Der Loo­nie lahmt

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - BER­NA­DET­TE CALONEGO,

Der ka­na­di­sche Dol­lar ver­liert sei­nen Glanz als si­che­rer Ha­fen und büsst zum Dol­lar an Bo­den ein. Es gibt aber auch Ge­win­ner in die­sem Sze­na­rio.

Weil sich die US-Wirt­schaft er­holt, ist die Wäh­rung des Nach­bar­lan­des ins Wan­ken ge­ra­ten. An­fang die­ser Wo­che sank der ka­na­di­sche Dol­lar un­ter 95 USCent auf den tiefs­ten Stand seit knapp zwei Jah­ren. Drei Jah­re lang hat­te er fast gleich­auf zum Dol­lar no­tiert. Aber am Mon­tag fiel er zeit­wei­se auf 94,75 USCent. Be­reits letz­te Wo­che ver­lor er 3 USCent. In­zwi­schen hat sich der Kurs et­was sta­bi­li­siert, trotz­dem rech­nen Ex­per­ten mit­tel­fris­tig mit 90 US-Cent.

Fed-Ef­fekt und Roh­stof­fe

Die An­deu­tung von Fed-Chef Ben Bernan­ke, wo­nach die USA lang­sam aus der ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik aus­stei­gen könn­te, wirkt sich auch auf Ka­na­da aus. Bernan­kes Be­mer­kung, zu­sam­men mit po­si­ti­ven Wirt­schafts­nach­rich­ten, hat die US-Wäh­rung deut­lich ge­stärkt. Gleich­zei­tig sind die Prei­se für Roh­stof­fe wei­ter ge­fal­len. Der ka­na­di­sche Dol­lar, oft auch Pe­tro-Dol­lar ge­nannt, hängt stark von den Roh­stoff­prei­sen ab.

Da sich die Nach­fra­ge aus Chi­na ver­rin­gert hat, dürf­ten die Roh­stoff­prei­se wei­ter fal­len – und mit ih­nen der Kurs des Loo­nie, wie der ka­na­di­sche Dol­lar auch nach ei­nem Vo­gel ge­nannt wird.

Es gibt in­des Ana­lys­ten, die ei­nen an­de­ren Ein­fluss auf die Wäh­rung se­hen. Da­vid Mada­ni von Ca­pi­tal Eco­no­mics in To­ron­to er­war­tet, dass sich das Ge­fäl­le beim Zins­ni­veau zu­guns­ten der USA ver­schiebt und da­durch der Kurs des ka­na­di­schen Dol­lars nach un­ten ge­drückt wird. Mada­ni schätzt, dass der Loo­nie bis En­de Jahr auf 93 US-Cent und bis En­de 2014 auf 90 US-Cent fal­len könn­te. «Der ka­na­di­sche Dol­lar dürf­te den Glanz ei­nes si­che­ren Ha­fens für aus­län­di­sche In­ves­to­ren ver­lie­ren», sagt Mada­ni.

Ab­hän­gig von den USA

Aber es gibt auch Ge­win­ner in ei­nem sol­chen Sze­na­rio: die ka­na­di­sche Ex­port­in­dus­trie im All­ge­mei­nen, die nicht nur von ei­nem schwä­che­ren Loo­nie pro­fi­tie­ren wird, son­dern auch von ei­ner ver­bes­ser­ten Wirt­schafts­la­ge in den USA. Über 80% der Ex­por­te wer­den in den USA ab­ge­setzt. Ein Kurs­rück­gang wird auch Un­ter­neh­men, die Toch­ter­fir­men in den USA be­sit­zen, Wäh­rungs­ge­win­ne brin­gen. Da­zu ge­hö­ren et­wa die Ver­si­che­rungs­grup­pen Sun Li­fe Fi­nan­ci­al und Ma­nu­li­fe Fi­nan­ci­al oder die To­ron­to-Do­mi­ni­on Bank so­wie der Ka­li­dün­ger­her­stel­ler Agri­um und der Mi­nen­kon­zern Teck Re­sour­ces.

An­ders ver­läuft die Ent­wick­lung im Im­mo­bi­li­en­sek­tor: In den USA er­höht er be­reits das Wachs­tum, in Ka­na­da be­ein­träch­tigt er es. Dort be­steht wei­ter­hin das Ri­si­ko ei­ner dra­ma­ti­schen Preis­kor­rek­tur bei den Im­mo­bi­li­en, die sich auch auf den Loo­nie aus­wir­ken wür­de.

Mit ei­nem Kol­laps des ka­na­di­schen Dol­lars rech­net die Na­tio­nal Bank of Ca­na­da in Mon­tre­al in­des nicht. Die sechst­gröss­te Bank Ka­na­das er­war­tet, dass der Loo­nie 2014 um 95 US-Cent no­tie­ren wird. Sie glaubt aber, dass er zu an­de­ren Wäh­run­gen von Roh­stoff­län­dern wie Aus­tra­li­en bes­ser ab­schnei­den dürf­te, weil Ka­na­da von ei­ner zu­neh­men­den Nach­fra­ge nach Roh­stof­fen aus den USA pro­fi­tie­ren soll­te.

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