Gold ka­pi­tu­liert

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PE­TER AHLUWALIA

DZu Quar­tals­en­de auf Drei­jah­res­tief – «Markt­ma­cher» No­ten­ban­ken

er Goldpreis be­weg­te sich am Frei­tag um 1215 $/ Fein­un­ze, nach­dem er am Don­ners­tag un­ter 1200 ge­fal­len war. Dies be­deu­tet ei­nen Ver­lust von fast 25% im zwei­ten Quar­tal und den stärks­ten Ein­bruch in­ner­halb ei­nes Quar­tals seit 1920. Al­lein seit der letz­ten FOMC-Sit­zung am 18./19. Ju­ni hat Gold über 10% ver­lo­ren. Aus­lö­ser wa­ren Aus­sa­gen von US-Zen­tral­bank­chef Ben Bernan­ke. Er hat­te ei­ne mög­li­che Straf­fung der lo­cke­ren Geld­po­li­tik in Aus­sicht ge­stellt.

Dies lin­der­te die In­fla­ti­ons­ängs­te der In­ves­to­ren und führ­te zu hö­he­ren Re­al­zin­sen, wes­halb das gel­be Me­tall als In­fla­ti­ons­schutz we­ni­ger ge­fragt war. Wei­te­re Grün­de für die Tal­fahrt des Gold­prei­ses sind ein stär­ke­rer Dol­lar so­wie die ver­bes­ser­te Wirt­schafts­la­ge in den USA. Zum Mo­nats- und Quar­tals­en­de li­qui­die­ren in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren und Händ­ler ih­re Gold­po­si­tio­nen zur Bi­lanz­kos­me­tik. Die Be­stän­de im welt­weit gröss­ten Gold-ETF lie­gen in­zwi­schen mit we­ni­ger als 1000 Ton­nen wie­der auf dem Ni­veau von An­fang 2009. Den Höchst­preis er­ziel­te das Edel­me­tall im Sep­tem­ber 2011 mit 1921.15 $.

Miss­ver­ständ­nis­se?

Der US-Ak­ti­en­in­dex S&P 500 sank bis zur Be­ru­hi­gung der Märk­te An­fang die­ser Wo­che um 5%, konn­te sich aber seit Wo­chen­be­ginn um 1,3% auf 1613 Zäh­ler er­ho­len. Der Dow Jo­nes In­dus­tri­al klet­ter­te über die Mar­ke von 15 000 Punk­ten zu­rück und no­tier­te zu­letzt auf 15 016. Die asia­ti­schen Märk­te wur­den dank dem stei­gen­den Ei­gen­heim­ab­satz in den USA und ei­ner stär­ker als er­war­tet ge­stei­ger­ten In­dus­trie­pro­duk­ti­on in Ja­pan be­flü­gelt. Die chi­ne­si­sche Zen­tral­bank dämpf­te Ängs­te über ei­ne Fi­nanz­kri­se in der zweit­gröss­ten Volks­wirt­schaft der Welt. Der ja­pa­ni­sche Nik­kei sprang bin­nen Wo­chen­frist um 3,4% auf 13 677 Punk­te. So auch der Hang Seng, der mit 20 803 Zäh­lern 2,7% im Plus no­tiert.

An­le­ger in­ter­pre­tier­ten die jüngs­ten Kon­junk­tur­da­ten po­si­tiv. Zu­dem hat­ten rang­ho­he Ver­tre­ter der US-No­ten­bank ver­sucht, ver­meint­li­che Miss­ver­ständ­nis­se über das En­de der hoch­ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik aus­zu­räu­men. Die Ak­ti­en- und die Roh­stoff­märk­te re­agier­ten je­doch nicht nur un­ge­hal­ten auf die An­deu­tun­gen der ame­ri­ka­ni­schen No­ten­bank, ih­re Wirt­schafts­sti­mu­li zu­rück­zu­fah­ren. Ei­nen gros­sen Ein­fluss hat­ten auch die ex­trem schnell stei­gen­den Ob­li­ga­tio­nen­ren­di­ten. Die zehn­jäh­ri­gen US-Staats­an­lei­hen sind bin­nen Mo­nats­frist um 35 Ba­sis­punk­te (Bp), bin­nen Jah­res­frist so­gar um 93 Bp auf 2,51% ge­stie­gen. Auf Fünf­ta­ges­sicht ist die Ren­di­te für Schwei­zer Staats­an­lei­hen mit zehn Jah­ren Lauf­zeit um 32 Bp auf 1,04% ge­stie­gen. In Deutsch­land stan­den Ti­tel mit die­ser Lauf­zeit bei 1,73%. Die Ren­di­ten der eu­ro­päi­schen Pe­ri­phe­rie­staa­ten zo­gen in den ver­gan­ge­nen Ta­gen im Ver­gleich zu Ker­n­eu­ro­pa stär­ker an. In Spa­ni­en ren­tie­ren zehn­jäh­ri­ge Staats­ti­tel vor­über­ge­hend wie­der mehr als 5%. Zu­letzt war das im März der Fall. Am schwächs­ten ent­wi­ckel­ten sich die Staats­ti­tel aus Grie­chen­land und Por­tu­gal.

ENoch we­nig Wir­kung

Die lo­cke­re Geld­po­li­tik der USA hat­te bis jetzt sehr ge­rin­ge Aus­wir­kun­gen auf die rea­le Wirt­schaft. Die An­le­ger ha­ben die Kom­men­ta­re des US-No­ten­bank­chefs zu­nächst miss­in­ter­pre­tiert. Nur wenn sich die Wirt­schaft wei­ter ver­bes­sert und die Ar­beits­lo­sig­keit un­ter 7% sinkt, könn­te sich die No­ten­bank gra­du­ell von ih­ren kon­junk­tur­sti­mu­lie­ren­den Mass­nah­men ver­ab­schie­den. Dies soll­te vom Markt po­si­tiv auf­ge­nom­men wer­den, da es be­deu­tet, dass die Wirt­schaft oh­ne Un­ter­stüt­zung aus­kommt. Falls die Wirt­schaft wi­der Er­war­ten schwach blie­be, müss­ten die Initia­ti­ven der No­ten­bank in Kraft blei­ben.

Der Eu­ro no­tier­te am Frei­tag­nach­mit­tag auf dem Ni­veau von 1.30 $/€, nach­dem er am Tag des FOMC-Mee­tings in der Vor­wo­che noch mit 1,34 $/€ um­ge­gan­gen war. Die zu­letzt gu­ten Kon­junk­tur­da­ten aus den USA ge­ben dem Dol­lar Rü­cken­wind. Am Di­ens­tag war das US-Ver­brau­cher­ver­trau­en im Ju­ni über­ra­schend stark auf das höchs­te Ni­veau seit Ja­nu­ar 2008 ge­stie­gen. Die Häu­ser­prei­se stie­gen im Jah­res­ver­gleich um 12%.

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