Der Markt will den SMI auch noch nach 25 Jah­ren

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - PHIL­IP­PE BÉGUELIN

we­nig hö­her resp. das Ra­ting et­was tie­fer ist – aber eben nur teil­wei­se.

Nun geht der Preis­kampf wei­ter. No­ten­stein emit­tier­te vo­ri­ge Wo­che ei­ne Se­rie von Bar­ri­er Re­ver­se Con­ver­ti­bles, die sich je­weils auf ei­ne Ak­tie be­zie­hen: ABB, Cre­dit Suis­se, Hol­cim, Nest­lé, No­var­tis, Ro­che, Swiss­com, Swiss Re, UBS und Zu­rich In­suran­ce. Bei al­len be­trägt der Cou­pon 5%, und die Hö­he der Bar­rie­re wird ge­mäss den Markt­be­din­gun­gen an­ge­passt. Die­se Wo­che brach­te Von­to­bel die glei­chen Pro­duk­te auf die­sel­ben Ak­ti­en mit den glei­chen Bar­rie­ren, setz­te aber den Cou­pon leicht hö­her auf 5,5% an.

Das ist mehr als auf­fäl­lig. Grund­sätz­lich stüt­ze ich mich dar­auf ab, dass Märk­te in der Re­gel gu­te In­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­ter sind, auch wenn sie manch­mal über­trei­ben. In die­sem Fall wird der Markt von Von­to­bel of­fen­bar di­rekt zur In­for­ma­ti­ons­ver­mitt­lung ver­wen­det. Der Bran­chen­blog «Fi­nanz­pro­dukt.ch» schreibt: «Die Bank Von­to­bel gibt sich nicht mal die Mü­he und bie­tet in der Se­rie noch ei­ni­ge zu­sätz­li­che Ba­sis­wer­te an oder ver­län­gert die Lauf­zeit leicht, da­mit das Un­ter­fan­gen nicht so auf­ge­fal­len wä­re. Die Pro­duk­te von Von­to­bel und No­ten­stein ha­ben so­gar die sel­be Zeich­nungs­frist und ex­akt den sel­ben Ver­fall.»

Preis­wett­be­werb ist gut für die An­le­ger, und dass sich die Kon­di­tio­nen kon­kur­rie­ren­der Pro­duk­te so gut ver­lei­chen las­sen wie in die­sem Fall, ist ei­ne Sel­ten­heit. Die Feh­de treibt aber selt­sa­me Blü­ten.

Chris­ti­an Katz, CEO der SIX Swiss Ex­ch­an­ge, über den SMI oh­ne Di­vi­den­den und mit schwe­ren Ti­teln

Am 1. Ju­li 1988 wur­de der Swiss Mar­ket In­dex (SMI) ins Le­ben ge­ru­fen. Als­bald dien­te er als Ba­sis­wert für Op­tio­nen (1989) und Fu­tures (1990) – die­se wur­den da­mals an der Schwei­zer De­ri­vat­bör­se Soffex ge­han­delt, wel­che 1998 mit der Deut­schen Ter­min­bör­se zur Eur­ex fu­sio­nier­te. Der ers­te ko­tier­te Fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) auf den SMI war der weit­her­um be­kann­te XMTCH, lan­ciert 1999 von der Cre­dit Suis­se. Die Gross­bank ver­kauf­te ihr ETF-Ge­schäft An­fang 2013 an Black­Rock.

Be­reits ab 1996 kal­ku­lier­te Bank Leu den Vo­la­ti­li­täts­in­dex VLeu für den SMI. 2003 star­te­te das Pen­dant VSMI der Ban­ca del Got­tar­do, das 2005 von der SIX Swiss Ex­ch­an­ge über­nom­men wur­de.

Der Leit­in­dex kon­den­siert das Ge­sche­hen an der Bör­se. Die­se sei «nach wie vor mit Ab­stand der grösste zen­tra­le Markt der frei­en Ge­sell­schaft», er­klärt Chris­ti­an Katz, CEO der SIX Swiss Ex­ch­an­ge.

In­for­ma­tio­nen be­wäl­ti­gen

Die Schwei­zer Bör­se ha­be in den letz­ten 25 Jah­ren ei­ne ste­ti­ge Glo­ba­li­sie­rung und Tech­no­lo­gi­sie­rung er­lebt, führt Katz aus. «Die zwei Trends ha­ben da­zu ge­führt, dass wir viel mehr re­le­van­te In­for­ma­tio­nen er­hal­ten, die wir ver­ar­bei­ten müs­sen, um Ent­schei­de zu fäl­len.» Das sei zen­tral für die Preis­fin­dung von Fi­nanz­in­stru­men­ten wie Ak­ti­en und Ob­li­ga­tio­nen.

Um die gros­se In­for­ma­ti­ons­men­ge zu be­wäl­ti­gen, be­nüt­ze man viel mehr tech­ni­sche Mit­tel. Da­zu nennt Katz ein Bei­spiel: Frü­her stan­den die Händ­ler am Ring, rie­fen ein­an­der Auf­trä­ge zu und be­stä­tig­ten Ab­schlüs­se. Ver­gan­ge­nes Jahr gab es an der Bör­se im Durch­schnitt täg­lich 160 000 Ab­schlüs­se, das sind gut fünf pro Se­kun­de, und das Ver­hält­nis von Auf­trä­gen zu Ab­schlüs­sen be­trug in letz­ter Zeit et­wa zwölf. Das er­gä­be am Bör­sen­ring sech­zig Zu­ru­fe pro Se­kun­de, was sich na­tür­lich nicht be­wäl­ti­gen lies­se.

«Die­se Ent­wick­lung war vor­aus­seh­bar, des­halb hat die SIX Swiss Ex­ch­an­ge den Han­del tech­no­lo­gi­siert», sagt Katz. Auch heu­te sei sie die schnells­te Bör­se der Welt, und die Ka­pa­zi­tät wer­de noch längst nicht voll aus­ge­nutzt. Da­bei ge­he es nicht um den Hoch­fre­quenz­han­del (High Fre­quen­cy Tra­ding), son­dern um In­for­ma­tio­nen über 40 000 Wert­schrif­ten, die ver­ar­bei­tet wer­den müs­sen.

Je mehr Preis­da­ten vor­han­den sind, des­to un­über­sicht­li­cher wer­den die Si­gna­le, die von der Bör­se aus­strö­men. Ein In­dex sei ei­ne Ve­re­de­lung die­ser Da­ten, er­läu­tert Katz. «Die Preis­si­gna­le wer­den grup­piert, so­dass sie von der Wirt­schaft be­nutzt wer­den kön­nen für die Al­lo­ka­ti­on von Res­sour­cen.» Heu­te be­rech­net die SIX Swiss Ex­ch­an­ge mehr als 500 Ak­ti­en- und 1000 Anleihenindizes. «Das lie­fert ein Spek­trum für die Be­ob­ach­tung der Markt­da­ten und bringt Trans­pa­renz.»

In den SMI in­ves­tie­ren?

«Der SMI ist der Leit­in­dex, weil er vom Markt da­zu ver­wen­det wird.» Das sei nicht von der Bör­se vor­ge­schrie­ben. Kri­ti­ker mo­nie­ren, im SMI sei­en die Di­vi­den­den nicht ein­ge­rech­net. «Seit der Ge­burt des SMI gibt es auch den SMI To­tal Re­turn in­klu­si­ve Di­vi­den­den.» Vor al­lem auch von in­ter­na­tio­na­len Ban­ken und In­ves­to­ren wer­de aber der SMI oh­ne Di­vi­den­den be­vor­zugt, weil die Di­vi­den­den­zah­lun­gen in ver­schie­de­nen Län­dern steu­er­lich un­ter­schied­lich be­han­delt wer­den. So­mit sind Ak­ti­en­in­di­zes oh­ne Di­vi­den­den in­ter­na- tio­nal bes­ser ver­gleich­bar. Im Ge­gen­satz zum SMI sind die Di­vi­den­den im Swiss Per­for­mance In­dex (SPI) ent­hal­ten, die­ser wer­de in ers­ter Li­nie von Schwei­zer In­ves­to­ren als Bench­mark ver­wen­det.

«Neue In­di­zes wer­den auf­grund der Nach­fra­ge kre­iert.» Für ei­ni­ge In­ves­to­ren ist es stö­rend, dass der Re­fe­ren­z­in­dex von drei gros­sen Ti­teln do­mi­niert wird – die Ge­wich­tung von Nest­lé, No­var­tis und Ro­che be­trägt ins­ge­samt fast 60%. Das spie­gelt die La­ge am Schwei­zer Markt: «Je­des die­ser drei Un­ter­neh­men ist an der Bör­se deut­lich mehr wert als das grösste Un­ter­neh­men in Deutsch­land.» Das Be­dürf­nis be­stand dar­in, das Ge­wicht der gröss­ten Ti­tel zu pla­fo­nie­ren, um ei­ne bes­se­re Di­ver­si­fi­ka­ti­on des In­dex zu er­rei­chen. Des­halb rief die SIX den Swiss Le­a­der In­dex (SLI) ins Le­ben. «Ent­ge­gen der Er­war­tung ei­ni­ger Markt­teil­neh­mer hat der SLI den SMI als Haupt­in­dex nicht ab­ge­löst.»

Kri­ti­ker be­män­geln, ei­ne In­ves­ti­ti­on in den SMI sei we­gen der Ge­wich­tung der Ti­tel nicht sinn­voll. Katz ent­geg­net: «Der Markt wählt den SMI als Leit­in­dex.» Die­ser ha­be sich be­währt, als Re­fe­renz wie als Ba­sis­wert. Gleich­zei­tig bie­te die SIX ei­ne Pa­let­te an al­ter­na­ti­ven Re­fe­ren­zen.

Wie lässt sich der Er­folg ei­nes In­dex mes­sen? «Wir se­hen, wie vie­le Fi­nanz­pro­duk­te auf ei­nen In­dex lan­ciert wer­den und wie viel Geld dort in­ves­tiert wird, et­wa an­hand des Net As­set Va­lues von ETF. Zu­dem er­hal­ten wir Rück­mel­dun­gen aus dem Markt.» Ob der SMI auch in 25 Jah­ren Leit­in­dex sein wird, ist of­fen. Katz er­klärt: «Wir ste­hen nicht im Weg, falls ein an­de­rer In­dex po­pu­lä­rer wird und den SMI ab­löst.»

Händ­ler am Ring der Zürcher Bör­se ru­fen ein­an­der Auf­trä­ge zu und be­stä­ti­gen Ab­schlüs­se (De­zem­ber 1987).

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