Schluss­strich un­ter Hy­po­s­wiss

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - MO­NI­CA HEGG­LIN

NEin wei­te­rer tra­di­ti­ons­rei­cher Na­me ver­schwin­det – St. Gal­ler KB ver­kauft Tei­le der Hy­po­s­wiss und in­te­griert den Rest

un wird ein 120-jäh­ri­ges In­sti­tut zer­schla­gen. Die Hy­po­s­wiss, 2002 von der UBS er­wor­ben, hat sich in den letz­ten Jah­ren für die St. Gal­ler Kan­to­nal­bank (SGKB) zu ei­nem Alb­traum ent­wi­ckelt. Der Schluss­strich un­ter das Ka­pi­tel Hy­po­s­wiss wur­de von den In­ves­to­ren denn auch be­grüsst. Der Kurs der Ak­ti­en SGKB, der auf Jah­res­tief stand, leg­te nach An­kün­di­gung die­ser Neu­ig­keit deut­lich zu. Die Hy­po­s­wiss-Ber­ei­ni­gung wird die SGKB-Rech­nung mit 7 Mio. Fr. be­las­ten, teil­te die Bank mit. Das auf die Ver­mö­gens­ver­wal­tung kon­zen­trier­te In­sti­tut be­schäf­tigt 160 Per­so­nen und be­treut 2,4 Mrd. Fr. Ver­mö­gen.

Die St. Gal­ler Kan­to­nal­bank will sich künf­tig auf den Heim­markt Ost­schweiz so­wie die Märk­te üb­ri­ge Schweiz und Deutsch­land fo­kus­sie­ren. Die Be­ar­bei­tung von Märk­ten in al­ler Welt fin­det da­mit ein En­de.

Denn un­ter den ver­schärf­ten re­gu­la­to­ri­schen Be­din­gun­gen wä­re mehr Vo­lu­men nö­tig ge­we­sen, um das Ge­schäft ren­ta­bel zu be­trei­ben. «Dies wä­re nur mit zu­sätz­li­chen In­ves­ti­tio­nen und Ak­qui­si­tio­nen so­wie ei­nem ent­spre­chend an­spruchs­vol­len Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess er­reich­bar. Die­se Ge­wichts­ver­la­ge­rung wür­de nicht dem Pro­fil der SGKB ent­spre­chen», heisst es in der Mit­tei­lung. Des­halb trennt sich das In­sti­tut von der Hy­po­s­wiss Pri­va­te Bank Genè­ve so­wie vom Ost­eu­ro­pa- und vom Latein­ame­ri­ka­ge­schäft der Hy­po­s­wiss.

Hy­po­s­wiss wei­ter­hin in Genf

Die üb­ri­gen Ge­schäfts­fel­der der Hy­po­s­wiss wer­den per 1. Ja­nu­ar 2014 in die SGKB in­te­griert, wie das In­sti­tut am Don­ners­tag mit­teil­te. Sie be­fas­sen sich vor­wie­gend mit der Ver­mö­gens­ver­wal­tung in der Schweiz und in Deutsch­land, die von Zü­rich aus be­trie­ben und zu­künf­tig als Pri­va­te Ban­king Markt­re­gi­on Deutsch­schweiz der SGKB am bis­he­ri­gen Stand­ort wei­ter­ge­führt wer­den soll. Eben­so in Zü­rich ver­bleibt das In­vest­ment Cen­ter, das als An­la­ge­kom­pe­tenz­zen­trum für die ge­sam­te SGKB-Grup­pe fun­giert.

Ver­kauft wird die Hy­po­s­wiss Pri­va­te Bank Genè­ve an die Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft Mi­re­lis In­vest Trust, das latein­ame­ri­ka­ni­sche Ge­schäft an die Ban­que Pri­vée Espi­ri­to San­to (BPES) und das Ost­eu­ro­pa­ge­schäft an die Fal­con Pri­va­te Bank in Zü­rich. Die Fal­con Pri­va­te Bank be­fin­det sich im Be­sitz von Aa­bar, dem Staats­fonds von Abu Dha­bi. Über den Ver­kaufs­preis sei zwi­schen den Ver­trags­part­nern Still­schwei­gen ver­ein­bart wor­den, wur­de aus­ge­führt.

Mi­re­lis In­vest Trust sei Teil der seit 1949 in Genf be­hei­ma­te­ten Mi­re­lis Fi­nan­ci­al Group, heisst es. Die er­wor­be­ne Bank wer­de ihr Ge­schäft un­ter dem bis­he­ri­gen Na­men Hy­po­s­wiss Pri­va­te Bank Genè­ve wei­ter­füh­ren. Der Na­me Hy­po­s­wiss wird al­so dort er­hal­ten blei­ben, wo er kei­ne Tra­di­ti­on hat.

«Die bis­he­ri­ge Stra­te­gie der SGKB mit der Kon­zen­tra­ti­on auf die bei­den Ge­schäfts­fel­der An­la­ge­ge­schäft und Zins­ge- schäft hat sich be­währt und wird wei­ter­ge­führt. Die nun ein­ge­lei­te­te Fo­kus­sie­rung er­folgt auf­grund der ge­gen­wär­ti­gen fun­da­men­ta­len Ve­rän­de­run­gen im Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­schäft», führt die St. Gal­ler Kan­to­nal­bank in der Me­di­en­mit­tei­lung aus.

Die Hy­po­s­wiss wur­de zu­letzt auch im Zu­sam­men­hang mit dem US-Steu­er­streit er­wähnt. Es wur­de spe­ku­liert, dass die SGKB über ih­re Toch­ter un­ver­steu­er­te USGel­der ent­ge­gen­ge­nom­men ha­be. Der Na­me Hy­po­s­wiss steht an­schei­nend auf ei­ner Leaver-Lis­te der UBS, als ei­ne der Ban­ken, die als Flucht­ort für ame­ri­ka­ni­sche UBS-Kun­den dien­ten. Der Ver­kauf ste­he nicht in die­sem Zu­sam­men­hang, er­klär­te der Spre­cher ge­gen­über AWP. Die SGKB ha­be 2011 ent­schie­den, sich aus dem US-Ge­schäft zu­rück­zu­zie­hen. Zu­dem ha­be sie kei­ne Hin­wei­se dar­auf, dass sie ins Vi­sier der US-Jus­tiz­be­hör­den ge­ra­ten sei, sag­te er wei­ter. 2011 scheint al­ler­dings ein im Ver­gleich mit an­de­ren Schwei­zer Ban­ken ziem­lich spä­ter Zeit­punkt für den Aus­stieg aus dem US-Ge­schäft ge­we­sen zu sein.

Je­den­falls war die Hy­po­s­wiss mit Pro­ble­men kon­fron­tiert – bei­spiels­wei­se Geld­wä­sche­rei­vor­wür­fen im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Streit zwi­schen rus­si­schen Olig­ar­chen –, die eher mit Nai­vi­tät oder Geld­gier er­klärt wer­den kön­nen als mit den ver­än­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen. Die gröss­ten Schwie­rig­kei­ten schie­nen haus­ge­macht. 2008 über­nahm die St. Gal­ler Kan­to­nal­bank die Gen­fer Pri­vat­bank Ang­lo Irish Bank (Suis­se) mit ih­ren Stand­or­ten Genf, Lis­s­a­bon und Por­to und be­nann­te sie in Hy­po­s­wiss Pri­va­te Bank Genè­ve um. Fi­nan­zi­ell soll das ein De­sas­ter ge­we­sen sein.

2013 gu­te Ent­wick­lung

Seit Mai 2009 ist die St. Gal­ler Kan­to­nal­bank mit ei­ner hun­dert­pro­zen­ti­gen Toch­ter­ge­sell­schaft in München ver­tre­ten. Ih­re Eck­wer­te sind noch we­nig er­bau­lich. Doch aus stra­te­gi­schen Grün­den wird dar­an fest­ge­hal­ten. «Mit dem Stand­ort in Zü­rich und dem suk­zes­si­ven Aus­bau der Toch­ter­bank in München wird das vor­han­de­ne Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al im Pri­va­te Ban­king in den de­fi­nier­ten Kern­märk­ten kon­se­quent ge­nutzt. Die Fo­kus­sie­rung re­du­ziert die un­ter­neh­me­ri­schen Ri­si­ken», schreibt die Bank.

Im Wei­te­ren mach­te St. Gal­ler Kan­to­nal­bank An­ga­ben zur Ge­schäfts­ent­wick­lung des lau­fen­den Jah­res. Die ers­ten fünf Mo­na­te hät­ten sich ope­ra­tiv er­freu­lich ent­wi­ckelt, schreibt sie. Bei ei­nem um 3% hö­he­ren Be­triebs­er­trag und bei 1% tie­fe­ren Kos­ten sei der Brut­to­ge­winn im lau­fen­den Jahr ge­gen­über der Vor­jah­res­pe­ri­ode 7% ge­stie­gen. Für den Rest des Jah­res ge­hen die Ver­ant­wort­li­chen der St. Gal­ler Kan­to­nal­bank wei­ter von ei­ner so­li­den Ge­schäfts­ent­wick­lung aus.

Die Hy­po­s­wiss-Zer­schla­gung macht für die St. Gal­ler Kan­to­nal­bank den Weg frei.

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