Gold­mi­nen im dunk­len Tal

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - GRE­GOR MAST

Bran­che er­war­tet ei­ne Flut von Ab­schrei­bun­gen – Ak­qui­si­ti­ons­po­li­tik der letz­ten Jah­re rächt sich – Be­wer­tun­gen auf Kri­sen­ni­veau

Im Mo­ment spricht we­nig für Gold­ak­ti­en. Seit An­fang Jahr hat sich der Phil­adel­phi­aGold-und-Sil­ber­mi­nen­in­dex fast hal­biert – ein ve­ri­ta­bler Crash. Der freie Fall des Gold­prei­ses, der seit Jah­res­be­ginn rund 30% ver­lo­ren hat, las­tet di­rekt auf Um­satz und Ge­winn, wäh­rend mög­li­che Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen und Ab­schrei­bun­gen für zu­sätz­li­chen Druck sor­gen.

Der Fall New­crest Mi­ning ver­deut­licht, was den Mi­nen­wer­ten be­vor­ste­hen dürf­te. Die Aus­tra­li­er ha­ben An­fang Ju­ni den Wert ih­rer Re­ser­ven um 5,5 Mrd. $ be­rich­tigt – der grösste ein­ma­li­ge Ab­schrei­ber in der Ge­schich­te der Gold­mi­nen­bran­che. Der Be­trag ent­spricht rund ei­nem Drit­tel des Buch­werts. Über die letz­ten sech­zehn Mo­na­te ha­ben die För­de­rer be­reits 17 Mrd. $ ab­ge­schrie­ben. Die­ser Be­trag dürf­te dem­nächst an­schwel­len, denn be­reits wird spe­ku­liert, ob die Markt­füh­rer Bar­rick Gold und New­mont Mi­ning bald noch grös­se­re Be­rich­ti­gun­gen be­kannt­ge­ben wer­den. Die Ab­schrei­bun­gen schmä­lern Ge­winn und Ei­gen­ka­pi­tal und wer­den mit an Si­cher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit auch Di­vi­den­den­kür­zun­gen zur Fol­ge ha­ben. Evy Ham­bro, Ma­na­ger des World Mi­ning und World Gold Fund bei Black­Rock, sieht gar den Plei­te­gei­er krei­sen.

Nun rächt sich die oft fehl­ge­lei­te­te Ak­qui­si­ti­ons­po­li­tik der letz­ten Jah­re. Ge­mäss Bloom­berg ga­ben die För­de­rer im Ver­lauf der Gold­hausse 195 Mrd. $ für Über­nah­men aus, weil ihr Fo­kus auf Pro­duk­ti­ons­wachs­tum lag – kos­te es, was es wol­le. Da die­se In­ves­ti­tio­nen meist überzahlt wur­den, lie­gen nun die viel­leicht le­bens­be­droh­li­chen Ab­schrei­bun­gen in der Luft.

För­de­rer re­agie­ren

Die Mi­nen ha­ben auf den Preis­sturz re­agiert und ver­schie­de­ne Pro­jek­te auf die lan­ge Bank ge­scho­ben. Schon vor dem Ein­bruch des Gold­prei­ses dreh­te sich das CEO-Ka­rus­sell im­mer schnel­ler, weil die Un­ter­neh­mens­len­ker die Kon­se­quen­zen ih­rer ver­fehl­ten Ex­pan­si­ons­stra­te­gie tra­gen und den Hut neh­men muss­ten. Die be­reits seit län­ge­rem zu be­ob­ach­ten­de Ver­schie­bung der Prio­ri­tä­ten hin zu hö­he­rer Pro­fi­ta­bi­li­tät dürf­te durch den Gold­crash noch be­schleu­nigt wer­den.

Trotz­dem sind die Mei­nun­gen ge­teilt, ob die da­hin­schmel­zen­den No­tie­run­gen auch zu Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen füh­ren wer­den. Ge­mäss Mark Cu­ti­fa­ni, CEO von Ang­lo Ame­ri­can, wird das Aus­mass der Kür­zun­gen über­ra­schen. Die Ana­lys­ten von So­cié­té Gé­né­ra­le sind skep­ti­scher und er­war­ten grös­se­re Ein­schnit­te erst bei Un­zen­prei­sen un­ter 1000 $, weil die va­ria­blen Pro­duk­ti­ons­kos­ten weit un­ter den Ge­samt­kos­ten lie­gen.

Heil­sa­mer Kurs­schock

Durch den Kol­laps sind die Be­wer­tun­gen des Sek­tors auf Aus­ver­kaufs­ni­veau ge­fal­len (vgl. Gra­fik). Klar scheint auch, dass der Kurs­schock ei­ne heil­sa­me Wir­kung ent­fal­ten könn­te, so­fern er das Um­den­ken in der Bran­che be­schleu­nigt und zu ei­ner Ber­ei­ni­gung führt.

Al­ler­dings gilt es, Fall­stri­cke zu ver­mei­den und auf Un­ter­neh­men mit nied­ri­gen Ge­samt­kos­ten und so­li­den Bi­lan­zen zu set­zen. Ham­bro hielt in sei­nem Fonds per 30. April un­ter an­de­ren Ti­tel von New­crest Mi­ning, Gold­corp, Ya­ma­na Gold und Eldorado Gold.

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