Ame­ri­ka hat star­ke Trümp­fe

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Ho­he Pro­duk­ti­vi­tät und tie­fe Ener­gie­kos­ten hel­fen der In­dus­trie

Die Nach­richt er­reg­te Auf­se­hen: Erst­mals seit 2001 zie­hen die Ver­ei­nig­ten Staa­ten mehr Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen aus dem Aus­land an als Chi­na. Das er­gibt ei­ne die­se Wo­che ver­öf­fent­lich­te Stu­die der Be­ra­tungs­ge­sell­schaft A.T. Ke­ar­ney, die über drei­hun­dert Un­ter­neh­men rund um den Glo­bus zu ih­ren In­ves­ti­ti­ons­plä­nen be­fragt hat. Dem­nach ran­gie­ren die USA neu an ers­ter Stel­le, ge­folgt von Chi­na und Bra­si­li­en.

Das Er­geb­nis ist ein Be­leg da­für, was sich der­zeit in der US-In­dus­trie ab­spielt. Von Ge­ne­ral Electric über Ford und Ca­ter­pil­lar bis hin zu Dow Che­mi­cal und Uni­ted Tech­no­lo­gies bau­en US-Kon­zer­ne neue Fa­b­ri­ken im Heim­markt und brin­gen zum Teil so­gar Ar­beit nach Ame­ri­ka zu­rück, die sie nach Chi­na, Me­xi­ko oder in an­de­re auf­stre­ben­de Märk­te aus­ge­la­gert ha­ben. Auf den Werk­stand­ort USA set­zen auch aus­län­di­sche Gross­kon­zer­ne wie VW, Samsung oder ABB.

Erst vor we­ni­gen Ta­gen hat To­yo­ta an­ge­kün­digt, wei­te­re 200 Mio. $ für den Aus­bau der Wer­ke in Ala­ba­ma, Mis­sou­ri und Ten­nes­see aus­zu­ge­ben. Ins­ge­samt be­lau­fen sich die US-In­ves­ti­tio­nen des ja­pa­ni­schen Au­to­kon­zerns in den letz­ten zwei Jah­ren auf über 2 Mrd. $. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben zu­dem die chi­ne­si­sche Nah­rungs­mit­tel­grup­pe Shuang­hui und der in­di­sche Rei­fen­her­stel­ler Apol­lo Ty­res mil­li­ar­den­teu­re Über­nah­men in den USA an­ge­kün­digt.

«In­dus­trie­na­ti­on» USA

Dass es mit dem ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be auf­wärts­geht, macht Hoff­nung auf ei­nen dau­er­haf­ten Auf­schwung der US-Wirt­schaft. Die Be­deu­tung der In­dus­trie hat zwar ab­ge­nom­men: Kam sie in den Fünf­zi­ger­jah­ren für fast 30% des Brut­to­in­land­pro­dukts auf, so sind es in­zwi­schen nur­mehr gut 10%. Für sich al­lein ge­nom­men, wür­de der US-In­dus­trie­sek­tor aber im­mer­hin der zehnt­gröss­ten Volks­wirt­schaft ent­spre­chen, knapp nach Russ­land und Ita­li­en und noch vor In­di­en. Er­mu­ti­gend ist zu­dem, dass die US-In­dus­trie seit En­de 2009 ei­ne hal­be Mil­li­on Jobs ge­schaf­fen hat. Der Auf­schwung zeigt sich auch am In­dus­tri­e­in­dex der OECD. Dem­nach ist die in­dus­tri­el­le Pro­duk­ti­on in den USA seit An­fang 2011 rund 7% ge­wach­sen, wäh­rend sie im Rest der ent­wi­ckel­ten Welt durch­schnitt­lich 3% ab­ge­nom­men hat.

Für ein Re­vi­val hat die ame­ri­ka­ni­sche In­dus­trie gu­te Trumpf­kar­ten. Ei­ner­seits hat die Re­zes­si­on das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be be­son­ders hart ge­trof­fen, wes­halb die zy­kli­sche Er­ho­lung nun um­so aus­ge­präg­ter ist. Auf struk­tu­rel­ler Ebe­ne hat sich gleich­zei­tig die in­ter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit mass­geb­lich ver­bes­sert, nicht zu­letzt durch den ho­hen Au­to­ma­ti­sie­rungs­grad. Ge­mäss ei­ner Stu­die von Bos­ton Con­sul­ting macht er ei­nen ame­ri­ka­ni­schen Fa­b­rik­ar­bei­ter drei­mal so pro­duk­tiv wie ei­nen chi­ne­si­schen. Hin­zu kom­men das his­to­risch be­trach­tet nied­ri­ge Ni­veau des Dol­lars, ein ein­heit­li­cher Sprach­raum, po­li­ti­sche Sta­bi­li­tät, ge­rin­ge Kor­rup­ti­on, Re­spekt vor geis­ti­gem Ei­gen­tum so­wie ein hoch ent­wi­ckel­ter Ka­pi­tal­markt.

Gas­preis er­öff­net Chan­cen

Erst an­nä­hernd ab­schätz­bar sind die enor­men Chan­cen, die sich dem Werk­stand­ort Ame­ri­ka durch güns­ti­ge Ener­gie­kos­ten er­öff­nen. Dank neu­en Bohr­tech­ni­ken las­sen sich jetzt die im­men­sen Gas- und Öl­vor­kom­men för­dern, die bis­lang un­er­reich­bar in Schie­fer­ge­stein­for­ma­tio­nen wie Bak­ken (North Da­ko­ta), Eag­le Ford ( Te­xas) oder Mar­cel­lus (Penn­syl­va­nia) schlum­mer­ten.

Das hat den Gas­preis be­reits mas­siv ins Rut­schen ge­bracht, was spe­zi­ell Che­mie- und Raf­fi­ne­rie­un­ter­neh­men hilft. Für sie ist Gas nicht nur ein wich­ti­ger Ener­gie­trä­ger, son­dern auch ein zen­tra­ler Pro­duk­ti­ons­roh­stoff. «Wir Eu­ro­pä­er zah­len der­zeit bis zu fünf­mal mehr für Gas als die Ame­ri­ka­ner», sag­te et­wa BASF-Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Ha­rald Sch­wa­ger un­längst der «New York Ti­mes». Der deut­sche Che­mie­rie­se hat des­halb be­reits seit 2009 mehr als 5,7 Mrd. $ zum Aus­bau sei­ner Pro­duk­ti­on in Nord­ame­ri­ka in­ves­tiert.

Für In­ves­to­ren bie­ten sich di­ver­se Mög­lich­kei­ten, auf ein Come­back Ame­ri­kas zu set­zen. Die glo­ba­le Wirt­schafts­ab­küh­lung hält al­ler­dings auch USWett­be­wer­ber auf Tr­ab, was sich in den an­ste­hen­den Be­rich­ten zum ers­ten Halb­jahr ne­ga­tiv be­merk­bar ma­chen wird. Wie kräf­tig die Re­nais­sance der US-In­dus­trie ist, wird sich da­her erst auf mitt­le­re bis lan­ge Sicht zei­gen.

Gut po­si­tio­niert sind die Che­mie­kon­zer­ne DuPont und Dow Che­mi­cal oder Raf­fi­n­eu­re wie Valero Ener­gy. Der Stahl­kon­zern Nu­cor pro­fi­tiert nicht nur von güns­ti­gen Ener­gie­prei­sen, son­dern auch von der wach­sen­den Nach­fra­ge nach Boh­re­quip­ment, Pi­pe­line­röh­ren und Trans­port­ma­te­ri­al. Ei­ne klas­si­sche In­dus­trie­wet­te sind die Ti­tel des Kon­glo­me­rats Do­ver, das un­ter an­de­rem Küh­lein­rich­tun­gen, Spe­zi­al­pum­pen und Bar­code-Scan-Sys­te­me her­stellt. Auch für In­fra­struk­tu­ran­bie­ter wie den Strom­pro­du­zen­ten Cal­pi­ne oder die Ei­sen­bahn­un­ter­neh­men Uni­on Pa­ci­fic und Kan­sas Ci­ty Sou­thern bre­chen span­nen­de Zei­ten an.

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