Der Ma­kro-con­tra­ri­an: Sieht er Ge­spens­ter?

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - TM

Wäh­rend Ja­pan ver­zwei­felt ver­sucht, über ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik zu mehr In­fla­ti­on zu kom­men, und Eu­ro­pa in der Re­zes­si­on darbt, warnt die BIZ vor Teue­rung und feh­len­der Fis­kal­dis­zi­plin.

re­ha­bi­li­tie­ren. De­ren Be­für­wor­ter muss­ten seit et­wa Mit­te 2012 – frü­hes­tens seit der Wahl von François Hol­lan­de im Mai und spä­tes­tens seit EZBPrä­si­dent Ma­rio Drag­his Be­kennt­nis zum Eu­ro im Ju­li – schlei­chend von der Klä­ger­sei­te auf die An­kla­ge­bank wech­seln. An­fang 2013 gab der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) zu, den ne­ga­ti­ven Ein­fluss des Spa­rens auf das Wachs­tum – den Fis­kal­mul­ti­pli­ka­tor – un­ter­schätzt zu ha­ben. Die nächs­te Pein­lich­keit folg­te im April, als sich zeig­te, dass die von Car­men Rein­hart und Ken­neth Rog­off ge­zo­ge­ne Gren­ze der Schul­den­quo­te von 90%, ab der das Wachs­tum be­hin­dert wer­de, auf ei­nem Re­chen­feh­ler be­ruht. Seit­her hat es das Spa­ren noch schwe­rer.

Die BIZ zi­tiert nun aber gleich meh­re­re Stu­di­en, dar­un­ter auch die von Rog­off und Rein­hart, die al­le­samt zei­gen sol­len, dass ei­ne Quo­te ab 80% die künf­ti­ge Wachs­tums­ra­te be­ein­träch­tigt. Das Ar­gu­men­ta­ri­um er­scheint ta­del­los: Mit den Schul­den wach­sen die Zins­zah­lun­gen, der Staat hat we­ni­ger für pro­duk­ti­ve Aus­ga­ben üb­rig. Die Steu­ern stei­gen, was Kom­pe­ti­ti­vi­tät und Kon­sum senkt. Die Ri­si­ko­prä­mi­en zie­hen an, wo­mit auch die Fi­nan­zie­rung der Un­ter­neh­men teu­rer wird. In­ves­ti­tio­nen und Wachs­tum sin­ken. Die BIZ nahm üb­ri­gens vor al­lem die In­dus­trie­län­der in die Spar­pflicht, wo­bei sie für ein­mal den üb­li­chen Un­ver­däch­ti­gen zu ho­he Spen­dier­freu­de vor­warf. Doch nach dem Be­richt ha­gel­te es Kri­tik: Ers­tens sei die Fis­kal­po­li­tik in der ge­gen­wär­ti­gen Kri­se weit we­ni­ger ex­pan­siv ge­we­sen als in frü­he­ren Re­zes­sio­nen. Wenn es zu­dem wahr wä­re, wie die BIZ be­haup­te, dass die Zen­tral­ban­ken seit drei­zehn Jah­ren zu ex­pan­siv sei­en und die Zin­sen zu nied­rig, müss­ten wir längst mas­siv hö­he­re In­fla­ti­on be­ob­ach­ten. In der An­wen­dung der Tay­lor-Re­gel ha­be die BIZ ver­ges­sen, dass der dar­in ein­flies­sen­de rea­le Gleich­ge­wichts­zins we­gen der – auch re­zes­si­ons­be­dingt – ge­stie­ge­nen Er­spar­nis­se wo­mög­lich nied­ri­ger lie­ge als frü­her.

Wie dem auch sei: der Jah­res­be­richt war be­reits ge­druckt, als der Chef der US-No­ten­bank Ben Bernan­ke ver­gan­ge­ne Wo­che er­klärt hat­te, dass das Fed schon die­ses Jahr be­gin­nen könn­te, die An­lei­hen­käu­fe zu­rück­zu­fah­ren. Die­se könn­ten Mit­te 2014 aus­lau­fen. Wenn Ca­rua­na al­so Ge­spens­ter sieht, dann ist er we­nigs­tens nicht ganz al­lein.

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