Ax­po-pi­pe­line­pro­jekt schafft Durch­bruch

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE/ENERGIE - DIETEGEN MÜL­LER,

EAb 2019 soll Erd­gas aus dem Kas­pi­schen Meer nach Eu­ro­pa flies­sen – Wett­be­wer­ber Na­buc­co vor Scher­ben­hau­fen – Ab 2015 droht ein Gas­preis­rutsch

s ist ein spä­ter Er­folg für den Ener­gie­händ­ler EGL: Geht al­les gut, soll ab 2019 das ers­te Gas aus dem Kas­pi­schen Meer über die Trans Adria­tic Pi­pe­line ( TAP) nach Ita­li­en strö­men. Lan­ciert hat EGL – heu­te Teil des Strom­kon­zerns Ax­po – das Pro­jekt schon 2003. Ax­po hält wie der nor­we­gi­sche Öl- und Gas­kon­zern Sta­toil 42,5% der An­tei­le an TAP, der deut­sche Ver­sor­ger Eon die üb­ri­gen 15%.

Ei­ne Ka­pi­tal­auf­nah­me für das Pro­jekt schloss Ax­po auf An­fra­ge aus. Das Ener­gie­un­ter­neh­men pro­fi­tiert von der TAP, in­dem Gas­kom­bik­raft­wer­ke, die in Ita­li­en be­trie­ben wer­den, be­lie­fert wer­den könn­ten. Auch soll die Schweiz via TAP mit Gas ver­sorgt wer­den kön­nen. Die Eid­ge­nos­sen­schaft ist bis­her auf Im­por­te aus den Nie­der­lan­den, Frank­reich, Russ­land und Ita­li­en an­ge­wie­sen. Nach dem Wil­len des Bun­des­rats sol­len die farb­lo­sen Koh­len­was­ser­stof­fe in der Schwei­zer Strom­er­zeu­gung künf­tig ei­ne be­deu­ten­de Rol­le spie­len. Die Schwei­zer Exe­ku­ti­ve hat sich ent­spre­chend für die TAP stark­ge­macht.

Ax­po-An­teil sinkt mas­siv

Auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz in Ba­ku (Aser­bai­dschan) er­klär­te das TAP-Kon­sor­ti­um, man sei sehr zu­frie­den, vom Shah-Den­ziz-II-Kon­sor­ti­um ei­ne Lie­fer­zu­sa­ge er­hal­ten zu ha­ben. Auch EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Jo­sé Ma­nu­el Bar­ro­so be­grüss­te den Ent­scheid als Bei­trag zur Ener­gie­si­cher­heit Eu­ro­pas. Das Shah-De­niz-IIKon­sor­ti­um er­schliesst das mäch­ti­ge Erd­gas­feld Shah De­niz vor Aser­bai­dschans Küs­te im Kas­pi­schen Meer.

Nun kön­nen sich die BP, To­tal und der staat­li­che aser­bai­dscha­ni­sche Ener­gie­kon­zern So­car als Teil des Shah-De­ni­zKon­sor­ti­ums sich mit bis zu 50% an TAP be­tei­li­gen. Ax­po er­klär­te, das Pi­pe­line­ge­schäft zäh­le nicht zum Kern­ge­schäft. Soll­ten wei­te­re neue Ak­tio­nä­re da­zu­tre­ten, sei auch ei­ne Re­duk­ti­on un­ter 15% denk­bar, so Ax­po. Auch der bel­gi­sche Tran­sit­gas­netz­be­trei­ber Flu­xys steht vor ei­nem Ein­stieg in die TAP. Flu­xys ist auch an der Schwei­zer Tran­sit­gas be­tei­ligt. Via Schweiz könn­te das Shah-De­niz-Gas nach We­st­eu­ro­pa und Grossbritannien strö­men.

Das um den ös­ter­rei­chi­schen Ener­gie­kon­zern OMV grup­pier­te Kon­kur­renz­pro­jekt Na­buc­co hat am Mitt­woch be­reits sei­ne Nie­der­la­ge ein­ge­räumt. Für das 2002 ge­star­te­te Pro­jekt ist die Ab­sa­ge des Sh­ahDe­niz-II-Kon­sor­ti­ums wohl der fi­na­le Schlag. Es ge­lang schon zu­vor nie, Lie­fer­ver­trä­ge ab­zu­schlies­sen. Zu gross war im Hin­ter­grund der Druck des rus­si­schen Mo­no­po­lis­ten Gaz­prom, zu schwie­rig die La­ge in mög­li­chen Lie­fer­län­dern wie Irak und Iran. Na­buc­co hält sich be­deckt, ob nun ein Ein­stieg in die TAP er­wo­gen wird.

Das von Baar (Kan­ton Zug) aus ge­steu­er­te TAP-Pro­jekt ist für ei­ne jähr­li­che Ma­xi­mal­ka­pa­zi­tät von bis zu 20 Mrd. Ku­bik­me­tern Gas aus­ge­legt. Da die TAP über ei­ne Ge­gen­strom­funk­ti­on ver­fügt, kön­nen bis 8 Mrd. m3 Gas pro Jahr in die Ge­gen­rich­tung auf den Bal­kan flies­sen. Ge­plant sind fer­ner Gasspei­cher in Al­ba­ni­en. Die Trans­a­dria­ti­sche Pi­pe­line bin­det die Trans­a­na­to­li­sche Pi­pe­line ( TA­NAP) über Grie­chen­land und Al­ba­ni­en ans ita­lie­ni­sche Netz an. TA­NAP wird von Bo­tas und TPAO (bei­de Tür­kei) und So­car (Aser­bai­dschan) für 7 Mrd. $ ge­baut (sie­he Kar­te).

Auch wenn die TAP ge­mes­sen an an­de­ren Pi­pe­lines nur ei­ne mitt­le­re Ka­pa­zi­tät hat, ver­bes­sert sie die Gas­ver­sor­gung von Sü­d­eu­ro­pa und min­dert die Ab­hän­gig­keit Eu­ro­pas von rus­si­schen Lie­fe­run­gen via Weiss­russ­land und Ukrai­ne. Ei­ne wei­te­re Pi­pe­line, die vom Shah-De­niz-Feld aus ge­speist wer­den soll, ist das von der EU ge­för­der­te Pro­jekt Whi­te Stream. Es soll Gas nach Ru­mä­ni­en und in die Ukrai­ne trans­por­tie­ren. Doch Russ­land wird im Gas­markt do­mi­nant blei­ben. Gaz­prom treibt mit Eni, EDF und der BASF-Toch­ter Win­ters­hall den Bau von South Stream vor­an, über die ab 2016 jähr­lich bis zu 63 Mrd. Ku­bik­me­ter Gas via Schwar­zes Meer nach Eu­ro­pa strö­men soll.

Bald zu viel Gas im Markt?

An­ge­sichts der vie­len Pi­pe­line­pro­jek­te und der stei­gen­den Prä­senz von ver­flüs­sig­tem Erd­gas (LNG) zeich­nen sich Über­ka­pa­zi­tä­ten im eu­ro­päi­schen Gas­markt ab. Durch die Wirt­schafts­kri­se in vie­len EU-Staa­ten und we­gen der Ein­mot­tung von Gas­kraft­wer­ken als Fol­ge des So­lar- und Wind­an­la­gen-Booms sta­gniert die Nach­fra­ge. Die Pro­jekt­ge­sell­schaf­ten ge­hen da­von aus, dass sie sich mit­tel- und län­ger­fris­tig wie­der be­lebt. Auch sind wich­ti­ge Gas­quel­len in Eu­ro­pa (Grossbritannien, Nie­der­lan­de) bald er­schöpft.

Die Be­ra­tungs­ge­sell­schaft A. T. Ke­ar­ney ist je­doch skep­tisch. Sie pro­gnos­ti­ziert ei­nen kräf­ti­gen Preis­rutsch ab 2015. Dies wür­de auch die Pi­pe­line­be­trei­ber un­ter Druck set­zen und könn­te die Ab­kehr von an den Öl­preis ge­kop­pel­ten Lie­fer­ver­trä­gen hin zu fle­xi­ble­ren Kon­trak­ten be­deu­ten. Die TAP hat mit ih­rer Ge­gen­stromFunk­tio­na­li­tät und der via Schweiz ge­plan­ten An­bin­dung an We­st­eu­ro­pa im­mer­hin viel Fle­xi­bi­li­tät und könn­te von zu­neh­men­den Han­dels­ak­ti­vi­tä­ten pro­fi­tie­ren.

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