Ri­si­ko­aver­si­on führt zu Um­schich­tun­gen

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - T. RO­WE PRI­CE

Im Ver­lauf des ver­gan­ge­nen Mo­nats hat sich im Markt die Ri­si­ko­aver­si­on wie­der deut­lich ver­stärkt. Das In­ves­to­ren­ver­trau­en wur­de von Si­gna­len der US-No­ten­bank (Fed) er­schüt­tert, die An­lei­hen­kauf­pro­gram­me im drit­ten oder vier­ten Quar­tal des Jah­res lang­sam zu­rück­zu­fah­ren und nach wei­te­ren sechs bis neun Mo­na­ten zu be­en­den. Nach Jah­ren der ex­trem lo­cke­ren Geld­po­li­tik, die den Markt mas­siv ge­stützt hat­te, führ­ten die An­kün­di­gun­gen von Fed-Chef Bernan­ke zu ei­nem An­stieg der Ren­di­ten von USStaats­an­lei­hen. So stieg die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ry Bonds von 1,89% Mit­te Mai auf 2,5% am 25. Ju­ni.

Die ge­trüb­te An­le­ger­lau­ne war na­tür­lich auch in Eu­ro­pa spür­bar, wo die Angst vor ei­nem Rück­zug der Markt­stüt­zung des Fed zu ähn­li­chen Ent­wick­lun­gen führ­te. So stieg die Ren­di­te von deut­schen Bun­des­an­lei­hen mit zehn­jäh­ri­ger Lauf­zeit auf 1,76% am 25. Ju­ni. Mit­te Mai be­weg­te sie sich noch um die 1,33%. Die glei­chen Ef­fek­te wa­ren auch am eu­ro­päi­schen Kre­dit­markt zu be­ob­ach­ten. Hier ha­ben In­ves­to­ren, ge­trie­ben von der Un­si­cher­heit über die wei­te­re Zins­ent­wick­lung, ihr Port­fo­lio um­ge­schich­tet, nach­dem vie­le die­ses Markt­seg­ment vor kur­zem noch über­ge­wich­tet hat­ten. Dies führ­te da­zu, dass die Ef­fek­tiv­ver­zin­sung von An­lei­hen in An­la­ge­qua­li­tät (In­vest­ment Gra­de) von 1,75 auf 2,46% vor­rück­te. Auch Hoch­zins­an­lei­hen, die Mit­te Mai noch mit re­kord­tie­fen 4,44% ren­tier­ten, war­fen zu Wo­chen­be­ginn 5,76% ab.

In den auf­stre­ben­den Märk­ten zeig­ten sich die Ef­fek­te der ge­stie­ge­nen Un­ge­wiss­heit noch deut­li­cher; die Ren­di­ten der in US-Dol­lar de­no­mi­nier­ten Schwel­len­län­der­an­lei­hen sind si­gni­fi­kant ge­stie­ge­nen, wo­bei Staats­an­lei­hen deut­lich en­ger mit US Tre­a­su­ry Bonds kor­re­lie­ren als Un­ter­neh­mens­an­lei­hen. Auch die Prei­se von Schwel­len­län­der­an­lei­hen in Lo­kal­wäh­run­gen ka­men un­ter Druck, vor al­lem da sich der Dol­lar ge­gen­über den meis­ten Wäh­run­gen auf­wer­te­te.

Auf kur­ze Sicht dürf­te die Vo­la­ti­li­tät deut­lich stei­gen, bis Klar­heit über die Plä­ne des Fed für das En­de der An­lei­hen­käu­fe herrscht. Bis da­hin dürf­ten klas­si­sche Flucht­wäh­run­gen wie der Dol­lar, der Yen oder der Fran­ken wie­der stär­ker wer­den.

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