Ge­ball­te La­dung In­ter­ven­tio­nis­mus

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - PE­TER MORF

Zu­neh­men­de Staats­ein­grif­fe ge­fähr­den das Er­folgs­mo­dell Schweiz. Das Vor­drin­gen des Staats in die Sphä­ren des In­di­vi­du­ums und der Wirt­schaft wird ge­wöhn­lich kaum wahr­ge­nom­men. Es er­folgt meist schlei­chend und in klei­nen Schrit­ten. Bis­wei­len al­ler­dings wer­den dem Ein­zel­nen auch ge­ball­te La­dun­gen an In­ter­ven­tio­nis­mus zu­ge­mu­tet. So ge­sche­hen in der ver­gan­ge­nen Wo­che: In­ner­halb nur zwei­er Ta­ge hat der Bun­des­rat vier ent­spre­chen­de Er­las­se be­schlos­sen, in Kraft ge­setzt oder in die Ver­nehm­las­sung ge­schickt.

Die wohl fol­gen­schwers­te Ver­ir­rung ist die vom Par­la­ment En­de 2012 be­schlos­se­ne So­li­dar­haf­tung im Bau. Die ent­spre­chen­de Ge­set­zes­re­vi­si­on wird schon auf den 15. Ju­li in Kraft ge­setzt. Die So­li­dar­haf­tung macht den Erst­un­ter­neh­mer haft­bar für Ver­stös­se sei­ner Su­b­un­ter­neh­mer ge­gen ar­beits­ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen.

Das ist ein mas­si­ver Ein­griff in die Ver­trags­frei­heit und ze­men­tiert das durch die flan­kie­ren­den Mass­nah­men zur Per­so­nen­frei­zü­gig­keit in­stal­lier­te Lohn­kar­tell. Über­dies wer­den die Un­ter­neh­men zu Er­fül­lungs­ge­hil­fen der Be­hör­den ge­macht – rechts­staat­lich höchst frag­wür­dig.

In ei­ner zwei­ten Vor­la­ge hat sich der Bun­des­rat da­zu hin­reis­sen las­sen, qua­si In­dus­trie­po­li­tik zu be­trei­ben. Mit dem Im­puls­pro­gramm für den Tou­ris­mus 2016–2019 wer­den der Bran­che Krü­cken ge­reicht für die Über­win­dung an­ste­hen­der struk­tu­rel­ler Pro­ble­me. Er­fah­rungs­ge­mäss wer­den der­ar­ti­ge Krü­cken den Pro­zess der Struk­tur­an­pas­sung nicht er- leich­tern, son­dern eher er­schwe­ren und zur Struk­tur­er­hal­tung de­ge­ne­rie­ren – zu ei­nem enor­men Preis. In die­sem Fall 210 Mio. Fr. an Steu­er­gel­dern.

Nicht bes­ser schnei­det die vom Bun­des­rat de­kre­tier­te Er­hö­hung des Netz­zu­schlags zur För­de­rung der Strom­pro­duk­ti­on aus er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en um 0,6 Rap­pen je Ki­lo­watt­stun­de ab. Die Sub­ven­tio­nie­rung der er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en – und da­mit die Ver­zer­rung im Ener­gie­markt – wird ver­stärkt. Schliess­lich hat der Bun­des­rat die Ge­set­zes­vor­la­ge zur Um­set­zung der Zweit­woh­nungs­in­itia­ti­ve in die Ver­nehm­las­sung ge­schickt, ei­ne frei­lich vom Volk ge­woll­te ge­setz­li­che Mon­stro­si­tät. Die Vor­la­gen ha­ben Ge­mein­sam­kei­ten: Der Staat er­hält im­mer mehr Kom­pe­ten­zen, auf Kos­ten der Frei­heit und Ei­gen­ver­ant­wor­tung des Ein­zel­nen. Die da­mit ver­bun­de­nen Ein­grif­fe in grund­le­gen­de Frei­hei­ten wer­den kaum mehr wahr­ge­nom­men. Das gilt auch für die rein pe­ku­niä­ren Kos­ten der Mass­nah­men: Sie ge­hen in die Hun­der­te von Mil­lio­nen Fran­ken.

Es ist dra­ma­tisch, dass selbst Bal­lun­gen an in­ter­ven­tio­nis­ti­schen Vor­la­gen kaum mehr wahr­ge­nom­men wer­den. Die Schweiz läuft Ge­fahr, die zen­tra­len Stand­ort­vor­tei­le der Selbst­ver­ant­wor­tung, Frei­heit und Ei­gen­tums­ga­ran­tie lang­sam aber si­cher preis­zu­ge­ben. Das darf nicht sein. Li­be­ra­le Po­li­ti­ker sind ge­for­dert, das selbst­zer­stö­re­ri­sche Trei­ben zu er­ken­nen und zu stop­pen.

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