Re­no­va ist Gross­ak­tio­när von S+B

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - ADRI­AN BLUM

KS+B KG stösst Pa­ket von 20,46% ab – Re­no­va zahlt Spott­preis von 2.40 Fr. je Ak­tie – Neue Run­de im Macht­kampf ein­ge­läu­tet

nap­per geht’s kaum: VR-Prä­si­dent Hans-Pe­ter Zehn­der wur­de an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung von Schmolz + Bi­cken­bach am Frei­tag mit knapp 29,922 Mio. Stim­men in den Ver­wal­tungs­rat wie­der­ge­wählt. Das wa­ren ge­ra­de mal 50,37% des an­we­sen­den Ka­pi­tals. Es war nicht nur ein knap­per Sieg. Wich­ti­ger noch ist: Es war wohl nur ein Sieg auf Zeit. Dass die in sämt­li­chen Trak­tan­den un­ter­le­ge­ne geg­ne­ri­sche Sei­te – Gross­ak­tio­nä­rin S+B KG mit dem rus­si­schen In­ves­tor Re­no­va im Rü­cken – nun auf­gibt, da­mit ist nicht zu rech­nen. Das of­fen­ba­ren die Be­we­gun­gen an der Bör­se von Frei­tag­nach­mit­tag.

In zwei Blö­cken wech­sel­ten kurz nach Schluss der Ge­ne­ral­ver­samm­lung, ge­gen 14.15 Uhr ins­ge­samt 24,17 Mio. Ak­ti­en von Schmolz + Bi­cken­bach zum Preis von 2.40 Fr. die Hand. Das sind ex­akt 20,46% der Ak­ti­en des Spe­zi­al­stahl­her­stel­lers. Und ex­akt 20,46% wa­ren bis­her in di­rek­tem und in­di­rek­tem Be­sitz der S+B KG aus Düs­sel­dorf, und zwar oh­ne die Ti­tel der S+B Hol­ding in Wil. Letz­te­re ist je­ne Ge­sell­schaft der KG, die mit Gross­ak­tio­när Ge­bu­ka von Ge­ro Büt­ti­ker durch ei­nen Ak­tio­närs­bin­dungs­ver­trag ver­bun­den ist und 20% an Schmolz + Bi­cken­bach hält. Ver­käu­fer des 20,43% Pa­ke­tes war al­so die S+B KG.

Die S+B KG ist fi­nan­zi­ell nicht in der La­ge, be­vor­ste­hen­de Ka­pi­tal­mass­nah­men mit­zu­tra­gen und ver­such­te da­her schon in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten als In­ves­tor die Re­no­va des rus­si­schen In­ves­tors Vic­tor Vek­sel­berg an Bord zu ho­len. Dies wur­de nun an der GV von den Pu­bli­kums­ak­tio­nä­ren – zu­nächst – ver­ei­telt.

Wie von An­fang an ge­plant

Es liegt da­her auf der Hand, dass es sich beim Käu­fer des Pa­ke­tes um ei­ne Ge­sell­schaft aus dem Um­feld von Vek­sel­berg han­delt. «Fi­nanz und Wirt­schaft» er­fuhr aus gut in­for­mier­ten Fi­nanz­krei­sen, dass Re­no­va tat­säch­lich die Käu­fe­rin war. Die KG wä­re dank des Ver­kaufs fi­nan­zi­ell in der La­ge, mit ih­rem ver­blie­be­nen Pa­ket die Ka­pi­tal­er­hö­hung über die S+B Hol­ding mit­zu­zie­hen und künf­tig mit viel­leicht 15 bis 20% da­bei blei­ben. Re­no­va wür­de eben­falls mit­zie­hen und am Schluss viel­leicht 20 bis 25% hal­ten, wie von den bei­den Ge­sell­schaf­ten von An­fang an ge- plant. Of­fi­zi­ell gab es hier­zu kei­ner­lei Kom­men­ta­re. Of­fen ist hier­bei: Bil­den die KG und Re­no­va nach dem Block­ver­kauf ei­ne Grup­pe, und wür­de dies die Pflicht zu ei­nem öf­fent­li­chen Über­nah­me­an­ge­bot an die Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re aus­lö­sen? Ge­mäss Ju­ris­ten wohl eher nicht.

S+B KG mit Rü­cken zur Wand

Ein An­ge­bots­preis müss­te sich am ge­wich­te­ten Durch­schnitt von 60 Ta­gen ori­en­tie­ren und ge­mäss Schät­zun­gen zwi­schen 2.70 und 2.80 Fr. lie­gen, was sub­stan­zi­ell mehr ist als die 2.40 Fr. je Ak­tie in dem jüngs­ten Pa­ket­wech­sel. War­um die­ser Spott­preis? Am Frei­tag no­tier­ten die Ti­tel 2.90 Fr. Re­no­va kann of­fen­bar die schwie­ri­ge Si­tua­ti­on der S+B KG (fi­nan­zi­ell schwach; KG-Teil­ha­ber Storm ist mit ei­ner 10-Mio.-Kla­ge kon­fron­tiert) aus­nut­zen. Kommt Re­no­va an die Macht, wür­de die Kla­ge ge­gen Ex-VR-Prä­si­dent Micha­el Storm wohl kaum wei­ter­ver­folgt wer­den.

Al­les sieht da­nach aus, dass es bald zu ei­ner aus­ser­or­dent­li­chen Ge­ne­ral­ver­samm­lung kommt. S+B KG und Re­no­va wer­den sich kein wei­te­res Mal so vor­füh­ren las­sen wie am Frei­tag ge­sche­hen und da­für sor­gen, dass beim nächs­ten Mal ih­re Trak­tan­den durch­kom­men wer­den. Zum Nut­zen oder Scha­den der Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re? Das muss sich wei­sen.

Lässt sich nicht so ein­fach ab­schüt­teln: der rus­si­sche In­ves­tor Vic­tor Vek­sel­berg.

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