2012 bie­ten. Por­tu­gals Ren­di­ten er­reich­ten mit 6,74% am Frei­tag ein Jah­res­hoch.

Mit den Ren­di­ten ha­ben sich die Spreads – al­so die Zins­dif­fe­ren­zen – zu deut­schen Bun­des­an­lei­hen aus­ge­wei­tet. Zehn­jäh­ri­ge Bunds ren­tie­ren nur 0,3 Pro­zent­punk­te hö­her als im Mai, die deut­schen Ren­di­ten sind al­so deut­lich we­ni­ger ge­stie­gen als die Sü­d­eu­ro­pas. Der Spre­ad soll­te theo­re­tisch die Ri­si­ko­prä­mie spie­geln, die An­le­ger für das Hal­ten der Pe­ri­phe­rie­bonds ver­lan­gen.

Kein Eu­ro­zo­nen-Pro­blem

Doch we­nig spricht für Ge­fah­ren aus der Eu­ro­zo­ne: Jens Weid­mann, Prä­si­dent der Deut­schen Bun­des­bank, be­ton­te in ei­nem Interview, das an­ge­kün­dig­te Pro­gramm der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank zum Auf­kauf von Staats­an­lei­hen (OMT, Ou­t­right Mo­ne­ta­ry Tran­sac­tions) sei nicht un­be­schränkt. Die Ren­di­ten re­agier­ten auf die­se Aus­sa­gen nicht. Auch dass die Eu­ro­zo­ne noch kei­ne Ei­ni­gung zur Ban­ken­ab­wick­lung fin­den konn­te, scheint die Märk­te nicht zu be­las­ten.

Es dürf­te da­her kein ori­gi­när eu­ro­päi­sches Pro­blem sein, das die Pe­ri­phe­rie be­las­tet. Die hö­he­re Ver­zin­sung der An­lei­hen Deutsch­lands, der USA und Gross­bri­tan­ni­ens scheint ein­fach An­le­ger zu­rück­zu­lo­cken, die bis­her ei­ne hö­he­re Ren­di­te in ris­kan­te­ren An­la­ge­klas­sen ge­sucht ha­ben. Es scheint kei­ne gros­se Rol­le zu spie­len, ob die Jagd nach Ren­di­te in die Schwellenländer, in hoch­ver­zins­li­che Un­ter­neh­mens­an­lei­hen oder die Eu­ro­pe­ri­phe­rie ge­führt hat­te.

EZB mit nur we­nig Macht

Doch es gibt gros­se Un­ter­schie­de der Eu­ro­pe­ri­phe­rie zu den Schwel­len­län­dern. Wäh­rend sich die auf­stre­ben­den Märk­te et­wa in Asi­en be­liebt ge­macht ha­ben, weil sie ei­ne ge­rin­ge Staats­ver­schul­dung und nied­ri­ge Haus­halts­de­fi­zi­te vor­wei­sen, liegt in der Pe­ri­phe­rie der Fall an­ders. Sü­d­eu­ro­pas Staa­ten sind knapp bei Kas­se und kön­nen hö­he­re Ren­di­ten nur schwer stem­men. Die Stüt­ze des «vir­tu­el­len», da nur an­ge­kün­dig­ten und nicht ein­mal im ju­ris­ti­schen De­tail aus­for­mu­lier­ten OMT-Pro­gramms konn­te die Ren­di­te­auf­schlä­ge wäh­rend der Pa­nik über ei­nen Eu­ro­zu­sam­men­bruch sen­ken – doch ge­gen ei­nen brei­ten Mit­tel­ab­fluss aus den An­lei­hen­märk­ten kann die EZB mit rei­nen An­kün­di­gun­gen nur we­nig aus­rich­ten.

Von ei­nem Auf­flam­men der Eu­ro­kri­se kann noch nicht ge­spro­chen wer­den. Aber hö­he­re Ren­di­ten ha­ben im Sü­den der Eu­ro­zo­ne die schwer­wie­gends­ten wirt­schaft­li­chen Fol­gen: Die Staa­ten müss­ten mehr spa­ren, je­de Un­si­cher­heit scha­det dor­ti­gen Ban­ken und Fir­men. Im Ge­gen­satz zu den auch ge­trof­fe­nen Schwel­len­län­dern kön­nen die Pe­ri­phe­rie­staa­ten nicht mit ei­ner ei­ge­nen Geld­po­li­tik ge­gen­len­ken.

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