Ein Gift­cock­tail

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AN

Die An­kün­di­gung der US-Zen­tral­bank, die mo­nat­li­chen An­lei­hen­käu­fe schritt­wei­se zu­rück­zu­fah­ren, falls sich die Wirt­schafts­la­ge wei­ter bes­sert, hat die Märk­te er­schreckt. Sinkt die künst­li­che Li­qui­di­täts­zu­fuhr, die bis­her aus­reich­te, um ei­nen Gross­teil der neu emit­tier­ten US-Staats­an­lei­hen ab­zu­schöp­fen, wer­den die Ka­pi­tal­markt­ren­di­ten stei­gen. Da­zu kommt es selbst, wenn das Fed den Leit­zins noch zwei Jah­re auf Null be­hält. Dies­be­züg­lich lässt die Zen­tral­bank die Märk­te im Un­kla­ren.

Die­se Un­ge­wiss­heit ver­bun­den mit der Er­war­tung hö­he­rer Markt­ver­zin­sun­gen in den USA be­deu­tet Gift für vie­le spe­ku­la­ti­ve Tra­dingstra­te­gi­en. An ers­ter Stel­le sind dies so­ge­nann­te Car­ry Tra­des: Ge­schäf­te, die die Zins­dif­fe­ren­zen zwi­schen Wäh­rungs­räu­men aus­nut­zen. An­le­ger ver­schul­den sich in ei­ner mög­lichst zins­güns­ti­gen Wäh­rung wie dem Dol­lar und le­gen den Be­trag in ei­ner an­de­ren hoch ver­zins­ten Wäh­rung (z. B. aus­tra­li­sche Dol­lar) an. Vor­aus­set­zung für den Er­folg: Die Ver­schul­dungs­wäh­rung, die in der Re­gel leer ver­kauft wird, darf sich nicht auf­wer­ten und die Vo­la­ti­li­tät muss nied­rig sein, weil sonst die Kos­ten (Car­ry) nach oben schies­sen. Bei­des ist nun ein­ge­tre­ten. Die Car­ry Tra­des loh­nen sich nicht mehr, wer­den ge­schlos­sen und hier­zu Dol­lar ge­kauft. hal­ten. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank denkt über wei­te­re Zins­sen­kun­gen nach, die den Eu­ro be­las­ten. Hedge Funds ha­ben die Zei­chen früh er­kannt. Schon vor Wo­chen er­höh­ten sie die Kauf­po­si­tio­nen in Dol­lar ge­gen Eu­ro, Pfund, Fran­ken und Yen. Der Kurs hat sich seit Bernan­kes Auf­tritt 2 Rp. auf 0.94 Fr./$ resp. 3 US-Ct. auf 1.31 $/€ ge­fes­tigt. Für die Bank Mor­gan St­an­ley ist die Dol­lar­ral­ly da­mit ein­ge­lei­tet. Bis zum drit­ten Quar­tal wird er sich bis 1.20 $/€ auf­wer­ten. 1 $ wird dann 1.12 Fr./$ kos­ten. Bar­clays pro­gnos­ti­ziert 1.23, So­cié­té Gé­né­ra­le 1.24 $/€.

In den Schwei­zer Gross­ban­ken herrscht da­ge­gen Skep­sis ge­gen­über solch ho­hen Er­war­tun­gen. CS und UBS ar­gu­men­tie­ren, dass in kur­zer Frist ein fes­te­rer Dol­lar wahr­schein­lich sei, er aber in der Zwölf­mo­nats­frist seit­wärts ten­die­re (1.33 resp. 1.34 $/€). «Ho­he Ren­di­ten sind po­si­tiv für den Dol­lar», sagt Tom Flu­ry von UBS, «aber bis die Ver­zin­sung ge­nü­gend hoch ist, wer­den die An­lei­hen­kur­se fal­len und vie­le In­ves­to­ren US-Bonds ver­kau­fen.»

Das Ar­gu­ment ist be­rech­tigt. Ers­te Da­ten las­sen in­des hof­fen. Die Gel­der wer­den nicht aus den USA ab­ge­zo­gen, son­dern am US-Geld­markt ge­parkt (vgl. Gra­fik). Die Er­war­tung ei­ner Auf­wer­tung lockt An­le­ger in die USA, und un­ter die­sem gu­ten Stern steht der Dol­lar erst­mals in die­sem Jahr­tau­send.

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