Schwei­zer In­dus­trie packt Chan­cen in den USA

Finanz und Wirtschaft - - NCE IN AMERIKA - ANDRE­AS MEI­ER

Rie­ter stellt Be­le­bung fest – Fein­tool in­ves­tiert in die US-Au­to­in­dus­trie – ABB pro­fi­tiert von Über­nah­men in der Au­to­ma­ti­on

Ei­ne zen­tra­le Grund­la­ge für die Re­in­dus­tria­li­sie­rung der USA ist die Au­to­ma­ti­sie­rung von Pro­duk­ti­ons­ab­läu­fen. Auch wenn das Lohn­ni­veau in Ame­ri­ka ver­gli­chen mit an­de­ren In­dus­trie­na­tio­nen wie Deutsch­land, Frank­reich, Ita­li­en oder Ja­pan in den letz­ten Jah­ren wett­be­werbs­fä­hi­ger ge­wor­den ist, sind hier Schwellenländer wie Bra­si­li­en oder Chi­na noch im­mer weit im Vor­teil. Um den Un­ter­schied zu kom­pen­sie­ren, braucht die US-In­dus­trie des­halb ei­ne hoch au­to­ma­ti­sier­te Pro­duk­ti­on, da­mit der Lohn­an­teil an den Kos­ten so ge­ring wie mög­lich bleibt.

Ein Bei­spiel da­für sind Tex­til­ma­schi­nen. Als gros­ser Baum­woll­pro­du­zent ver­füg­te Ame­ri­ka lan­ge über ei­ne be­deu­ten­de Tex­til­in­dus­trie. Noch in den Acht­zi­ger­jah­ren er­ziel­te der Spinn­ma­schi­nen­her­stel­ler Rie­ter 30 bis 35% des Um­sat­zes in den USA. Dann ver­la­ger­te sich die Tex­til­in­dus­trie nach Asi­en, und heu­te kommt das US-Ge­schäft von Rie­ter ge­ra­de noch für 5 bis 10% der Ein­nah­men auf, wenn das Er­satz­teil­ge­schäft ein­ge­rech­net wird.

Doch jüngst spürt Rie­ter ei­ne Be­le­bung: «Heu­te ist ei­ne mo­der­ne Spin­ne­rei in den USA kos­ten­mäs­sig durch­aus kon­kur­renz­fä­hig mit ei­nem Werk in Chi­na», sagt Er­win Stol­ler, VR-Prä­si­dent und CEO von Rie­ter. Die Pro­duk­ti­vi­tät ei­ner neu­en Spinn­ma­schi­ne sei et­wa 20 bis 25% hö­her als vor zehn Jah­ren. «Was fehlt, sind je­doch nach­ge­la­ger­te In­dus­tri­en wie We­be­rei­en», er­gänzt er. Al­ler­dings be­stün­den Be­stre­bun­gen, in Me­xi­ko sol­che nach­ge­la­ger­ten Pro­duk­ti­ons­stu­fen hoch­zu­zie­hen.

Seit kur­zem of­fe­rie­ren ein­zel­ne USBun­des­staa­ten Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen für Ar­beits­plät­ze, die in neu­en Spin­ne­rei­en ent­ste­hen. Ziel die­ser Mass­nah­me ist es, dass mehr US-Baum­wol­le im In­land ver­ar­bei­tet wird, zu­min­dest in der ers­ten Stu­fe, der Gar­ner­zeu­gung. Rie­ter ist seit 1961 mit Ver­kaufs- und Ser­vice­bü­ros in Spartan­burg, South Ca­ro­li­na, an­säs­sig, ei­ner Re­gi­on mit lan­ger Tex­til­tra­di­ti­on.

Po­li­tik leis­tet Un­ter­stüt­zung

Ei­nen po­li­ti­schen Aspekt im Re­in­dus­tria­li­sie­rungs­trend der USA macht auch Alexander von Witz­le­ben, VR-Prä­si­dent des Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rers Fein­tool, aus: «Ei­ne der Leh­ren aus der Re­zes­si­on ist, dass Staa­ten mit ei­ner hö­he­ren In­dus­trie­quo­te bes­ser durch die Kri­se ge­kom­men sind.» Ent­spre­chend leis­ten Po­li­ti­ker Schüt­zen­hil­fe: «Es gibt ei­nen kla­ren Trend, in­dus­tri­el­le Ar­beits­plät­ze und Wert­schöp­fung im ei­ge­nen Land zu schüt­zen oder aus­zu­bau­en, ge­ra­de in der Au­to­in­dus­trie. Das gilt nicht nur für die USA, son­dern auch für Chi­na», fügt von Witz­le­ben hin­zu.

Fein­tool er­zielt mit zwei Pro­duk­ti­ons­stand­or­ten et­wa 30% des Um­sat­zes in den USA, bei stei­gen­der Ten­denz. Der­zeit wird der Stand­ort in Nash­ville, Ten­nes­see, zu ei­nem mo­der­nen Pro­duk­ti­ons­be­trieb für fein­ge­schnit­te­ne und um­ge­form­te Ge­trie­be­kom­po­nen­ten kräf­tig aus­ge­baut. Der Um­satz aus die­sem Werk soll da­durch in den nächs­ten drei Jah­ren von ge­gen­wär­tig rund 15 auf 60 Mio. $ stei­gen. Ab­neh­mer sind die Au­to­her­stel­ler vor Ort.

ABB ak­qui­riert ge­schickt

ABB hat mit den 2011 und 2012 voll­zo­ge­nen Über­nah­men der bei­den US-Un­ter­neh­men Bal­dor und Tho­mas & Betts den Um­satz­an­teil in den USA von 20% (2010) auf 30% (2012) er­höht. Ge­kauft wur­den Ge­schäf­te, die von ei­ner Re­in­dus­tria­li­sie­rung des Lan­des pro­fi­tie­ren wer­den: Nie­der­span­nungs­pro­duk­te, Au­to­ma­ti­sie­rungs­lö­sun­gen und An­triebs­tech­nik. Im Fall von Bal­dor kam ABB durch die Über­nah­me aus­ser­dem zu ei­nem eng­ma­schi­gen Ver­triebs- und Pro­duk­ti­ons­netz in den USA.

Für die Ge­schäf­te des Nie­der­span­nungs­spe­zia­lis­ten Tho­mas & Betts rech­net der Schwei­zer In­dus­trie­kon­zern in Nord- und Süd­ame­ri­ka mit ei­nem Markt­wachs­tum von 3 bis 4% in den kom­men­den Jah­ren, wäh­rend Eu­ro­pa nur 1 bis 2% zu­le­gen dürf­te.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.