Kei­ne Angst vor den Se­mes­ter­zah­len

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - WOLF­GANG GAM­MA

DZins­um­feld spricht für Ak­ti­en – Vo­la­ti­li­tät bleibt vor­erst er­hal­ten – Kor­rek­tur als Kauf­ge­le­gen­heit se­hen – No­var­tis, Swiss Re und Adec­co mit Raum nach oben

en Ak­ti­en­märk­ten fehlt es der­zeit wie dem Wet­ter an som­mer­li­cher Ge­las­sen­heit. Un­ter­kühlt­heit statt Cool­ness. Ja, die kal­ten Füs­se man­cher Markt­teil­neh­mer ha­ben dem SMI seit dem Höchst En­de Mai 10% Kurs­ver­lust ge­bracht – die Ge­gen­be­we­gung der zu En­de ge­hen­den Wo­che be­reits ein­ge­rech­net. Ei­ni­ges deu­tet dar­auf hin, dass die Vo­la­ti­li­tät in den nächs­ten Wo­chen an­hal­ten wird. Doch es meh­ren sich die Hin­wei­se, dass das zwei­te Se­mes­ter für die Un­ter­neh­men die bes­se­re Hälf­te des Jah­res be­reit­hält und die ab Ju­li er­war­te­ten Zwi­schen­er­geb­nis­se nicht ent­täu­schen.

Das Zins­um­feld, die Li­qui­di­täts­po­li­tik der ame­ri­ka­ni­schen No­ten­bank so­wie die kon­junk­tu­rel­le Ent­wick­lung in Eu­ro­pa und Nord­ame­ri­ka sind die der­zeit am meis­ten be­ach­te­ten Ein­fluss­fak­to­ren an den Märk­ten. Das an­ge­kün­dig­te En­de der lo­cke­ren US-Geld­po­li­tik hat die Märk­te durch­ge­schüt­telt. Gleich­zei­tig wur­de aber klar, dass das Zins­um­feld für Ak­ti­en freund­lich bleibt. Nied­ri­ge Zin­sen be­deu­ten ei­ne at­trak­ti­ve Ri­si­ko­prä­mie für Ak­ti­en­an­la­gen. Ei­ne ers­te US-Leit­zins­er­hö­hung wird im Markt für En­de 2014 er­war­tet.

Po­si­ti­ve Re­vi­sio­nen

Hin­ter dem Wech­sel der Fed-Po­li­tik steht ei­ne op­ti­mis­ti­sche­re Ein­schät­zung der kon­junk­tu­rel­len Ent­wick­lung in den USA. «Das ist si­cher­lich kei­ne schlech­te Nach­richt für die Ge­win­ne der US-Un­ter­neh­men», meint da­zu Ana­stas­si­os Fran­gu­li­dis, Chef­öko­nom der Zürcher Kan­to­nal­bank. Zu ei­nem ver­gleich­ba­ren Schluss kommt Phil­ipp Bärts­chi, Chef­stra­te­ge von J. Saf­ra Sa­ra­sin, der das Ge­winn­mo­men­tum in den USA für «leicht po­si­tiv» hält. Ein­schrän­kun­gen sieht er auf mitt­le­re Sicht in stei­gen­den Fi­nan­zie­rungs­kos­ten (Zin­sen) und im Druck auf die Lohn­kos­ten (sin­ken­de Ar­beits­lo­sig­keit). Ge­winn­schät­zungs­re­vi­sio­nen neh­men die Ana­lys­ten eher nach oben vor.

Die­ser Trend lässt sich auch in der Schweiz be­ob­ach­ten (vgl. Gra­fik Ge­winn­schät­zungs­re­vi­sio­nen). Das soll­te für die be­vor­ste­hen­den Se­mes­ter­prä­sen­ta­tio­nen ein gu­tes Omen sein. Schwächt sich der Fran­ken in der zwei­ten Jah­res­hälf­te wie er­war­tet ab (vgl. Sei­te 19), müss­te die po­si­ti­ve Ten­denz über den Som­mer hin­aus an­hal­ten. Ein schwä­che­rer Fran­ken wür­de die Kon­kur­renz­fä­hig­keit der ex­port­ori­en­tier­ten Schwei­zer Un­ter­neh­men be­son­ders im Dol­lar­raum ver­bes­sern. Hö­he­re Ge­winn­bei­trä­ge aus dem Aus­land führt Bärts­chi als Be­grün­dung an, wes­halb er in der Schweiz ein Ge­winn­wachs­tum von 4 bis 5% für den Zei­t­raum bis 2015 er­war­tet, wäh­rend er für die USA bloss von 2 bis 3% Zu­wachs aus­geht.

Bes­se­re Ab­satz­chan­cen könn­ten sich auch in Eu­ro­pa er­öff­nen, soll­te sich die Ent­span­nung der kon­junk­tu­rel­len La­ge be­stä­ti­gen. Dar­auf deu­ten vor­lau­fen­de In­di­ka­to­ren wie die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes ver­mehrt hin. Ein­deu­tig ist das Bild den­noch nicht. So mel­de­ten Frank­reich und Deutsch­land hö­he­re Kon­sum­aus­ga­ben im Mai, wäh­rend et­wa die Bestellungen im deut­schen Ma­schi­nen­bau im glei­chen Zei­t­raum zu­rück­gin­gen.

Be­wer­tungs­an­stieg

So kurz vor den Halb­jah­res­zah­len – den Auf­takt ma­chen No­var­tis und SGS am 17. Ju­li – las­sen sich die Ge­sell­schaf­ten un­gern in die Kar­ten bli­cken. Fein­che­mi­ka- li­en­her­stel­ler Lon­za ver­wies auf die im Früh­jahr ge­mach­te Aus­sa­ge, dass «das Er­geb­nis für 2013 auf ein stär­ke­res zwei­tes Halb­jahr aus­ge­rich­tet ist». Um Wäh­run­gen und Roh­stoff­prei­se macht sich Lon­za we­nig Sor­ge, da sie den ak­tu­el­len Ge­schäfts­gang we­nig be­ein­fluss­ten.

Küh­ne + Na­gel-CEO Karl Ger­nandt zog in der letz­ten FuW-Aus­ga­be ein op­ti­mis­ti­sches Fa­zit: «Die ers­ten fünf Mo­na­te im lau­fen­den Jahr stim­men mich zu­ver­sicht­lich, dass wir zur al­ten Stär­ke zu­rück­fin­den.» Nicht nur ein im Ver­gleich bes­se­res, son­dern ein «star­kes zwei­tes Halb­jahr» er­war­tet Swatch-Group-CEO Nick Hay­ek (vgl. Kas­ten rechts).

Sind die­se ge­schätz­ten Ent­wick­lun­gen in den ak­tu­el­len Ak­ti­en­kur­sen be­reits ein­ge­preist? Die Be­wer­tung des Schwei­zer Ak­ti­en­markts lag im Zeit­punkt des Höchst En­de Mai auf dem lang­jäh­ri­gen Be­wer­tungs­ni­veau mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 15. Die Märk­te in den USA und be­son­ders in Eu­ro­land ka­men ih­rer Durch­schnitts­be­wer­tung noch nicht so na­he. Ein Grund zu ernst­haf­ter Be­un­ru­hi­gung und zu ei­ner Flucht aus Schwei­zer Ak­ti­en be­steht – Stich­wör­ter Zins­um­feld, at­trak­ti­ve Ri­si­ko­prä­mie – den­noch nicht.

Op­ti­mis­ti­sche Markt­be­ob­ach­ter hal­ten ei­ne of­fen­si­ve Gan­gart wei­ter­hin für denk­bar. Ein Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 18,

Ers­te Zei­chen ei­ner wirt­schaft­li­chen Be­le­bung sind er­kenn­bar, in die Aus­bli­cke zum zwei­ten Se­mes­ter dürf­ten sie Ein­gang fin­den.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.