Il­li­qui­di­tät hat ih­ren Preis

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TM

Die stren­ge­re Ban­ken­re­gu­lie­rung hat da­zu ge­führt, dass Ban­ken ih­re Bi­lan­zen zu­rück­fah­ren oder ih­re Ei­gen­ka­pi­tal­ba­sis auf­bau­en müs­sen. Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IFW) schätzt, dass die Bran­che ih­re An­la­gen um 3 bis 6 Bio. € schrump­fen muss (vgl. Gra­fik un­ten). Die Le­ver­a­ge Ra­tio, das Ver­hält­nis von Bi­lanz­sum­me zu Ei­gen­ka­pi­tal, ist in Eu­ro­pa noch viel grös­ser als in den USA, wo die­ser Re­struk­tu­rie­rungs­pro­zess wei­ter fort­ge­schrit­ten ist.

Die Schuld­ner­welt hat sich ge­spal­ten: ei­ner­seits ko­tier­te Fir­men, die sich auf den Ka­pi­tal­märk­ten leicht fi­nan­zie­ren kön­nen, an­de­rer­seits klei­ne Schuld­ner, Ein­zel­pro­jek­te und Mez­za­ni­n­eFi­nan­zie­run­gen (ei­ne Misch­form von Fremd- und Ei­gen­ka­pi­tal), de­ren Fi­nan­zie­rung über Ban­ken oder struk­tu­rier­te Pro­duk­te weg­ge­bro­chen ist.

Ban­ken prü­fen die Bi­lan­zen

Hier öff­net sich In­ves­to­ren ei­ner der letz­ten Kre­dit­märk­te mit Mehr­ren­di­te, die noch nicht von den Mas­sen auf der Su­che über­rannt wur­den. Die Il­li­qui­di­tät ist hier ge­ra­de ver­ant­wort­lich für die Prä­mie, die der An­le­ger er­hält.

Ge­mäss Rai­mund See­hol­zer, Port­fo­lio­ma­na­ger bei LGT Ca­pi­tal Part­ners, ist in Eu­ro­pa das Po­ten­zi­al von Kre­di­ten mit li­mi­tier­ter Li­qui­di­tät hö­her als in den USA. «Die Ban­ken durch­fors­ten der­zeit ih­re Bi­lan­zen, um die Ei­gen­ka­pi­tal­un­ter­le­gung zu op­ti­mie­ren.» Der Ver­kauf der An­la­gen sei oft kei­ne Op­ti­on, da dies nur mit Ver­lus­ten mög­lich sei, die die Ei­gen­mit­tel zu­sätz­lich be­las­te­ten.

Hier kom­men so­ge­nann­te re­gu­la­to­ri­sche Bi­lanz­trans­ak­tio­nen ins Spiel: Trans­ak­tio­nen, wo Tran­chen ei­nes Kre­dit­port­fo­li­os ver­kauft wer­den. Der da­mit ver­bun­de­ne Ri­si­ko­trans­fer re­du­ziert die Ei­gen­mit­tel­an­for­de­rung ei­ner Bank.

«Der An­le­ger hat die Mög­lich­keit, sich zu sehr at­trak­ti­ver Ren­di­te – nor­ma­ler­wei­se im zwei­stel­li­gen Be­reich – an qua­li­ta­ti­ven As­sets zu be­tei­li­gen», er­klärt der LGT-Kre­dit­ex­per­te. Es hand­le sich um Tran­chen, die die Bank nicht we­gen schlech­ter Qua­li­tät los­wer­den wol­le, son­dern weil sie der­zeit im Port­fo­lio die­ser Bank mit viel Ei­gen­ka­pi­tal un­ter­legt wer­den müss­ten.

Re­gu­la­to­risch be­dingt

Da­bei sind die­se Tran­chen nicht un­be­dingt be­son­ders ris­kant: Ge­mäss LGT Ca­pi­tal Part­ners un­ter­schei­det das re­gu­la­to­ri­sche Ras­ter zu we­nig nach Schuld­ner­qua­li­tät, son­dern mehr nach for­mel­len Merk­ma­len – et­wa ob ein Ra­ting vor­han­den ist. Ge­ra­de Bi­lanz­trans­ak­tio­nen be­tref­fen oft Kre­di­te von KMU-Schuld­nern oh­ne öf­fent­li­ches Ra­ting.

Die Kre­di­te wer­den ein­zeln auf Qua­li­tät ge­prüft und dann struk­tu­riert. Die Bank trägt wei­ter­hin den ers­ten sich er­ge­ben­den Ver­lust. Nur der vom Ri­si­ko her mitt­le­re Mez­za­ni­ne-Teil wird wei­ter­ge­ge­ben. Die Bank hat ge­mäss See­hol­zer den An­reiz, gu­te Kre­di­te ab­zu­ge­ben. Denn er­ge­ben sich auf der ab­ge­ge­be­nen Tran­che un­er­war­te­te Ver­lus­te, müss­te sie den bei ihr ver­blei­ben­den Teil mit mehr Mit­teln un­ter­le­gen, da er vom Re­gu­la­tor neu be­ur­teilt wür­de.

Bis­her be­steht die­ser Markt aus bi­la­te­ra­len Trans­ak­tio­nen über Pri­vat­plat­zie­run­gen mit we­ni­gen Gross­in­ves­to­ren. Ge­mäss LGT Ca­pi­tal Part­ners könn­ten aber in ein bis drei Jah­ren öf­fent­li­che Plat­zie­run­gen mög­lich wer­den, wo­bei dann wie­der ein Ra­ting nö­tig wä­re.

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