Gold un­ter­wegs in Rich­tung 1000 $

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ALEXANDER TRENTIN

Ra­pi­der Preis­zer­fall am Gold­markt auf 1180 $ je Un­ze – Nied­rigs­te No­tie­rung seit Au­gust 2010 – Wo liegt der Tief­punkt?

Bei den gros­sen Ban­ken kom­men die Ana­lys­ten gar nicht mehr nach, ih­re Preis­zie­le für Gold nach un­ten an­zu­pas­sen. Seit An­fang Mo­nat hat das Edel­me­tall rund 14% an Wert ver­lo­ren. Als am Don­ners­tag­abend der Goldpreis auf 1180 $ je Fein­un­ze ge­sun­ken ist, wur­den auch die pes­si­mis­tischs­ten der Edel­me­tal­l­ana­lys­ten vom Markt un­ter­bo­ten. Für die­ses Jahr wur­den die ur­sprüng­lich schon nicht op­ti­mis­ti­schen Preis­zie­le nicht ge­senkt und lie­gen nun oft Hun­der­te Dol­lar über dem jet­zi­gen Preis.

Nicht an­ders als die Ex­per­ten sind auch vie­le An­le­ger vom Ausverkauf der Edel­me­tal­le über­rascht. Wie Gold no­tiert auch Sil­ber auf dem nied­rigs­ten Stand seit Au­gust 2010. Der Pla­tin­preis be­wegt sich auf dem Ni­veau von 2009. Der Preis­rutsch be­stärkt sich selbst: Ge­mäss dem Bloom­berg-Stim­mungs­in­di­ka­tor un­ter Gold­händ­lern sind nur noch 23% bul­lish – das ist der nied­rigs­te Wert seit Ju­li 2009. Da­her spre­chen Markt­be­ob­ach­ter schon von ei­ner Über­re­ak­ti­on und se­hen ei­ne Ein­stiegs­mög­lich­keit (vgl. Sei­te 33). Doch auch wenn die An­le­ger nun mit Pa­nik­ver­käu­fen über­re­agie­ren, wird dem hoch­vo­la­ti­len Edel­me­tall ein wei­te­rer Kurs­rutsch zu­ge­traut.

ETF be­schleu­nigt Preis­sturz

Grund für die star­ken Preis­be­we­gun­gen der letz­ten Jah­re ist ein Wan­del bei den In­ves­to­ren: Über bör­sen­ge­han­del­te Fonds (ETF) konn­ten sie ein­fach und schnell am schein­bar im­mer wei­ter stei­gen­den Goldpreis par­ti­zi­pie­ren. Da­ge­gen spiel­ten die An­le­ger, die den per­sön­li­chen Be­sitz von Bar­ren und Mün­zen be­vor­zu­gen, ei­ne klei­ne­re Rol­le beim Preis­an­stieg der ver­gan­ge­nen Jah­re. Der Ab­fluss aus den ETF hat da­mit den Sturz des Gold­prei­ses zu­min­dest be­schleu­nigt (vgl. Kas­ten rechts).

Bei ei­ner Preis­un­ter­gren­ze für Gold schei­nen sich zwei Denk­schu­len ge­gen­über­zu­ste­hen. Die ei­ne ver­sucht, ei­nen in­ne­ren Wert des Edel­me­talls ab­zu­ste­cken, die an­de­re will Nach­fra­ge und An­ge­bot ana­ly­sie­ren. Ei­nen in­ne­ren Wert zu be­stim­men, ist schwie­rig bei ei­ner An­la­ge, die we­der jetzt noch in Zu­kunft ei­nen Cash­flow lie­fert. Der ei­gent­li­che Wert von Gold ist da­mit völ­lig sub­jek­tiv. Ei­ne re­la­ti­ve Ana­ly­se er­scheint sinn­vol­ler: So wird oft die stark ex­pan­die­ren­de Zen­tral­bank­geld­men­ge in der ent­wi­ckel­ten Welt als trei­ben­der Fak­tor ge­se­hen – et­wa als In­di­ka­tor für ei­ne zu­künf­ti­ge In­fla­ti­ons­ge­fahr. Wür­de der Goldpreis et­wa im Tan­dem mit der Fed-Bi­lanz stei­gen, wä­re Gold nach der Kor­rek­tur ein Schnäpp­chen.

Kaum In­fla­ti­on zu se­hen

Doch ob­wohl die No­ten­bank­bi­lan­zen in den USA und Ja­pan wei­ter wach­sen, ist von In­fla­ti­ons­druck we­nig zu se­hen. Schon vor ei­nem Jahr ar­gu­men­tier­te der US-Öko­nom Camp­bell Har­vey, dass Gold über­wer­tet sei, neh­me man denn die rea­li­sier­te In­fla­ti­on als Mass­stab. Nach sei­ner Ana­ly­se liegt der in­ne­re Wert von Gold um 800 $ je Fein­un­ze, legt man den US-Kon­su­men­ten­preis­in­dex seit 1950 zu­grun­de.

Im Ge­gen­satz zum Wert kön­nen die Kos­ten des Hal­tens von Gold im Port­fo­lio bes­ser be­zif­fert wer­den: Die rea­le Ren­di­te – al­so Markt­zin­sen mi­nus In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen – zeigt, was In­ves­to­ren auf­ge­ben müs­sen, wenn sie An­la­gen oh­ne Ren­di­te im Port­fo­lio hal­ten. Die Re­al­ren­di­te ist in den letz­ten Wo­chen glo­bal stark ge­stie­gen. In den USA liegt sie lang­fris­tig bei 0,4% – noch An­fang Ju­ni war sie ne­ga­tiv. Har­vey sieht die­se Kos­ten aber als kaum re­le­vant: Ei­ne Gold­hausse wer­de von Angst be­feu­ert, nicht nied­ri­gen Zin­sen.

Be­son­ders in den Blick­punkt ist ge­ra­ten, wann Mi­nen auf­hö­ren könn­ten, neu­es Gold zu för­dern (vgl. Ar­ti­kel un­ten). Der Reu­ters-Di­enst GFMS schätzt die durch­schnitt­li­chen Pro­duk­ti­ons­kos­ten auf 1211 $ je Un­ze. 44% der Pro­duk­ti­on wä­ren ver­lust­brin­gend, falls der Preis un­ter 1150 $ sän­ke. Doch dar­in sind Fix- und Ka­pi­tal­kos­ten ein­ge­glie­dert, da­her sind kurz­fris­tig die rei­nen Grenz­kos­ten zu be­ach­ten. So­cié­té Gé­né­ra­le sieht die­se um die 740 $ – mit Ab­schrei­bun­gen bei 928 $. Ei­ne spür­bar ge­rin­ge­re För­de­rung sieht die Bank da­her frü­hes­tens bei ei­nem Goldpreis von 1000 $ je Un­ze.

Auf der Nach­fra­ge­sei­te ver­kau­fen die ETF-An­le­ger im­mer schnel­ler: Seit An­fang Jahr ha­ben sie über 500 Ton­nen Gold aus ETF ab­ge­stos­sen. Gleich­zei­tig wer­den aber mehr Bar­ren und Mün­zen er­wor­ben. So hat sich die Prä­mie für die phy­si­sche Gold­lie­fe­rung in In­di­en die­se Wo­che ver­dop­pelt, da we­gen Im­port­be­schrän­kun­gen nicht ge­nug Gold ins Land kommt. Doch laut SocGen sind die ETF-Ver­käu­fe zu gross, um von an­de­ren Käu­fer­grup­pen kom­pen­siert zu wer­den.

Die We­ge, ei­nen Min­dest­preis fest­zu­le­gen, sind zu­min­dest kurz­fris­tig un­zu­ver­läs­sig: Bes­sert sich die An­le­ger­stim­mung nicht, kön­nen auch ei­ne zu­rück­ge­hen­de För­de­rung oder mehr Käu­fe aus Schwel­len­län­dern den Goldpreis nicht hal­ten. Ist al­les Gold noch da? Bank of En­g­land, seit­dem ha­ben die Bar­ren rund 30% ih­res Werts ein­ge­büsst.

Die Queen in­spi­zier­te im De­zem­ber die Gold­re­ser­ven der

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