Ga­vaz­zi setzt auf Asi­en und Ame­ri­ka

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE/ENERGIE - PE­TER MORF

Schwie­ri­ges Um­feld in Eu­ro­pa – In­no­va­ti­ons­kraft stei­gern – Gross­zü­gi­ge Aus­schüt­tung

Es ist dem Pro­du­zen­ten von Kom­po­nen­ten für die Au­to­ma­ti­ons­tech­nik im Ge­schäfts­jahr 2012/13 (per En­de März) zwar nicht ge­lun­gen, den seit zwei Jah­ren an­hal­ten­den Um­satz­rück­gang auf­zu­hal­ten. Sein Tem­po je­doch konn­te deut­lich re­du­ziert wer­den. Das ist an­ge­sichts des do­mi­nan­ten Um­satz­an­teils von Eu­ro­pa von 70% kein schlech­tes Er­geb­nis. Dar­an än­dert auch die auf den ers­ten Blick mar­kan­te Ver­schlech­te­rung der Er­trags­la­ge nichts: Der Ge­winn war im Vor­jahr durch ei­nen Son­der­ef­fekt auf­ge­bläht. Die Bör­se hat die Zah­len mit mar­kan­ten Kurs­a­van­cen quit­tiert.

Der Um­satz im kri­seln­den Eu­ro­pa sank im Vor­jah­res­ver­gleich 9,6%. Be­son­ders schlecht ent­wi­ckelt ha­ben sich die Märk­te in Ita­li­en und Spa­ni­en. Der Rück­gang konn­te in Asi­en/Pa­zi­fik (+12,5%) und Nord­ame­ri­ka (+1,8%) nicht ganz kom­pen­siert wer­den. Ins­ge­samt re­sul­tier­ten Ein­nah­men im Um­fang von 138,3 Mio. Fr., 3,2% we­ni­ger als im Vor­jahr. Nach Pro­duk­ten ka­men vor al­lem die Ver­käu­fe von Kom­po­nen­ten für So­lar­an­la­gen un­ter die Rä­der, sie bra­chen gut die Hälf­te ein.

Die Er­trags­la­ge hat sich auf den ers­ten Blick un­er­freu­lich ent­wi­ckelt. Ope­ra­ti­ves Er­geb­nis (Ebit) und Ge­winn schrumpf­ten je 25% auf noch 15,9 re­spek­ti­ve 12,6 Mio. Fr. Da­hin­ter steht je­doch ein ein­ma­li­ger Ef­fekt aus dem Vor­jahr, der den Ge­winn rund 3,8 Mio. Fr. auf­ge­bläht hat­te. Un­ter Aus­schluss die­ses Be­trags hat sich der Über­schuss un­ge­fähr im Gleich­schritt mit dem Um­satz ent­wi­ckelt.

Ga­vaz­zi will die Ab­hän­gig­keit von Eu­ro­pa künf­tig wei­ter re­du­zie­ren. Im Vor­der­grund ste­hen die auf­stre­ben­den Märk­te Asi­ens und Latein­ame­ri­kas. Zu­dem soll die In­no­va­ti­ons­kraft wei­ter ge­stei­gert wer­den. Im Be­richts­jahr er­höh­ten sich die Aus­ga­ben für For­schung und Ent­wick­lung 5%, es wur­de ei­ne gan­ze Rei­he neu­er Pro­duk­te auf den Markt ge­bracht.

Der Aus­blick auf das lau­fen­de Ge­schäfts­jahr fiel sehr ver­hal­ten aus. Kon­zern­chef Vit­to­rio Ros­si woll­te sich auf kei­ne kon­kre­te Aus­sa­ge fest­le­gen, die Un­si­cher­heit in Eu­ro­pa sei zu gross. Im­mer­hin hat sich das Un­ter­neh­men zum Ziel ge­setzt, die Markt­ent­wick­lung zu schla­gen. Den­noch kann 2013/14 kaum mit ei­nem mar­kan­ten Wachs­tum ge­rech­net wer­den. Ein ge­ring­fü­gi­ger Ge­winn­zu­wachs um gut 3% auf 18.30 Fr. je Ak­tie scheint mög­lich zu sein.

Die ge­rin­gen Wachs­tums­aus­sich­ten wer­den dem Ak­tio­när durch ei­ne sehr gross­zü­gi­ge Aus­schüt­tung ver­süsst. Die or­dent­li­che Di­vi­den­de wird zwar auf 10 Fr. je In­ha­ber ge­kürzt. Hin­zu kommt je­doch ei­ne Son­der­aus­schüt­tung von 15 Fr. je In­ha­ber. Die Aus­schüt­tung von weit über 100% des Ge­winns wur­de von VR-Prä­si­den­tin Va­le­ria Ga­vaz­zi mit der sehr kom­for­ta­blen fi­nan­zi­el­len La­ge der Grup­pe be­grün­det: Die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te be­trägt 74%. Zu­dem ver­fügt Ga­vaz­zi über ei­ne Net­to­li­qui­di­tät von 52 Mio. Fr. Die Ti­tel sind mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 13 zwar at­trak­tiv be­wer­tet. Rund 80% der Stim­men be­fin­den ich je­doch in Hän­den der Fa­mi­lie Ga­vaz­zi, der Markt ist aus­ser­or­dent­lich eng.

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